Ein warmer Maitag hüllte den Park in goldenes Licht.
Lewa und Mischa, beide in gleichen Schulhosen und blauen Hemden, saßen im Gras, und neben ihnen lag ausgestreckt in seiner ganzen welpenhaften Länge Rex – ein großer, zotteliger Alabai mit feuchter Nase und gutmütigen, fast menschlichen Augen.

– Schau mal, was er kann! – rief Lewa stolz und streckte die Hand aus. – Rex, gib Pfote!
Der Welpe sprang sofort auf, stupste freudig mit der Nase gegen die Hand und legte ungeschickt seine schwere Pfote darauf.
Mischa lachte, und Rex, der die Freude spürte, sprang zu ihm, warf ihn auf den Rücken und begann, sein Gesicht mit liebevollen Bewegungen zu kitzeln.
Die Jungen quietschten vor Vergnügen, verhedderten sich in einem wilden Knäuel voller Spiel, bei dem man kaum noch erkennen konnte, wo der Hund endete und der Mensch begann.
– Du verwöhnst ihn zu sehr, – sagte Mischa lächelnd und schüttelte sich Grashalme aus den Haaren.
– Und wie sollte ich sonst? – Lewa wischte Sandkörner von seinem Knie. – Er ist doch mein Freund. Und überhaupt – der klügste Hund der Welt.
Rex stupste zustimmend Mischas Hand mit der Nase an und wedelte freudig mit dem Schwanz durchs Gras.
– Schade, dass ich nie einen Hund hatte, – sagte Mischa leise und streichelte den Welpen über den flauschigen Kopf.
– Aber jetzt hast du mich und Rex, – sagte Lewa und klopfte seinem Freund auf die Schulter. – Und morgen bringe ich ihm Leckerlis von zu Hause mit. Er soll sich auch freuen.
Die Sonne neigte sich langsam dem Horizont.
Lewa stand auf und klopfte sich sorgfältig die Hose ab.
– Ich muss los. Papa macht sich Sorgen, wenn ich mich verspäte. Aber komm morgen wieder, ja? Ich werde auf dich warten.
Mischa nickte, aber in seinem Inneren zog sich alles zusammen vor einem seltsamen Gefühl der Vorahnung.
Er sah seinem Freund nach, wie er mit dem hüpfenden Rex davonlief.
Allein auf der leeren Lichtung zurückzubleiben war immer ein wenig traurig.
Mischa machte sich auf den Heimweg, hoffend, dass der morgige Tag etwas Gutes bringen würde, doch die Unruhe ließ ihn nicht los.
—
Die Wohnungstür quietschte.
Mischa trat vorsichtig ein und zog am Eingang die Schuhe aus.
Die Luft war durchzogen vom Geruch nach Medikamenten, altem Holz und einer vagen Mischung aus Sehnsucht und Hoffnung.
Auf dem Sofa, unter einer Decke, lag seine Mutter – Marina.
In ihren Händen hielt sie ein Buch, doch ihr Blick schweifte zum Fenster hinaus.
– Hallo, Mama, – sagte Mischa leise, bemüht, ihre Gedanken nicht zu stören.
– Schon zurück? Wie war dein Spaziergang? – Marina lächelte müde, aber mit einem warmen Glanz in den Augen.
– Alles war super. Lewa hat gezeigt, wie Rex Pfote gibt. So ein lustiger Welpe.
– Gut, dass du einen Freund hast, – Marina streichelte sanft die Hand ihres Sohnes. – Du weißt doch, ich bin immer für dich da.
Er erinnerte sich an andere Zeiten.
Als Papa Eis mit nach Hause brachte, wenn es nach Bratkartoffeln roch in der Wohnung, wenn sie gemeinsam Filme schauten und lachten.
Es war warm, es war friedlich.
Dann änderte sich alles.
Eines Tages rutschte Mama auf der Treppe aus und verletzte sich schwer.
Krankenhaus, weiße Wände, Ärzte mit Masken, besorgte Gespräche.
Das Zuhause wurde anders: Medikamente, Stille, nächtliches Rascheln von Tabletten in Schachteln.
Papa war immer seltener da, dann packte er einfach seine Sachen und ging, die Tür laut zuschlagend.
Marina weinte, und Mischa wusste nicht, wie er sie umarmen sollte, damit der Schmerz verschwand.
Großmutter Walentina Nikolajewna kam ab und zu vorbei, schimpfte über den Vater, buk Kuchen, aber blieb nie lange.
So schrumpfte die Familie auf zwei – Mutter und Sohn.
Sie lernten, gemeinsam zu überleben, hielten sich gegenseitig fest.
—
Am nächsten Tag kam Lewa irgendwie verändert.
Sein sonst so lebhaftes Gesicht war angespannt, in seinen Augen lag Sorge.
– Bei uns zu Hause ist alles schlimm, – sagte er leise, kaum dass Mischa sich näherte. – Papa fährt auf Geschäftsreise, und Inga zieht bei uns ein.
Sie ist schrecklich.
Sie liebt niemanden außer Papa.
Sie nörgelt an mir herum, sogar an Tamara Semjonowna.
– Vielleicht hat sie sich einfach noch nicht eingelebt? – versuchte Mischa ihn zu trösten, glaubte aber selbst nicht an seine Worte.
– Nein, – Lewa schüttelte den Kopf. – Sie macht es mit Absicht.
Sogar Rex kann sie nicht ausstehen.
Sie sagt, er sei Dreck und Mühe.
Dabei hat Papa ihn mir zum Geburtstag geschenkt.
Ich wollte schon so lange einen Hund!
Er verstummte, blickte in die Ferne, dann richtete er sich plötzlich auf:
– Weißt du, nachts schleicht sich Rex leise zu mir ins Bett.
Wir sind wie echte Brüder.
Aber jetzt verbietet Inga alles.
Sogar mit ihm spazieren gehen darf ich nicht mehr.
Die Jungen schwiegen, jeder in seine Gedanken versunken.
Lewa ging früher als sonst weg, und dann tauchte er mehrere Tage nicht auf.
Mischa fragte sich, was passiert war, hoffte aber, dass sein Freund bald zurückkommen würde.
Mischa konnte den Gedanken nicht loswerden: Früher oder später musste Lewa Rex sowieso ausführen.
Eines Tages stellte er den Wecker auf fünf Uhr morgens und ging zum Fluss.
Der Park war leer, nur Vögel zwitscherten in den Büschen.
Er versteckte sich hinter einem Busch und wartete.
Bald kam ein silbernes Auto ans Ufer.
Eine große Frau mit buntem Schal, kalten Augen und perfektem Make-up stieg aus.
Ohne sich umzusehen, holte sie aus dem Kofferraum einen dichten Sack, der sich seltsam bewegte, und warf ihn mit Kraft ins Wasser.
Mischa erstarrte.
Sein Herz rutschte ihm in die Hose.
Aber er zögerte nicht — sprang ins eiskalte Wasser, tastete nach dem Sack, zog ihn zu sich heran.
Er zog ihn ans Ufer, zitterte vor Angst und band den Knoten auf.
Drinnen, mit zugeklebter Schnauze, lag Rex — verängstigt, aber lebendig.
„Ruhig, Kleiner“, Mischa entfernte vorsichtig das Klebeband und drückte den Welpen an sich.
„Alles gut.
Ich lasse dich nicht im Stich.“
Rex zitterte, aber leckte Mischa über die Wange.
In diesem Moment fasste der Junge den Entschluss: Diesen Hund gibt er nie wieder her.
Zu Hause empfing Marina ihren Sohn verwundert — vor ihr stand Mischa, nass, zitternd, und drückte einen großen Welpen in eine Decke gewickelt an sich.
„Was ist passiert?“ — Marina lief besorgt zu ihrem Sohn.
„Das ist Rex…
Sie wollten ihn ertränken!“ — Mischa schluchzte und streichelte den Welpen am flauschigen Kopf.
„Ich habe gesehen, wie die Frau ihn in den Fluss warf.
Ich konnte ihn doch nicht dort lassen…“
Marina ging in die Hocke, umarmte ihren Sohn und drückte den zitternden Hund an sich.
„Du hast richtig gehandelt“, flüsterte sie.
„Aber jetzt müssen wir alles aufklären.
Wer ist diese Frau?
Hast du sie dir gemerkt?“
„Ja.
Groß, mit buntem Schal.
In einem silbernen Auto.
Wir müssen es Lewa erzählen.
Er muss es wissen.“
Marina seufzte und strich Mischa übers Haar.
„Wir behalten Rex bei uns.
Bis wir alles geklärt haben, bleibt er hier.“
Am nächsten Morgen ging Mischa zu Lewas Haus.
Lange stand er hinter dem schmiedeeisernen Zaun und beobachtete die Fenster.
Bald kam Lewa mit seinem Vater German Arkadjewitsch auf die Veranda.
Streng, im makellosen Anzug, versuchte er, seinen Sohn zu beruhigen.
„Mach dir keine Sorgen“, sagte er.
„Vielleicht ist Rex einfach weggelaufen.
Wir finden ihn bestimmt.“
„Nein!“ — Lewa ballte die Fäuste.
„Das war Inga!
Ich habe gesehen, wie sie gestern wütend auf ihn war.
Und heute ist er weg!“
German runzelte die Stirn, schüttelte aber den Kopf.
„Denk dir nichts aus.
Inga würde sowas nicht tun.“
Da hielt Mischa es nicht mehr aus und sprang aus seinem Versteck.
„Ich habe alles gesehen!“ — rief er.
„Die Frau mit dem bunten Schal, im silbernen Auto.
Sie warf den Sack in den Fluss, und drinnen war Rex!
Ich habe ihn gerettet.
Jetzt ist er bei mir zu Hause.“
German drehte sich scharf zu seinem Sohn.
„Bist du sicher, dass es Inga war?“
Lewa nickte und wischte sich die Tränen ab.
In diesem Moment fuhr ein silbernes Auto vor.
Daraus stieg Inga mit ihrem typischen Schal.
Als sie die drei sah, blieb sie stehen.
„Inga“, Germans Stimme war eiskalt, „wir müssen reden.
Jetzt.
Komm ins Haus.“
Sie wollte etwas sagen, aber German ließ nicht mit sich reden.
„Wartet hier“, sagte er zu den Jungs und verschwand hinter der Tür.
Nach fünfzehn Minuten kam er zurück, blass, aber entschlossen.
„Wo ist Rex?“ — fragte er Mischa.
„Zeig ihn mir.“
Zu Hause empfing Marina sie zurückhaltend.
Plötzlich erkannte German sie und lächelte unerwartet.
„Marina?
Bist du das wirklich?
Wir waren doch zusammen in der Schule.
Erinnerst du dich an die Holzhütten im Hof und die Äpfel vom Nachbargrundstück?“
Marina wurde etwas verlegen, lächelte aber auch.
„Natürlich erinnere ich mich.
Du warst immer der Musterschüler.“
Während die Erwachsenen alte Zeiten austauschten, veranstalteten die Jungs mit Rex ein richtiges Freudenfest: Sie rannten, lachten, umarmten sich.
Alle waren dankbar, dass der Welpe lebte und die Freundschaft nur stärker geworden war.
In der Küche redeten Marina und German weiter.
„Manchmal denkt man, dass das Leben nicht mehr besser wird“, sagte Marina leise.
„Und dann taucht plötzlich jemand auf, und alles ändert sich.“
German nickte und sah sie aufmerksam an.
„Hauptsache — nicht aufgeben.
Man kann immer neu anfangen.“
Ihre Blicke trafen sich länger als gewöhnlich — da war mehr als nur Erinnerung.
German gab den Jungs Geld.
„Kauft etwas Leckeres zum Tee.
Und dann fahren wir zu uns.
Heute feiern wir!“
Mischa und Lewa rannten in den Laden, kamen mit Chips, Eis und Süßigkeiten zurück.
Bei German zu Hause half Marina Tamara Semjonowna beim Salat, und die Haushälterin backte ihre berühmten Piroggen.
Am Tisch lachten alle, erzählten Geschichten, und keiner dachte mehr an Inga — ihre Sachen waren verschwunden, als hätte es sie nie gegeben.
Die Stimmung war warm, heimelig, fast märchenhaft.
Es schien, als lägen alle Schwierigkeiten hinter ihnen.
Spät am Abend, als die Erwachsenen noch Tee tranken, lagen Mischa und Lewa im Zimmer.
„Glaubst du, wenn unsere Eltern zusammen wären, wäre alles besser?“ — fragte Lewa nachdenklich.
„Natürlich“, lächelte Mischa.
„Du wärst mein Bruder, und Rex unser gemeinsamer Hund.“
„Lass uns ihre Gefühle testen“, flüsterte Lewa verschwörerisch.
„Wir schreiben einen Zettel: Wir sind weggelaufen, und wir kommen nur zurück, wenn sie versprechen zu heiraten.“
Die Jungs kicherten, schrieben den Zettel und legten ihn vorsichtig auf den Küchentisch.
Am Morgen konnte Marina ihren Sohn nicht finden.
Im Haus begann eine Suchaktion.
German durchsuchte jedes Zimmer, bis er den Zettel bemerkte.
Er las ihn und lachte laut.
„So Schlingel…
Anscheinend bleibt uns keine Wahl.“
Sie gingen in den Hof, und German sah die Jungs hinter den Büschen.
„Na dann“, lächelte er, „wollen wir verhandeln?“
Marina nickte verlegen, aber in ihren Augen leuchteten Hoffnung und Freude.
„Ich bin einverstanden“, sagte sie leise.
Tamara Semjonowna rief lachend die Kinder ins Haus.
„He, ihr Lausbuben!
Kommt zurück!
Die Großen haben schon alles beschlossen!“
Mischa und Lewa rannten zu ihren Eltern, Rex sprang um sie herum und bellte vor Freude.
Alle umarmten sich, lachten, und draußen schien die Sonne hell, als wäre sie extra für diesen Moment da.
Und das Leben wurde wieder gut.







