— Zwölf Leute stehen vor deiner Tür, und du willst einfach ins Sanatorium fahren?!

— Mama, spar nicht mit den Zwiebeln für die Füllung, aber brate sie vorher in Butter an, damit sie nicht bitter werden!

— dröhnte Andrejs befehlender Ton aus dem Lautsprecher.

Ljudmila Kusminitschna hielt das Telefon etwas vom Ohr weg.

Auf dem gusseisernen Kochfeld stand nichts.

Weder Töpfe mit geschmortem Kohl noch Schüsseln mit Hackfleisch waren in der Küche zu sehen.

Auf dem polierten Esstisch lag nur eine weiße Papierserviette, die von einem Salzstreuer beschwert wurde.

— Hörst du mir überhaupt zu, oder träumst du schon wieder vor dich hin?

— Der Druck ihres Sohnes nahm mit jeder Sekunde zu.

— Ksenia hat gesagt, zwei Bleche mit Leberfüllung und drei mit Fleisch.

Michail kommt schlecht gelaunt von der Schicht, mit magerem Essen wird der nicht satt.

Außerdem bringt die Schwiegermutter ihre Neffen übers Wochenende aus dem Vorort mit.

Kurz gesagt, genau zwölf hungrige Mäuler kommen.

Um elf soll der Dampf von den Blechen aufsteigen!

— Ich habe dich verstanden,

— sagte Ljudmila Kusminitschna.

— Na also.

Du verstehst doch selbst, dass es peinlich ist, vor den Schwiegereltern gekaufte Fertigsachen auf den Tisch zu stellen.

Artur stockte für einen Moment, während er das Telefon in die andere Hand nahm.

— Wir sind gegen elf da.

Lass das Tor zum Hof offen!

Die Verbindung brach mit einem kurzen Signal ab.

Ljudmila Kusminitschna steckte das Telefon in die Tasche ihres beigen Mantels.

Sie hatte fünfunddreißig Jahre als leitende Disponentin des Störungsdienstes beim städtischen Stromnetz gearbeitet.

Es war schwer, sie mit Geschrei, einem kaputten Transformator oder einem gerissenen Hochspannungskabel aus der Ruhe zu bringen.

Wenn während eines Schneesturms im Januar die Hälfte eines Wohnviertels im Dunkeln saß, verteilte sie die Bereitschaftsteams ohne Hektik und ohne zitternde Hände.

Doch die letzten drei Jahre im Familienleben ihres Sohnes erinnerten an einen endlosen Kurzschluss.

Die Tradition, alle zwei Wochen Kseni­as Verwandtschaft zu bewirten, begann direkt nach der Hochzeit.

Die junge Schwiegertochter hatte schnell begriffen: Warum sollte man das Familienbudget für Cafés ausgeben oder die Pfannen in der nagelneuen Wohnung schmutzig machen, wenn die Schwiegermutter eine geräumige Wohnung und jahrzehntelange Erfahrung am Herd hatte?

Das Szenario änderte sich jahrelang nicht.

Am Samstag gegen Mittag kam ein fordernder Anruf.

Kurz darauf stürmte eine laute Gesellschaft herein, angeführt von Ksenia.

Die Schuhe wurden direkt an der Tür wahllos hingeworfen.

Michail drängte sich als Erstes zum Herd und kontrollierte mit einer großzügigen Hausherrenbewegung den Backofen.

— Ljudmila Kusminitschna, beim Fleisch haben Sie aber gespart!

— brummte er mit tiefer Stimme und hob direkt vom Blech ein Stück Kuchen an.

— Letztes Mal war die Füllung saftiger!

Die Gäste verschlangen das Gebäck innerhalb weniger Minuten.

Danach ließ sich die Schwiegermutter auf dem Sofa nieder und beklagte sich über die hohen Preise in den Geschäften, während Ksenia geschäftsmäßig große emaillierte Behälter und Plastiktüten hervorholte.

— Mama, wir nehmen die Reste mit!

— verkündete die Schwiegertochter, ohne auf eine Antwort zu warten.

— Michail braucht morgen etwas für die Arbeit, und Andrej liebt Hausgemachtes.

Allein schaffen Sie das ohnehin nicht, es würde nur verderben!

In drei Jahren hatte keiner der zwölf Menschen auch nur ein einziges Mal ein Päckchen Butter oder eine Tüte Mehl auf den Tisch gelegt.

Als Ljudmila Kusminitschna im vergangenen Sommer beiläufig zu ihrem Sohn sagte, dass Rinderfilet auf dem Markt fast doppelt so teuer geworden sei, verzog Ksenia nur ihre geschminkten Lippen.

Die Schwiegertochter erklärte, dem eigenen Sohn und seiner neuen Familie ein Stück Brot vorzuhalten, sei beschämender Geiz.

Ljudmila Kusminitschna ging zum Wohnzimmerschrank.

Dort lag neben einer Kristallschale ein in der Mitte gefaltetes Blatt aus einem Schulheft.

Darauf stand in ihrer klaren Disponentenschrift:

„Bin zur Behandlung ins Sanatorium gefahren.

Das Gas ist abgestellt.

Kuchen gibt es im Feinkostladen an der Straßenbahn-Endhaltestelle.

Ljudmila.“

Daneben lag der blaue Abschnitt einer Überweisung vom Rheumatologen mit dem runden Stempel der Bezirksklinik.

Sie überprüfte ihre kleine Reisetasche, richtete ihren Schal und ging hinaus ins Treppenhaus, nachdem sie die Tür abgeschlossen hatte.

Die Uhr zeigte acht Uhr morgens.

Bis zur Abfahrt des Vorortbusses blieb genügend Zeit.

Am Busbahnhof empfingen sie Motorenlärm, bläulicher Rauch alter Busse und die scharfe Stimme des Ansagers aus dem Lautsprecher über dem Bahnsteig.

Ljudmila Kusminitschna setzte sich im Wartesaal auf eine Bank.

Sie legte die Hände auf die Knie.

Die Gelenke schmerzten wie gewohnt wegen des feuchten Herbstwindes, aber innerlich herrschte eine ruhige Klarheit.

Sie hatte mehrere Monate für diese Reise gespart und sich fast alles versagt, außer den billigsten Getreidesorten und ihren Augentropfen.

Um Viertel vor elf begann das Telefon in ihrer Tasche ununterbrochen zu vibrieren.

Sie ließ es fünf lange Male klingeln, bevor sie auf die grüne Taste drückte.

— Mama!

— Aus dem Lautsprecher kam ein solcher Schrei, als wäre Andrej zwischen zwei Eisenbahnwaggons eingeklemmt worden.

— Wo treibst du dich überhaupt herum?!

— Im Wartesaal, Andrej,

— antwortete sie.

— In welchem Wartesaal bitte?!

Wir haben die Wohnung mit unseren Schlüsseln aufgeschlossen, kommen rein — und dort zieht es eiskalt!

Auf dem Herd ist nichts!

Keine Kuchen, kein Tee!

Die Stimme ihres Sohnes überschlug sich.

— Michail ist hungrig wie ein Wolf angekommen, und die Schwiegermutter ist vor Empörung gleich auf die Sitzbank gesunken!

Auf dem Tisch liegt irgendein bescheuerter Zettel!

Was soll dieses Theater aus heiterem Himmel?!

— Dort steht alles in verständlicher Sprache,

— sagte Ljudmila Kusminitschna.

— Ich bin gefahren, um mich um meine Gesundheit zu kümmern.

Meine Beine tun weh, mein Rücken lässt sich kaum noch gerade machen.

— Was denn für eine Gesundheit?!

— Ksenia riss Andrej das Telefon aus der Hand.

Die Stimme der Schwiegertochter klirrte vor echter Wut.

— Ljudmila Kusminitschna, sind Sie noch ganz bei Verstand?!

Zwölf Menschen stehen hungrig im Flur!

Die Kinder quengeln nach der Fahrt, Michail ist nach seiner Schicht schlecht gelaunt!

Wir haben wegen Ihrer Kuchen zu Hause nicht einmal Brot gekauft, weil wir mit einem richtigen Mittagessen gerechnet haben!

Die Schwiegertochter holte Luft und schrie:

— Rufen Sie sofort ein Taxi und kommen Sie zurück!

Die Leute warten!

— Holt euch doch ein paar Piroggen im Feinkostladen, Ksenia,

— riet die Schwiegermutter.

— Die mit Kohl kosten dort fast nichts und sind frisch.

— Essen Sie Ihren Feinkostladen doch selbst!

— schrie die Schwiegertochter.

— Andrej, tu etwas!

Deine Mutter macht uns vor meiner ganzen Familie lächerlich!

Im Telefon ertönte wieder die Stimme des Sohnes.

— Also, Mutter, Schluss mit den Witzen.

Bleib genau da sitzen!

Wir kommen jetzt mit dem Auto zum Busbahnhof.

Dein Bus fährt ohne uns nirgendwo hin, ich rede persönlich mit dem Disponenten!

Ljudmila Kusminitschna legte auf.

Bis zum Einsteigen blieben ungefähr zwanzig Minuten.

Mit dem Auto brauchte man von ihrem Haus bis zum Bahnhofsvorplatz höchstens zehn Minuten.

Sie blieb auf der Eichenbank am breiten Fenster sitzen.

Andrej stürmte mit vor Eile gerötetem Gesicht durch die automatischen Türen des Busbahnhofs.

Seine Jacke stand offen, und der Schal hing schief.

Hinter ihm trippelte Ksenia hastig her, während sie nervös an den Knöpfen ihrer mintfarbenen Strickjacke herumspielte.

Als Andrej seine Mutter sah, beschleunigte er seine Schritte und baute sich mit dem ganzen Körper vor ihr auf.

— Hast du im Alter jetzt völlig den Verstand verloren?!

— zischte er und blickte sich nach den vorbeigehenden Fahrgästen um.

— Da sitzen Menschen in einer leeren Wohnung!

Michail ist völlig aufgebracht, und die Schwiegermutter bringt vor Kränkung kein Wort heraus!

Verstehst du überhaupt, wie wir jetzt vor ihnen dastehen?!

— Ihr seht ganz normal aus,

— antwortete Ljudmila Kusminitschna und blickte ihrem Sohn ins Gesicht.

— Wie erwachsene Menschen, die Gäste eingeladen haben und sie nun selbst bewirten müssen.

— Sollen wir sie etwa in eine Kantine führen?!

— fuhr Ksenia auf und zeigte mit dem Finger auf ihre Schwiegermutter.

— Für zwölf Leute verlangen die dort ein Vermögen!

Wir haben eine Hypothek und noch den Autokredit!

Wir haben mit einem normalen Familienempfang gerechnet!

Sind Sie Mutter oder was überhaupt?!

Sie sind verpflichtet, Ihrem Sohn zu helfen!

— Wem genau schulde ich wie viel?

— fragte Ljudmila Kusminitschna.

— Deiner Familie!

— brüllte Andrej und packte den Griff ihrer Reisetasche.

— Schluss mit der Komödie.

Steh auf, wir fahren.

Unterwegs halten wir am Supermarkt, kaufen fertigen Teig und Hackfleisch.

In einer Stunde bist du fertig, wenn du dich ein bisschen beeilst.

Michail kann sich solange mit belegten Broten begnügen.

Er zog die Tasche nach oben, doch Ljudmila Kusminitschna drückte sie mit dem Ellbogen gegen den Sitz.

— Nimm deine Hand weg, Andrej,

— sagte sie ohne zu schreien, aber mit so viel stählerner Disziplin in der Stimme, dass ihr Sohn die Hand sofort zurückzog.

Andrej erstarrte.

In fünfunddreißig Jahren hatte er seine Mutter noch nie mit einer derart eisigen Stimme sprechen hören.

— Mama, was ist denn mit dir?..

— Ich bin weder eine Köchin aus der Werkskantine,

— sagte sie langsam und deutlich.

— Noch bin ich für deine Ksenia eine kostenlose Haushaltshilfe.

Seit drei Jahren kommt ihr samstags mit der ganzen Horde zu mir.

Habt ihr auch nur einmal eine Tüte Äpfel zum Tee mitgebracht?

Habt ihr auch nur einmal gefragt, von welchem Geld ich das Fleisch gekauft habe, das dein geliebter Michail danach in seine Tüten gestopft hat?

— Sie haben uns doch selbst eingeladen!

— fauchte Ksenia.

— Sie haben doch selbst gesagt, dass es Ihnen allein langweilig ist!

Sie sollten froh sein, dass die Verwandtschaft gern zu Ihnen kommt, statt wie ein Einsiedler auf Ihren Sachen zu sitzen!

— Ich habe meinen Sohn zum Mittagessen eingeladen,

— wies Ljudmila Kusminitschna sie zurecht.

— Meinen Sohn allein.

Nicht ein ganzes Lager hungriger Schmarotzer mit leeren Behältern unterm Arm.

— Mama, hör doch auf, dich vor allen Leuten zu blamieren!

— Andrej warf nervös einen Blick auf die Reisenden mit ihren Koffern, die inzwischen begannen, dem Streit zuzuhören.

— Na gut, wir haben übertrieben!

Beim nächsten Mal bringen wir das Essen selbst mit!

Komm jetzt zurück, ja?

Es ist peinlich vor den Schwiegereltern, die arme ältere Frau quält sich nach der Fahrt!

— Dann bring sie doch zu euch, mein Sohn,

— riet seine Mutter.

— Ihr habt ein weiches Sofa und einen Fernseher über die halbe Wand.

Soll Ksjuschenka sich an den Herd stellen und Frikadellen braten.

Sie ist jung, gesund, davon fallen ihr die Hände nicht ab.

Die Schwiegertochter zuckte nervös mit der Schulter.

— Warum sollte ich meinen rechtmäßigen freien Tag am Herd verschwenden?!

Ich habe die ganze Woche an der Anmeldung mit Patientenakten geschuftet!

— Und ich habe fünfunddreißig Jahre im Schichtdienst geschuftet,

— Ljudmila Kusminitschna stand von der Bank auf.

Ihre Knie reagierten mit einem stechenden, dumpfen Schmerz, doch sie richtete ihren Rücken gerade.

— Und ich habe mir das Recht verdient, samstags auszuruhen, statt einen Sack Mehl für fremde Verwandte zu verarbeiten.

Sie zog das blaue Formular mit dem Stempel aus der Seitentasche.

— Hier ist die Überweisung vom Rheumatologen.

Sie lag drei Wochen auf der Kommode direkt vor deiner Nase, als du das Steckschlüsselset deines Vaters geholt hast.

Hast du auch nur ein einziges Mal gefragt, warum deine Mutter hinkt?

Andrej sah auf den blauen Klinikstempel und verstummte verwirrt.

Aus dem Lautsprecher ertönte mechanisches Knacken:

„Bus Nummer zweihundertvierzig zum Sanatorium fährt von Bahnsteig zwei ab.

Die Fahrgäste werden gebeten, sich zum Einstieg zu begeben.“

Ljudmila Kusminitschna nahm ihre Tasche.

— Du fährst nirgendwohin!

— Andrej machte einen Schritt nach vorn und versuchte, ihr den Weg zu den Glastüren zu versperren.

— Die Schlüssel zu deiner Wohnung habe ich in der Tasche!

Hörst du?!

Wir bleiben dort sitzen, bis du wieder zur Vernunft kommst!

Michail kontrolliert schon den Gefrierschrank!

— Soll er ruhig nachsehen, mein Lieber,

— lächelte seine Mutter spöttisch.

— Der Kühlschrank ist seit Mittwoch leer, abgetaut und ausgeschaltet.

Nicht einmal eine Packung Salz liegt im Regal.

Und den Schlüssel kannst du als Andenken behalten.

Ich komme in drei Wochen zurück und rufe sofort einen Schlosser, damit er das Schloss austauscht.

Sie ging an ihrem Sohn vorbei.

— Ljudmila Kusminitschna!

— schrie Ksenia ihr mit unverhohlener Bosheit hinterher.

— Sie sind eine gewissenlose Egoistin!

Vergessen Sie den Weg zu unserem Haus!

Wir werden uns Ihnen nie wieder nähern!

Im Alter werden Sie es noch bereuen, aber dann wird es zu spät sein!

Dann wird niemand da sein, der Ihnen auch nur ein Glas Wasser reicht!

Ljudmila Kusminitschna verlangsamte nicht einmal ihren Schritt.

— Gute Reise,

— warf sie über die Schulter zurück.

— Dann bleiben wenigstens meine Pfannen heil.

Auf dem Bahnsteig zog ein frischer Herbstwind.

Der alte Bus vibrierte leicht im Leerlauf und stieß weißliche Dampfwolken aus.

Der Kontrolleur in einer orangefarbenen Weste überprüfte ihre Fahrkarte, warf einen Blick in den Pass und zeigte in Richtung Innenraum.

— Gehen Sie durch, Platz sieben am Fenster.

Sie stieg die geriffelten Stufen hinauf und setzte sich auf ihren Platz.

Durch die staubige Scheibe sah sie Andrej und Ksenia.

Ihr Sohn gestikulierte wütend und erklärte seiner Frau etwas, während sie laut zurückschrie.

Dann rannten beide beinahe zum Parkplatz.

Offenbar war ihnen eingefallen, dass in der leeren, kalten Wohnung noch hungrige Verwandte mit leeren Töpfen warteten.

Der Bus setzte sich schwankend in Bewegung und bog langsam auf die Landstraße ein.

Draußen zogen rotbraune Streifen des herbstlichen Waldes, leere Haltestellen und Zäune von Wochenendgrundstücken vorbei.

Vor ihr lagen drei Wochen mit Heilbädern, Stille, Kiefernalleen und Kantinensuppen, die ein vollkommen fremder Koch für sie zubereiten würde.

Drei Wochen vergingen.

Ljudmila Kusminitschna kehrte früh am Morgen mit einem Linienbus in die Stadt zurück.

Ihr Gang war leichter geworden, die dumpfen Schmerzen in den Knien hatten deutlich nachgelassen, und innerlich fühlte sie sich ruhig.

Sie wählte sofort die Nummer von einem Zettel, den sie vom schwarzen Brett im Hauseingang abgerissen hatte.

Vierzig Minuten später entfernte ein breitschultriger Handwerker mit einem Metallkoffer den alten Schließzylinder und baute einen neuen Messingzylinder mit einem versiegelten Schlüsselsatz ein.

Andrejs alter Schlüssel war damit nur noch ein nutzloses Stück Metall.

Gegen sechs Uhr abends klingelte das Telefon.

Auf dem Bildschirm erschien der Name ihres Sohnes.

Ljudmila Kusminitschna nahm den Anruf an.

— Schon zu Hause?

— brummte Andrej ohne Begrüßung.

Sein Ton war gereizt, gezwungen und eindeutig beleidigt.

— Zu Hause, mein Sohn.

— Und wie geht es deiner Gesundheit?

Hat dir die Reise gefallen?

— Ich habe mich wunderbar erholt.

Danke, dass du dich nach dem Befinden deiner Mutter erkundigst.

Am anderen Ende entstand eine Pause.

Andrej hatte offenbar damit gerechnet, einen schuldbewussten Ton oder wenigstens eine Entschuldigung wegen des drei Wochen zuvor ruinierten Familienfestes zu hören.

— Also, Folgendes,

— begann er wieder mit seinem alten Nachdruck, auch wenn seine Stimme weniger selbstsicher klang.

— Ksenia hat gesagt, sie wird nicht als Erste anrufen.

Du hast uns damals vor ihrer ganzen Familie blamiert.

Michail musste in einem Café an der Landstraße eine ordentliche Summe bezahlen und ist immer noch sauer.

Aber ich bin bereit, die Sache zu vergessen.

Der Sohn holte laut Luft und hielt seine vorbereitete Rede.

— Morgen ist Samstag.

Back ordentlich Kuchen, so wie es sich gehört.

Mit Fleisch und mit Äpfeln.

Wir kommen gegen zwei Uhr mit der ganzen Familie.

Und diesmal ohne deine Spielchen.

Ljudmila Kusminitschna nahm das Telefon in die andere Hand.

— Ihr werdet nicht kommen, Andrjuscha,

— antwortete sie ruhig.

— Und warum bitte nicht?!

— Ich habe den Schließzylinder vor einer halben Stunde austauschen lassen.

Und ich backe ab jetzt ausschließlich zu großen Feiertagen.

Und ausschließlich für mich selbst.

— Bist du überhaupt meine Mutter oder ein fremder Mensch?!

— schrie ihr Sohn.

— Wir sind doch eine Familie!

— Deine Mutter bin ich,

— bestätigte sie.

— Aber die kostenlose Essensausgabe ist für immer geschlossen.

Der Dienst ist abgegeben, die Schicht ist beendet.

Sie legte auf und schaltete den Ton ihres Telefons aus.

Ein paar Tage später erzählte ihr die Nachbarin auf demselben Stockwerk eine amüsante Neuigkeit.

Das gesamte vergangene Wochenende hatten Andrej, Ksenia und Michail auf der Datscha von Kseni­as Mutter verbracht und im Nieselregen ein überwuchertes Kartoffelbeet umgegraben — im Austausch gegen zwei Gläser eingelegte Gurken vom Vorjahr.

Der familiäre Trupp hatte sich auf einen neuen Versorgungsposten verlagert.

Doch Ljudmila Kusminitschna berührte das überhaupt nicht mehr.

Sie nahm eine Tube Salbe aus der Apotheke aus ihrer Tasche, legte sie in die Kommode, schaltete das Radio an der Wand ein und setzte sich hin, um alte Stromrechnungen zu sortieren.

In der Wohnung war es warm, geräumig und ungewohnt still.