— Ich gehe zu einer anderen Frau, — sagte Andrej.

Ich nickte und bat ihn, nur das mitzunehmen, was er selbst gekauft hatte.

— Gut, — sagte Jekaterina und klappte den Laptop zu.

— Dann nimm nur das mit, was du selbst gekauft hast.

Andrej stand mitten im Wohnzimmer mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der für einen großen Monolog auf die Bühne getreten war und statt Tränen oder Schreien nur eine nüchterne geschäftliche Bemerkung erhalten hatte.

Hinter ihm leuchtete sanft der neue Fernseher.

Auf der Armlehne des Sofas lag sein Sakko.

Auf dem Couchtisch kühlte der Tee ab, den er nicht einmal angerührt hatte, während er sich darauf vorbereitete, sein neues Leben zu verkünden.

Aus Sonjas Zimmer war das Rascheln von Seiten zu hören.

Die Nichte tat so, als würde sie ihre Aufzeichnungen lernen, doch Jekaterina wusste: Sie hörte alles.

— Du fragst nicht einmal, wer sie ist? — Andrej lächelte mit angestrengter Selbstsicherheit.

— Nein.

— Und warum ich gehe, interessiert dich auch nicht?

— Mich interessiert etwas anderes mehr.

Womit genau du gehen wirst.

Er blinzelte, als hätte er nicht sofort verstanden, was er gehört hatte.

Die Wohnung um sie herum sah genauso aus, wie Jekaterina sie zehn Jahre lang gestaltet hatte.

Helle Wände ohne billige Schnörkel.

Ein grau-sandfarbenes Sofa aus einer neuen Kollektion, das sie sich über einen Firmenrabatt besorgt hatte.

Ein hoher Schrank im Flur, der nach ihren Maßen angefertigt worden war.

Eine Küche mit matten Fronten, die Andrej vor Gästen gern als „meinen Geschmack“ bezeichnete, obwohl er nur ein einziges Mal für zwanzig Minuten im Möbelstudio gewesen war.

Im Schlafzimmer stand ein Bett mit einem vernünftigen orthopädischen Untergestell und nicht mehr dieses quietschende Grauen, auf dem sie in den ersten Jahren geschlafen hatten.

Auf der Loggia standen Regale für Kartons mit Unterlagen und saisonale Dinge.

All das hatte Andrej längst zu einem Teil seiner eigenen Biografie gemacht.

So war es bequemer: in der Ordnung eines anderen zu leben und sie als Zeichen der eigenen Größe auszugeben.

— Hast du beschlossen, mich jetzt zu demütigen? — presste er hervor.

— Nein.

Ich will nur keine Verwirrung.

Du gehst — also nimm dein Zeug.

— Alles in dieser Wohnung gehört uns beiden.

Jekaterina hob den Blick zu ihm.

— Dann fangen wir mit der Wohnung an.

Er grinste.

— Fang bloß nicht mit diesen Buchhaltertricks an.

Ich bin nicht bei der Arbeit.

— Schade.

Dort verstehst du wenigstens, dass Zahlen mehr sagen als Menschen.

Andrej riss sein Sakko vom Sessel, warf es wieder zurück, setzte sich und stand sofort wieder auf.

Er hatte eine andere Reaktion erwartet.

Man sah es daran, wie nervös sich seine Schultern bewegten.

Man sah es an der Gereiztheit, die schnell hinter der schönen Geste „Ich gehe“ zum Vorschein kam.

Er brauchte ein Schauspiel, nach dem er als Held hätte gehen können.

Mit einer schweren Entscheidung.

Mit einem müden Rücken.

Mit dem Satz: „Ich habe lange genug durchgehalten.“

Jekaterina hatte dieses Schauspiel mit einem einzigen Satz zerstört.

— Hast du schon lange jemand anderen? — fragte Sonja leise aus der Türöffnung.

Sie stand barfuß dort, in einem Hauspullover, das Handy in der Hand und mit einem Gesichtsausdruck, als wüsste sie nicht, ob sie zurückgehen oder bleiben sollte.

Andrej riss den Kopf herum.

— Misch dich nicht in Gespräche von Erwachsenen ein.

— Sie wohnt bei mir, — erwiderte Jekaterina.

— Und solange sie hier ist, ist das auch ihr Zuhause.

Also wird sie genau so viel hören, wie du selbst in dieses Wohnzimmer gebracht hast.

Sonja sagte nichts mehr.

Sie lehnte nur die Schulter an die Wand und sah weg.

Plötzlich sprach Andrej sanfter, beinahe herablassend.

— Katja, mach daraus keinen Basar.

Ich bin nicht dein Feind.

Ich will, dass wir uns wie vernünftige Menschen trennen.

Ohne Kleinlichkeit.

Ohne dieses Gerede darüber, wer welche Gabel oder welchen Hocker gekauft hat.

— Die Gabeln kannst du hierlassen.

Darum ist es mir nicht schade.

Aber das Auto, den Fernseher, die Kaffeemaschine und die Möbel hast du offenbar schon jemandem versprochen.

Er erstarrte.

Es war fast nicht zu bemerken — eine kurze Anspannung im Hals, ein schwerer Blick, eine zu lange Pause vor dem nächsten Wort.

Doch Jekaterina arbeitete seit fünfzehn Jahren im Verkauf.

Sie erkannte, wenn jemand zwar noch nicht ertappt worden war, aber bereits zählte, wie viele Ausgänge ihm noch blieben.

— Wovon redest du? — warf er viel zu gleichmäßig hin.

— Davon, dass man solche Ankündigungen nicht mit leeren Händen macht.

Du hast bereits ein Bild von deinem neuen Alltag im Kopf.

Und offenbar bist du darin nicht nur mit einem Koffer angekommen.

— Deine Fantasie geht mit dir durch.

— Ich habe ein gutes Gedächtnis.

Sie stand auf, ging zur Loggia, öffnete den oberen Schrank und holte eine blaue Mappe mit Druckknopf heraus.

Andrej folgte ihr mit einem zunehmend gereizten Blick.

Sonja blieb weiterhin an der Tür stehen.

— Ist das dein Ernst? — Andrej lachte kurz auf.

— Willst du jetzt auch noch ausrechnen, wer wie viele Glühbirnen eingeschraubt hat?

Jekaterina legte die Mappe auf den Tisch.

— Ich werde das zählen, was auf meinen Namen läuft und von mir bezahlt wurde.

Die Glühbirnen kannst du als Bonus mitnehmen.

Er trat an den Tisch, öffnete die Mappe, überflog das erste Blatt und verzog das Gesicht.

Oben lag der Kaufvertrag über den Verkauf ihres Zimmers, das sie bereits vor der Ehe besessen hatte.

Darunter lag der Kontoauszug über den Eingang des Geldes.

Noch weiter unten befand sich die Zahlung für diese Wohnung.

Dann folgten der Kostenvoranschlag für die Renovierung, die Küchenbestellung, die auf Raten gekauften Geräte und die Ablösung des Autokredits.

Alles mit Daten, Beträgen und ihrer Unterschrift.

— Du hast das alles aufgehoben? — fragte er nun ohne Grinsen.

— Natürlich.

— Warum?

— Weil Möbel schön sein können, Menschen aber manchmal sehr vorübergehend sind.

Jekaterina selbst wunderte sich über die Ruhe in ihrer Stimme.

Sie wollte ihn nicht mit einem schönen Satz verletzen.

Sie wollte, dass er endlich sah, worauf er all die Jahre gelebt hatte — nicht auf Komfort, sondern auf den Zahlungen eines anderen, den Verträgen eines anderen und den nächtlichen Berechnungen eines anderen nach der Arbeit.

Andrej schob das erste Blatt beiseite.

— Ich habe in diese Familie investiert.

— Wohin genau?

— In alles.

— Eine großartige Antwort.

Nur solltest du einem Notar etwas vorlegen, das etwas greifbarer ist als Luft.

Sonja nahm das Handy hinter den Rücken.

Offenbar hatte sie bereits gefilmt.

Andrej bemerkte es und brüllte:

— Nimm das weg!

— Schrei sie nicht an, — sagte Jekaterina ruhig.

— Das hilft dir sowieso nicht mehr.

Er drehte sich abrupt zu seiner Frau um.

— Hast du beschlossen, mich wie einen Niemand dastehen zu lassen, nur weil ich gehe?

— Nein.

Du hast dir selbst große Mühe gegeben.

Jekaterinas Handy vibrierte.

Auf dem Display erschien: „Tamara Iljinitschna“.

Andrej sah den Namen und richtete sich sogar ein wenig selbstbewusster auf.

— Geh ran.

Mama wird dir erklären, dass man sich so nicht trennt.

Jekaterina nahm den Anruf an und schaltete den Lautsprecher ein.

— Katja, — ertönte sofort die Stimme ihrer Schwiegermutter, trocken und mit der gewohnten müden Autorität.

— Andrej hat mir alles erzählt.

Du solltest deinen Mann nicht grundlos bloßstellen.

Man kann sich auch würdevoll trennen.

Du musst nicht anfangen, Sofas und Löffel zu zählen.

— Ich zähle keine Löffel, Tamara Iljinitschna.

Ich zähle Zahlungen.

— Was macht es für einen Unterschied, wer bezahlt hat?

Ihr habt zusammen gelebt.

— Für Sie vielleicht keinen.

Für den Notar schon.

— Schon wieder du mit deinen Papierchen.

Der Mann geht, und du klammerst dich sofort ans Eigentum.

Jekaterina schloss für einen Moment die Augen.

Und genau da kamen die Zweifel, gleichmäßig und unangenehm.

Vielleicht sah es von außen tatsächlich kleinlich aus?

Vielleicht würde Andrej später erzählen, dass seine Frau aus Rache jedes einzelne Regal nachgerechnet hatte?

Vielleicht würde sogar Sonja sie genau so in Erinnerung behalten — mit einer Mappe und nicht mit ihrem Schmerz?

Doch die Zweifel hielten nur bis zu dem Moment an, als Andrej, nun sicher durch die Unterstützung seiner Mutter, erleichtert ausatmete und sagte:

— Siehst du.

Wenigstens jemand versteht, dass man sich ohne Zirkus trennen sollte.

Und in diesem Augenblick verstand Jekaterina das Wichtigste.

Nicht die Scheidung machte ihm Sorgen.

Nicht die Würde.

Ihn beschäftigte nur sein gewohnter Zugriff auf die Dinge, die er bereits einer anderen Frau versprochen hatte.

— Gut, — sagte sie ins Telefon.

— Dann morgen beim Notar.

Und wir trennen uns tatsächlich anständig.

Mit Dokumenten.

Tamara Iljinitschna schwieg einen Moment.

— Was für ein Notar denn jetzt?

— Waleri Petrowitsch.

Andrej möchte sich doch wie ein vernünftiger Mensch trennen.

Dann werden wir anhand der Unterlagen klären, was ihm gehört und was fremdes Eigentum ist.

Sie beendete das Gespräch, bevor die Schwiegermutter protestieren konnte.

Andrej sah sie nun ohne seine frühere Sicherheit an.

— Willst du mich wirklich zum Notar schleppen?

— Ich schleppe niemanden.

Ich biete dir nur ein praktisches Format an.

Du magst es doch, wenn alles schön aussieht.

— Du bist nicht normal.

— Nein.

Ich bin nur nicht verwirrt.

An diesem Abend ging er nicht.

Er knallte mit den Schranktüren, machte im Badezimmer Lärm, rauchte lange im Treppenhaus, schrieb nervös jemandem Nachrichten und kam dann wieder herein und betrachtete den Fernseher, als würde er ihn in Gedanken bereits von der Wand nehmen.

Jekaterina saß in der Küche, überprüfte die Zahlen aus dem Abteilungsbericht und hörte, wie Sonja im Nebenzimmer ins Telefon flüsterte:

— Nein, ich komme nicht raus…

Hier ist es einfach sehr seltsam…

Nein, Tante weint nicht…

Genau das traf Jekaterina am härtesten.

Nicht die Geliebte.

Nicht sein Weggehen.

Nicht die fremde Wohnung in seinen Plänen.

Sondern die Tatsache, dass offenbar alle erwartet hatten, dass sie weinen würde.

In der Nacht stand Andrej leise auf.

Jekaterina schlief nicht.

Sie lag nur mit geschlossenen Augen da und lauschte.

Schritte.

Die Loggia.

Das Klicken eines Schranks.

Dann das dumpfe Knarren eines Kartons.

Er hatte beschlossen, die Technik noch vor dem Termin beim Notar hinauszubringen.

Sie stand ohne Hast auf und ging ins Wohnzimmer.

Andrej schleppte bereits die Kaffeemaschine in ihrem Karton zur Eingangstür.

Genau jene Kaffeemaschine, die sie nach einem besonders erfolgreichen Quartal auf Raten gekauft hatte und die er seinen Gästen gern vorführte, während er sagte: „Ohne guten Kaffee braucht man zu Hause gar nichts anzufangen.“

— Stell sie hin, — sagte Jekaterina.

Er zuckte zusammen.

— Ich nehme mein Eigentum.

— Sie läuft auf meinen Namen.

— Was macht es für einen Unterschied, auf wessen Namen dieses Stück Papier ausgestellt ist?

Wir haben sie gemeinsam benutzt.

— Benutzen heißt nicht kaufen.

Sonja sah aus ihrem Zimmer heraus, das Handy bereits in der Hand.

Andrej bemerkte es und wurde nun wirklich wütend.

— Hast du auch noch das Mädchen gegen mich aufgehetzt?

— Überschätz dich nicht, — sagte Jekaterina leise.

— Du bist ganz allein sehr überzeugend.

Sonja schaltete wortlos die Kamera ein.

— Andrej, — sagte Jekaterina nun schärfer.

— Wenn du noch einmal versuchst, etwas mitzunehmen, das nicht von dir gekauft wurde, rufe ich die Polizei.

Und dann wird Diana ganz bestimmt nicht den Abend bekommen, den sie erwartet.

Er wurde blass.

— Wer ist Diana?

— Du wolltest doch, dass ich frage.

Zum Fragen ist es inzwischen zu spät.

Er stellte die Kaffeemaschine auf den Boden.

Ruckartig.

Fast wütend.

Dann schnappte er sich seine Jacke und ging ins Treppenhaus.

Die Tür wurde nicht zugeschlagen.

Sie fiel einfach schwer und fremd ins Schloss.

Sonja senkte das Handy.

— Tante Katja…

— Nicht, — atmete Jekaterina aus.

— Speichere einfach die Aufnahme.

Am Morgen erschien Andrej, als wäre nichts geschehen.

Frisch rasiert, in einem guten Mantel und mit jenem Gesichtsausdruck, den er bei Besprechungen aufsetzte, wenn er ruhiger wirken wollte, als er tatsächlich war.

Tamara Iljinitschna war noch vor ihnen beim Notar angekommen.

Sie saß kerzengerade wie ein Lineal im Flur und zeigte mit ihrer ganzen Haltung, dass sie nicht zu einer Klärung gekommen war, sondern um jemanden zu erziehen.

Waleri Petrowitsch war genau so, wie man ihn in der Stadt beschrieb: nüchtern, höflich und sehr aufmerksam gegenüber dem, was unterschrieben worden war, und nicht gegenüber dem, was jemand fühlte.

Er hörte Andrej zu, der versuchte, über ihr gemeinsames Leben, gemeinsame Anstrengungen, seinen moralischen Beitrag und den „Familienalltag“ zu sprechen.

Dann richtete er den Blick auf Jekaterina.

— Haben Sie die Dokumente mitgebracht?

— Ja.

Sie legte die Mappe auf den Tisch.

Abschnitt für Abschnitt.

Die Wohnung — der Vertrag über den Verkauf ihres vorehelichen Zimmers, der Kontoauszug, die Zahlung.

Die Renovierung — Kostenvoranschläge, Bestellungen und Überweisungen von ihrem Konto.

Die Geräte — Ratenverträge und Kassenbelege.

Das Auto — der Kreditplan, die vollständige Rückzahlung von ihrer Gehaltskarte und die Zulassung.

Waleri Petrowitsch ließ sich Zeit.

Er las.

Er machte Notizen.

Er stellte kurze Fragen.

Andrej versuchte anfangs immer wieder Sätze wie „Wir waren doch eine Familie“ einzuwerfen, doch nach der zweiten Bemerkung des Notars schwieg er immer häufiger.

Tamara Iljinitschna saß daneben und presste die Lippen zusammen.

— Die Wohnung wurde unter Verwendung vorehelicher Mittel der Ehefrau erworben, — sagte der Notar ruhig.

— Das ist wesentlich.

Andrej zuckte zusammen.

— Ich habe zehn Jahre dort gelebt.

— Dort zu wohnen ist nicht dasselbe wie dafür zu bezahlen, — erwiderte Waleri Petrowitsch.

— Das Auto wurde von beiden Ehepartnern genutzt, — warf Andrej schnell ein.

— Von wem kamen die Zahlungen?

Jekaterina reichte ihm einen Kontoauszug.

Der Notar nickte.

— Ich sehe es.

Andrej begann nun offen wütend zu werden.

— Das heißt also, ich bin hier überhaupt niemand?

Waleri Petrowitsch nahm seine Brille ab und legte sie sorgfältig auf den Tisch.

— Das habe ich nicht gesagt.

Ich sehe lediglich, wer was bezahlt hat.

Sie, Andrej Sergejewitsch, können selbstverständlich Unterlagen über Ihren finanziellen Beitrag vorlegen.

Bislang habe ich keine gesehen.

Genau in diesem Moment vibrierte das Handy in Andrejs Tasche.

Er sah auf das Display und wies den Anruf automatisch ab.

Jekaterina hatte den Namen erkennen können.

Diana.

Eine Minute später kam eine Nachricht, und das Handy leuchtete erneut auf, während es mit dem Display nach oben auf dem Tisch lag.

Waleri Petrowitsch hatte es offenbar ebenfalls bemerkt.

Auf dem Display stand: „Wann kommst du endlich?

Ich habe gesagt, dass du heute mit dem Auto und der Technik kommst.“

Andrej legte so abrupt die Hand auf den Bildschirm, als könnte er nicht nur den Text, sondern sein gesamtes neues Leben darunter verstecken.

Tamara Iljinitschna wurde blass.

Nicht theatralisch.

Sondern tief und unangenehm.

So werden Menschen blass, wenn sie plötzlich verstehen, dass man sie nicht als Verbündete, sondern nur als Kulisse für die Lügen eines anderen benutzt hat.

— Andrej, — hauchte sie.

— Wem hast du das alles versprochen?

Er sagte nichts.

Und genau da verschwanden die Zweifel endgültig, die Jekaterina seit dem vergangenen Abend mit sich herumgetragen hatte.

Nicht, weil es ihr plötzlich leichtfiel.

Sondern weil die Fakten auf einmal über der familiären Rhetorik standen.

Über der Verlegenheit.

Über der Angst, gierig zu wirken.

Waleri Petrowitsch klopfte mit seinem Stift auf den Tisch.

— Für mich ist die Situation klar.

Die Wohnung, der größte Teil der Einrichtung, die technischen Geräte und das Auto sind dokumentarisch Jekaterina Igorewna zuzuordnen.

Sollten die Parteien keine andere schriftliche Vereinbarung treffen, sehe ich keinen Grund, die aufgezählten Dinge als Ihr persönliches Eigentum anzusehen.

Andrej saß da und starrte auf den Tisch.

— Großartig, — presste er hervor.

— Soll ich jetzt etwa nur mit einem einzigen Koffer gehen?

Jekaterina sah ihn ruhig an.

— Genau das habe ich dir doch gestern von Anfang an vorgeschlagen.

Nimm das mit, was du selbst gekauft hast.

— Und was soll das deiner Meinung nach sein?

Sie öffnete die letzte transparente Hülle.

— Die Bohrmaschine.

Die alte, blaue.

Du hast sie noch vor unserer Renovierung gekauft, als du im Lager gearbeitet hast.

Zwei Hemden aus diesem Geschäft in Tomsk, wo du während einer Dienstreise warst und sehr stolz darauf warst, sie ohne meine Karte gekauft zu haben.

Und den Koffer.

Den hat dir deine Mutter geschenkt, also rechne ich ihn nicht einmal moralisch auf meine Kosten.

Tamara Iljinitschna senkte den Blick.

— Katja, — sagte sie dumpf.

— Man hätte das auch weniger hart machen können.

Jekaterina drehte sich zum ersten Mal während des gesamten Gesprächs zu ihr um.

— Nein.

Sanft war es zehn Jahre lang.

Das Ergebnis sehen Sie selbst.

Als sie das Notariat verließen, ging Andrej mit schnellen, wütenden Schritten voraus.

Auf dem Parkplatz vor dem Nachbargebäude stand Diana.

In einem hellen Mantel, mit einem auffälligen Schal und mit dem Gesicht einer Frau, die nicht gekommen war, um einen Mann nach einem schwierigen Gespräch zu empfangen, sondern um das versprochene neue Leben entgegenzunehmen.

Zuerst sah sie nur ihn.

Dann seine leeren Hände.

Dann die alte Bohrmaschine, die aus dem Koffer ragte, und die beiden Hemden über seinem Arm.

Zu Hause öffnete Sonja ihr schon vor dem Klingeln die Tür.

— Na, wie war es? — fragte sie und verstummte sofort, als sie das Gesicht ihrer Tante sah.

— Entschuldige.

Dumme Frage.

— Ganz normale Frage, — antwortete Jekaterina leise.

— Alles ist so zu Ende gegangen, wie es zu Ende gehen musste.

Am Abend kam Andrej, um den Rest abzuholen.

Ohne zu versuchen, zu diskutieren.

Ohne große Worte.

Langsam legte er die Bohrmaschine, zwei Hemden, seinen Rasierer und sein Ladegerät in den Koffer.

Er trat eine Weile im Flur von einem Fuß auf den anderen, als würde er noch auf irgendeine menschliche Nachsicht warten.

Doch die Atmosphäre in der Wohnung hatte sich bereits verändert.

Sie war nicht feindseliger geworden.

Sie war nicht kälter geworden.

Sie war für ihn einfach fremd geworden.

— Das ist alles? — fragte er und griff nach dem Griff des Koffers.

— Das ist alles, — sagte Jekaterina.

Er nickte.

Er wollte etwas hinzufügen, fand aber keine passende Formulierung.

Offenbar hätte in seinem neuen Drehbuch an dieser Stelle eine andere Frau stehen sollen — verwirrt, weinend und zumindest für die Reste seiner Aufmerksamkeit dankbar.

Jekaterina spielte in diesem Drehbuch nicht mit.

Als sich die Tür hinter ihm schloss, schaute Sonja aus ihrem Zimmer.

— Tante Katja, soll ich dir bei irgendetwas helfen?

Jekaterina lauschte.

Im Wohnzimmer murmelte kein Fernseher.

Im Badezimmer ließ niemand seinen Rasierer ins Waschbecken fallen.

Im Flur lagen nicht mehr seine Autoschlüssel herum, obwohl er dieses Auto ohnehin nicht länger wie sein Eigentum behandeln durfte.

Zum ersten Mal seit Jahren klang die geräumige Dreizimmerwohnung ohne die Anwesenheit eines Fremden.

— Nein, — sagte sie.

— Bleib einfach zu Hause.

Sonja nickte und ging in die Küche.

Jekaterina ging langsam durch die Zimmer.

Sie berührte die Rückenlehne des Stuhls, den sie selbst ausgesucht hatte.

Sie strich mit der Hand über die Armlehne des Sofas.

Sie richtete die Decke auf dem Sessel.

In der Küche schaltete sie das Licht über der Arbeitsfläche aus und ließ nur die sanfte Beleuchtung über dem Tisch an.

Alles stand an seinem Platz.

Doch jetzt sah es nicht mehr wie eine Kulisse für die Bequemlichkeit eines anderen aus.

Sie öffnete den Schrank auf der Loggia, stellte die blaue Mappe wieder ins Regal und ließ die Finger einen Moment auf dem Druckknopf ruhen.

Die Stille in der Wohnung machte ihr keine Angst.

Sie war einfach nicht länger von ihr für einen fremden Menschen bezahlt worden.