— Auf Mamas Datscha!
Jetzt soll sie sich dort erholen, so lange sie will, ohne jemanden um Erlaubnis fragen zu müssen, — sagte Ilja laut und hob sein Glas.

Am Tisch ging ein zustimmendes Raunen durch die Runde.
Jemand lächelte, jemand streckte sein Glas aus, um mit Swetlana Arkadjewna anzustoßen, und sie selbst legte die Hand an die Brust und sah ihren Sohn dankbar an.
— Das ist mal ein richtiges Geschenk, — sagte meine Schwiegermutter.
— Ich wusste, dass du deine Mutter nicht ohne ein eigenes Plätzchen lassen würdest.
Viktoria drehte langsam den Kopf zu ihrem Mann.
Bis zu diesem Moment hatte sie gedacht, das Familienessen würde völlig gewöhnlich verlaufen.
Der Augusttag war warm, die Fenster im Wohnzimmer standen offen, und vom Hof her kamen der Duft von Äpfeln und erwärmtem Holz.
Auf dem Tisch standen geschnittenes Gemüse, gebratenes Fleisch, Kräuter, Käse und Obst.
Die Verwandten sprachen über die Ernte, Pläne für den Herbst und die neuesten Nachrichten von ihren Datschas.
Jetzt jedoch sahen alle Swetlana Arkadjewna an, die die Glückwünsche so selbstsicher entgegennahm, als hätte sie Schlüssel und Dokumente bereits erhalten.
— Welche Datscha hast du verschenkt? — fragte Viktoria.
Ilja grinste.
— Unsere natürlich.
Eine andere haben wir nicht.
— Die bei Osjornoje?
— Na ja.
Ich habe beschlossen, dass Mama sie nötiger braucht.
Wir können ja trotzdem am Wochenende hinfahren.
Viktoria antwortete nicht sofort.
Ihr Mann saß neben ihr, legte sich ruhig Gemüse auf den Teller und sah zufrieden aus.
Kein Hauch von Zweifel, kein Versuch, das Gesagte zu verbergen.
Er war offensichtlich überzeugt davon, etwas Großzügiges und Richtiges getan zu haben.
— Hast du schon irgendetwas offiziell geregelt? — fragte sie genauer nach.
— Fast.
Es fehlen nur noch die Unterlagen.
Morgen besprechen wir alles.
Swetlana Arkadjewna wurde sofort lebhafter.
— Ich habe schon überlegt, was ich dort ändern werde.
Der alte Apfelbaum bei der Sauna muss gefällt werden, der macht nur Schatten.
Der Zaun zur Straße hin muss durch einen höheren ersetzt werden.
Und den kleinen Schuppen kann man ganz abreißen.
Viktoria sah ihre Schwiegermutter an.
— Warum willst du den Apfelbaum fällen?
— Er stört.
Da wäre ein Pavillon viel besser.
— Ein Pavillon?
— Ein richtiger, geschlossener.
Damit keine Insekten hineinfliegen.
Und der Weg muss breiter werden.
Wenn meine Schwester mit ihrer Familie kommt, soll es für alle bequem sein.
Ilja nickte zustimmend.
— Mama wollte schon lange einen Ort, an dem sie den Sommer verbringen kann.
— Ich verbringe dort auch jetzt schon den ganzen Sommer, — bemerkte Swetlana Arkadjewna.
— Nur habe ich mich früher wie ein Gast gefühlt, und jetzt kann ich dort endlich richtig Ordnung schaffen.
Sie begann bereits aufzuzählen, wen sie im Haus unterbringen würde, wem sie das kleine Zimmer geben und wen sie nach einem Umbau in der Sauna einquartieren würde.
Viktoria hörte sich alles bis zum Ende an.
Vor den Verwandten stellte sie ihrem Mann nicht die Fragen, die sich bereits eine nach der anderen in ihrem Kopf formten.
Sie fragte nicht, wann genau er beschlossen hatte, über ihr Eigentum zu verfügen.
Sie erinnerte ihn nicht daran, dass sie die Datscha schon lange vor ihrer Bekanntschaft mit ihm besessen hatte.
Sie prägte sich lediglich seinen Gesichtsausdruck ein.
Ilja lächelte.
Ihm gefiel die Aufmerksamkeit der Verwandten, ihm gefiel die Dankbarkeit seiner Mutter, ihm gefiel das Gefühl, jemand zu sein, der mit einer einzigen Entscheidung einen anderen glücklich machen konnte.
Nur hatte er gar kein Geschenk, das ihm gehörte.
Viktoria hatte die Datscha vor neun Jahren gekauft, als sie Ilja noch nicht einmal kannte.
Das Grundstück war klein — sechs Sotka, ein altes einstöckiges Haus, ein schiefer Schuppen und eine überwucherte Ecke am hinteren Zaun.
Die frühere Besitzerin lebte schon lange bei ihrer Tochter und wollte die Datscha an jemanden verkaufen, der das Grundstück nicht in ein verlassenes Lager verwandeln würde.
Viktoria kam an einem bewölkten Apriltag zur Besichtigung.
Der Boden war noch nicht trocken, der Weg gab unter den Füßen nach, und aus dem Fallrohr tropfte Wasser.
Das Haus sah schlicht, aber solide aus.
Drinnen gab es zwei Zimmer, eine kleine Küche und eine Veranda.
Sie ging fast eine Stunde lang über das Grundstück.
Der Nachbar rechts erzählte ihr, dass im Frühling lange Wasser stehen blieb.
Die Frau auf der anderen Straßenseite warnte sie, dass der alte Pflaumenbaum kaum noch Früchte trug.
Die Verkäuferin zeigte ihr ehrlich einen Riss im Fundament des Schuppens und erklärte, dass das Dach des Hauses in den nächsten Jahren besser erneuert werden sollte.
Viktoria kaufte die Datscha trotzdem.
Sie schloss den Kaufvertrag ab, ließ ihr Eigentumsrecht registrieren und erhielt einen Auszug aus dem Register.
Die Unterlagen legte sie in eine dicke blaue Mappe und später in den Safe zu Hause.
In den ersten beiden Jahren fuhr sie fast jedes Wochenende hin.
Zuerst räumte sie das Grundstück auf.
Dann engagierte sie Arbeiter, um den alten Schuppen zu entfernen und den Weg zu befestigen.
Das Haus baute sie nicht um, sondern brachte nur die Veranda in Ordnung, ersetzte einige Bretter und ließ die Elektrik erneuern.
Die Sauna baute Viktoria drei Jahre nach dem Kauf.
Sie wählte lange den Standort aus, beriet sich mit Handwerkern, berechnete die Kosten und kontrollierte jeden Arbeitsschritt selbst.
Sie wollte kein riesiges Gebäude, das die Hälfte des Grundstücks einnahm.
Am Ende entstand eine kleine, gepflegte Sauna mit Ruheraum und offener Veranda.
Später kam der Garten dazu.
Viktoria pflanzte zwei Apfelbäume, einen Birnbaum, einen Kirschbaum, Johannisbeeren und mehrere Stachelbeersträucher.
Den alten Apfelbaum bei der Sauna ließ sie stehen.
Im Frühling blühte er dicht, im Sommer spendete er Schatten, und im August bogen sich die Zweige unter dem Gewicht der Früchte.
Die Datscha wurde zu einem Ort, an den Viktoria nicht aus Pflichtgefühl fuhr.
Hier entspannte sie sich, kümmerte sich um das Grundstück, las auf der Veranda, sammelte Beeren und konnte mehrere Stunden lang nicht auf ihr Telefon schauen.
Sie wusste, wo im Frühling die Erde zuerst trocken wurde, in welchem Teil des Gartens Kräuter am besten wuchsen und welcher Ast am alten Apfelbaum nach dem Winter entfernt werden musste.
Ilja lernte sie vor fünf Jahren auf dem Geburtstag einer gemeinsamen Bekannten kennen.
Er arbeitete als Techniker für Kühlgeräte, fuhr viel durch die Stadt und konnte selbst über die gewöhnlichsten Dinge so erzählen, dass die Menschen um ihn herum lachen mussten.
Viktoria gefiel, dass er nicht versuchte, erfolgreicher oder wichtiger zu wirken, als er war.
Einige Monate später zogen sie zusammen.
Ilja zog in Viktorias Wohnung, bot aber sofort an, die Haushaltskosten zu teilen, und behandelte ihre Wohnung nicht wie eine kostenlose Zugabe zur Beziehung.
Am Wochenende fuhren sie zur Datscha.
Anfangs sagte er:
— Du hast es schön hier.
Später:
— Wir haben es hier bequem.
Nach der Eheschließung änderten sich seine Formulierungen allmählich.
— Auf unserer Datscha müssen wir die Pumpe austauschen.
— Auf unserem Grundstück ist es neben der Sauna zu eng.
— Unser Familienbesitz braucht Pflege.
Viktoria korrigierte ihn einige Male, ohne sich aufzuregen.
— Die Datscha gehört mir.
Ich habe sie gekauft, lange bevor ich dich kennengelernt habe.
Ilja lachte.
— Ich weiß.
Aber jetzt sind wir verheiratet.
Sie sah darin keine ernsthafte Gefahr.
Sie dachte, ihr Mann sage das nur aus Gewohnheit.
Er half auf dem Grundstück, reparierte Geräte, mähte das Gras, transportierte Materialien und verbrachte dort tatsächlich viel Zeit.
Doch Beiträge zu laufenden Arbeiten machten ihn nicht zum Eigentümer.
Ilja selbst dachte, wie sich später herausstellte, anders darüber.
Swetlana Arkadjewna kam nach der Hochzeit zum ersten Mal zur Datscha.
Sie verbrachte dort eine Woche, dann noch zwei, und im darauffolgenden Sommer fuhr sie fast gar nicht mehr weg.
Viktoria hatte nichts dagegen.
Ihre Schwiegermutter kümmerte sich um die Beete, pflückte Beeren, fegte die Veranda und sagte normalerweise Bescheid, wenn sie ihre Schwester oder eine Bekannte einladen wollte.
Das Problem war nicht ihre Anwesenheit, sondern ihre Gespräche.
Den Nachbarn erzählte Swetlana Arkadjewna:
— Mein Sohn hat mir endlich eine schöne Datscha verschafft.
Oder:
— Ilja hat ein gutes Grundstück gekauft, nur das Haus musste noch richtig hergerichtet werden.
Einmal hörte Viktoria das am Gartentor und sah ihren Mann überrascht an.
— Warum sagt deine Mutter, dass du die Datscha gekauft hast?
Ilja zuckte mit den Schultern.
— So gefällt es ihr besser.
— Und die Wahrheit würde ihr nicht gefallen?
— Was spielt es für eine Rolle, was sie den Nachbarn erzählt?
Damals beschloss Viktoria, nicht zu streiten.
Sie dachte wirklich, Swetlana Arkadjewna wolle nur mit ihrem Sohn angeben und messe ihren Worten keine besondere Bedeutung bei.
Jetzt, am festlich gedeckten Tisch, verstand sie, dass sie sich geirrt hatte.
Ihre Schwiegermutter erzählte anderen nicht einfach eine bequeme Version der Geschichte.
Sie hatte allmählich selbst daran geglaubt.
Nach dem Essen diskutierten die Verwandten noch lange über die geplanten Veränderungen.
— Der Zaun muss höher werden, — sagte Swetlana Arkadjewna.
— Von der Nachbarseite aus kann man alles sehen.
— Warum wollen Sie sich denn so abschotten? — fragte Iljas Cousine.
— Weil ich dort jetzt die Hausherrin bin.
Viktoria hob den Blick zu ihr.
Ihre Schwiegermutter bemerkte diesen Blick nicht einmal.
Sie erzählte bereits, dass sie im September Leute bestellen würde, um die Bäume fällen zu lassen.
— Den alten Apfelbaum lasse ich auf jeden Fall entfernen.
Und den Kirschbaum am Weg auch.
— Der Kirschbaum stört niemanden, — sagte Viktoria.
— Noch nicht.
Aber wenn der neue Zaun steht, wird es dort eng.
— Und wer hat beschlossen, einen neuen Zaun zu bauen?
— Ich.
Jetzt darf ich entscheiden.
Ilja lachte leise.
— Mama hat sich schon eingelebt.
Viktoria sagte nichts mehr.
Am Abend, als die Gäste gegangen waren, räumte sie den Tisch ab, stellte das Geschirr in den Schrank und ging auf den Balkon.
Ilja telefonierte noch lange mit seiner Mutter.
Sie besprachen die Formalitäten, die Pläne für den Herbst und die Liste der Menschen, die Swetlana Arkadjewna auf die Datscha einladen wollte.
— Morgen finde ich die Unterlagen, — versprach ihr Mann.
— Mach dir keine Sorgen.
Viktoria hörte das durch die offene Tür.
Sie mischte sich nicht ein.
Am nächsten Tag stand Ilja früher als sonst auf.
Er frühstückte, überprüfte seine Nachrichten und ging ins Arbeitszimmer.
— Vika, wo sind die Unterlagen für die Datscha?
Sie saß mit dem Laptop am Tisch und las ihre berufliche Korrespondenz.
— Wozu?
— Ich habe es doch gestern gesagt.
Wir müssen die Übertragung zu Ende bringen.
— Welche Übertragung genau?
Ilja atmete unzufrieden aus.
— Die Schenkung an Mama.
— Warst du schon beim Notar?
— Nein.
Zuerst brauche ich die Unterlagen.
Ich schaue, was wir haben, und dann informiere ich mich über den Ablauf.
— Was genau willst du verschenken?
— Die Datscha und das Grundstück.
Warum fangen wir schon wieder mit derselben Diskussion an?
Viktoria schloss den Laptop.
— Mich interessiert, wie du dir die Abwicklung vorstellst.
— Ganz normal.
Wir sammeln die Unterlagen, reichen sie dort ein, wo es nötig ist, und Mama wird Eigentümerin.
— Wir?
— Na ja.
Du unterschreibst dort, wo es nötig ist.
— Und wenn ich nicht unterschreibe?
Ilja runzelte die Stirn.
— Warum solltest du nicht unterschreiben?
— Weil ich nicht vorhabe, deiner Mutter meine Datscha zu schenken.
Er starrte seine Frau an, als hätte sie sich gerade geweigert, ihm etwas zurückzugeben, das ihm gehörte.
— Du hast gestern gehört, was ich versprochen habe.
— Ja.
— Die Verwandten haben es auch gehört.
— Dadurch wird ein Versprechen nicht zu einem Rechtsgeschäft.
Ilja ging im Zimmer auf und ab.
— Vika, Mama hilft seit Jahren auf dem Grundstück.
Sie verbringt fast den ganzen Sommer dort.
Für sie ist das wichtig.
— Und deshalb hast du beschlossen, ihr meine Datscha zu schenken?
— Sie gehört nicht nur dir.
Wir sind verheiratet.
— Das hast du beschlossen?
— Laut Gesetz gehört das Vermögen den Ehepartnern gemeinsam.
Er sagte das mit voller Überzeugung, fast belehrend.
Viktoria sah ihn einige Sekunden lang an.
Jetzt wurde ihr klar, dass es nicht nur um seinen Wunsch ging, seiner Mutter eine Freude zu machen.
Ilja glaubte tatsächlich, dass ihm nach der Eheschließung das Recht zustand, über alles zu verfügen, was seiner Frau gehörte.
— Hast du die Unterlagen der Datscha jemals gesehen? — fragte sie.
— Was spielt das für eine Rolle?
— Eine große.
— Du selbst hast gesagt, dass sie im Safe liegen.
— Aber hast du die Mappe geöffnet?
— Nein.
Warum hätte ich darin herumwühlen sollen?
— Aber das Eigentum zu verschenken hat dich nicht aufgehalten.
Ilja strich mit der Hand über den Tisch.
— Häng dich nicht an Worten auf.
Hol die Unterlagen, dann klären wir alles in Ruhe.
Viktoria stand auf.
Der Safe befand sich im unteren Teil des großen Schranks im Arbeitszimmer.
Nur sie kannte den Code.
Ilja hatte sich nie für den Inhalt interessiert, obwohl er oft genug gesehen hatte, wie seine Frau dort die Unterlagen für Wohnung, Datscha und Auto aufbewahrte.
Viktoria gab die Kombination ein, öffnete den Safe und nahm die blaue Mappe heraus.
Ilja streckte sofort die Hand aus.
— Gib her.
Sie reichte ihm die Mappe nicht, sondern legte sie vor sich auf den Tisch.
Zuerst holte sie den Kaufvertrag heraus.
Dann einen älteren Registerauszug, den sie nach der Eintragung ihres Eigentumsrechts erhalten hatte.
Danach legte sie einen neueren Auszug daneben, den sie vor dem Bau der Sauna bestellt hatte.
— Sieh genau hin.
Ilja setzte sich.
— Worauf genau?
— Auf das Kaufdatum.
Er fand die entsprechende Zeile.
— Vor neun Jahren.
— Wir kennen uns seit fünf Jahren.
— Ich weiß.
— Jetzt sieh nach, wer als Eigentümer eingetragen ist.
Ilja überflog den Text.
— Du.
— Nur ich?
— Nur du.
— Das Grundstück ebenfalls.
Sie legte ein zweites Dokument daneben.
Ilja begann langsamer zu lesen.
Von seiner früheren Selbstsicherheit war nichts mehr übrig.
Mehrmals sah er von den Papieren zu seiner Frau, als würde er darauf warten, dass irgendwo doch noch eine Klausel auftauchte, die ihm zumindest die Hälfte zusprach.
Eine solche Klausel gab es nicht.
— Die Sauna haben wir doch nach der Hochzeit gebaut, — sagte er schließlich.
— Ich habe sie mehrere Jahre vor unserer Bekanntschaft bauen lassen.
Ilja schwieg.
— Aber ich habe viel auf dem Grundstück gemacht.
— Du hast die Pumpe ausgetauscht, den Rasenmäher repariert und ein paar Mal beim Zaun geholfen.
Das macht dich nicht zum Eigentümer des Grundstücks.
— Ich dachte, nach der Hochzeit wird alles gemeinsam.
— Du hättest fragen können.
Er lehnte sich im Stuhl zurück.
— Du hast das nie erklärt.
Viktoria hob die Augenbrauen.
— Ich habe mehrfach gesagt, dass ich die Datscha gekauft habe, bevor ich dich kennengelernt habe.
Was hätte ich noch erklären sollen?
— Ich hielt das für eine Formalität.
— Genau deshalb hätte man zuerst die Mappe öffnen und erst danach Geschenke verteilen sollen.
Sie schob die Unterlagen näher zu ihrem Mann und sagte ohne zu schreien:
— Bevor du jemandem meine Datscha schenkst, hättest du wenigstens die Dokumente prüfen sollen, die die ganze Zeit im Safe lagen.
Ilja rieb sich das Kinn.
Sein Gesicht war deutlich rot geworden.
Noch gestern hatte er die Anerkennung der Verwandten entgegengenommen, seiner Mutter die Übertragung versprochen und zufrieden ihren Plänen zugehört.
Jetzt lagen vor ihm Papiere, die unmissverständlich zeigten, dass er weder über das Grundstück noch über das Haus oder die Sauna verfügen konnte.
— Und was machen wir jetzt? — fragte er.
— Nichts.
— Ich habe es Mama schon gesagt.
— Dann erklärst du es ihr selbst.
— Sie wird enttäuscht sein.
— Ich war auch überrascht, als ich erfahren habe, dass meine Datscha ohne meine Beteiligung verschenkt wurde.
Ilja stand auf.
— Du könntest doch zustimmen.
— Nein.
— Warum sofort nein?
— Weil es mein Eigentum ist.
Ich habe es gekauft, in Ordnung gebracht, die Sauna gebaut und den Garten angelegt, lange bevor es dich gab.
Ich werde das Grundstück nicht hergeben, nur weil du vor den Verwandten großzügig wirken wolltest.
— Ich wollte meiner Mutter helfen.
— Dann hilf ihr mit dem, was dir gehört.
Er klappte die Mappe abrupt zu.
— Du reduzierst alles auf Eigentum.
— Das Gespräch begann damit, dass du fremdes Eigentum verschenkt hast.
Worauf sollte ich es sonst reduzieren?
In diesem Moment klingelte Iljas Telefon.
Auf dem Display erschien der Name seiner Mutter.
Er sah Viktoria an und nahm dann den Anruf entgegen.
— Ja, Mama.
Swetlana Arkadjewna sprach laut.
Selbst vom anderen Ende des Tisches konnte Viktoria einzelne Wörter hören: Unterlagen, Zaun, Bäume, Übertragung.
— Es gibt eine kleine Verzögerung, — sagte Ilja.
Er schwieg.
— Nein, keine technische.
Noch eine Pause.
— Die Datscha ist auf Vika eingetragen.
Viktoria lächelte spöttisch.
Aus irgendeinem Grund klang diese Information für Ilja wie eine überraschende Entdeckung, obwohl er schon vor der Hochzeit von dem Kauf gewusst hatte.
— Nein, Mama, ich kann nicht selbst unterschreiben.
Swetlana Arkadjewna antwortete so laut, dass Ilja das Telefon vom Ohr weghielt.
— Komm besser vorbei, — sagte er.
— Dann besprechen wir es persönlich.
Zwei Stunden später erschien die Schwiegermutter.
Sie kam gereizt in die Wohnung, ging sofort ins Wohnzimmer und legte ihre Tasche auf einen Sessel.
— Was soll das heißen, die Datscha ist auf Vika eingetragen?
— Genau das bedeutet es, — antwortete Viktoria.
— Aber ihr seid verheiratet.
— Ja.
— Dann gehört doch alles beiden.
— Nicht alles.
Swetlana Arkadjewna sah ihren Sohn an.
— Gestern hast du gesagt, das Grundstück gehört euch.
Ilja stand am Fenster und wich ihrem Blick aus.
— Ich habe mich geirrt.
— Wie kann man sich bei so etwas irren?
— Ich habe die Unterlagen nicht geprüft.
— Und Viktoria hat absichtlich geschwiegen?
— Ich habe nie verheimlicht, dass ich die Datscha vier Jahre vor meiner Bekanntschaft mit Ilja gekauft habe.
— Aber jetzt seid ihr verheiratet.
— Das ändert nichts am Eigentümer von Vermögen, das vor der Ehe erworben wurde.
Die Schwiegermutter ging zum Tisch und sah die geöffnete Mappe.
— Zeig mal.
Viktoria drehte den Vertrag so, dass sie das Datum sehen konnte.
Swetlana Arkadjewna las ihn und nahm dann den Registerauszug.
— Na und? — fragte sie nach einer kurzen Pause.
— Man kann die Schenkung doch jetzt trotzdem machen.
— Kann man, — stimmte Viktoria zu.
— Wenn der Eigentümer sein Vermögen verschenken möchte.
— Willst du der Mutter deines Mannes etwa nicht helfen?
— Sie verbringen bereits den ganzen Sommer auf der Datscha.
Sie nutzen das Haus, die Sauna und das Grundstück.
Was brauchen Sie noch?
— Die Sicherheit, dass du es dir morgen nicht anders überlegst.
— Nach dem gestrigen Gespräch werde ich gerade die Regeln für Ihre Besuche überdenken.
Swetlana Arkadjewna richtete sich sofort auf.
— Und warum das?
— Weil Sie sich selbst zur Hausherrin erklärt, entschieden haben, welche Bäume gefällt werden, welchen Zaun Sie bauen und wen Sie in meinem Haus einquartieren wollen.
— Ich dachte, Ilja hätte alles bereits geregelt.
— Er konnte ohne mich gar nichts regeln.
— Aber wenn er es schon versprochen hat, kannst du ihn doch nicht vor der ganzen Verwandtschaft wie jemanden dastehen lassen, der sein Wort nicht hält.
— Dann soll er selbst für seine Worte einstehen.
Die Schwiegermutter runzelte die Stirn.
— Mach daraus kein Problem.
Was macht es für einen Unterschied, auf wen die Datscha eingetragen ist?
Die Verwandten fahren doch sowieso dorthin.
— Für mich macht es einen Unterschied.
— Du bist kleinlich.
Viktoria hielt ihrem Blick stand.
— Dann lassen Sie uns großzügig sein.
— Wie meinst du das?
— Schenken Sie Ihre Wohnung Ihren Nachbarn.
Swetlana Arkadjewna wich sogar einen Schritt zurück.
— Kommt überhaupt nicht infrage.
— Sie wohnen seit vielen Jahren neben Ihnen.
Bestimmt helfen sie Ihnen manchmal.
Sie könnten nette Leute auswählen und ihnen die Wohnung schenken.
— Das ist meine Wohnung.
— Eben.
— Ich entscheide selbst, wem ich sie hinterlasse.
— Ich auch.
Die Schwiegermutter öffnete den Mund, fand aber keine Antwort.
Ilja senkte den Kopf.
Der Vergleich war zu treffend, als dass man ihn mit einem weiteren Gespräch über Verwandtschaft und Hilfe hätte umgehen können.
— Die Wohnung habe ich selbst verdient, — sagte Swetlana Arkadjewna schließlich.
— Die Datscha habe ich ebenfalls selbst gekauft.
— Aber das ist etwas anderes.
— Überhaupt nicht.
Im Zimmer wurde es still.
Die Schwiegermutter nahm ihre Tasche vom Sessel.
— Also wird es kein Geschenk geben?
— Nein.
— Ilja, hörst du das?
— Ja, Mama.
— Willst du nichts dagegen tun?
Er sah auf die Mappe mit den Unterlagen.
— Ich kann über diese Datscha nicht verfügen.
Swetlana Arkadjewna schloss ihre Tasche mit einer scharfen Bewegung.
— Warum hast du es dann gestern vor allen gesagt?
— Ich war sicher, dass ich das Recht dazu habe.
— Du hättest dich zuerst informieren sollen.
— Genau das habe ich versucht zu erklären, — sagte Viktoria.
Die Schwiegermutter warf ihr einen feindseligen Blick zu.
— Freu dich nicht zu früh.
Du hast deinen Mann in eine peinliche Lage gebracht.
— Da hat er sich selbst hineingebracht.
Swetlana Arkadjewna ging, ohne sich zu verabschieden.
Die Tür fiel ins Schloss.
Ilja stand noch einige Minuten am Fenster.
Dann kam er zurück an den Tisch und öffnete die Mappe erneut.
— Ich war wirklich überzeugt davon, dass ich nach der Hochzeit über alles verfügen kann, — gestand er.
— Warum?
— Ich weiß es nicht.
Wahrscheinlich, weil wir dort gemeinsam Urlaub gemacht haben, ich geholfen habe und Mama den Sommer dort verbracht hat.
Nach und nach habe ich die Datscha als gemeinsames Eigentum betrachtet.
— Du kannst betrachten, was du willst.
Dadurch ändert sich das Eigentum nicht.
— Du redest jetzt so, als hätte ich dich betrügen wollen.
— Ich glaube nicht, dass du meine Unterschrift fälschen oder heimlich irgendetwas übertragen wolltest.
Du hast etwas anderes getan.
Du hast mein Eigentum versprochen, ohne es überhaupt für nötig zu halten, die Eigentümerin zu fragen.
Ilja setzte sich ihr gegenüber.
— Ich dachte, du würdest zustimmen.
— Wann genau wolltest du meine Meinung dazu erfahren?
Er antwortete nicht.
— Vor der Feier?
Nachdem alle deiner Mutter gratuliert haben?
Oder erst beim Notar?
— Ich wollte dich vor vollendete Tatsachen stellen, — sagte er nach einer Pause.
— Genau das hat mich wütend gemacht.
— Ich verstehe.
— Danach sieht es noch nicht aus.
— Was willst du hören?
Viktoria verschränkte die Finger auf dem Tisch.
— Keine Worte.
Ich will, dass du den Unterschied zwischen der Hilfe für deine Mutter und dem Verfügen über fremdes Eigentum verstehst.
Du hättest ihr anbieten können, öfter herzukommen.
Du hättest ihr von deinem eigenen Geld etwas Nützliches kaufen können.
Du hättest selbst nach einem Grundstück suchen können.
Aber du hast den bequemsten Weg gewählt — etwas herzugeben, das bereits fertig war und dir nicht gehörte.
Ilja fuhr sich mit der Hand durchs Haar.
— Das klingt unangenehm.
— Weil dein Verhalten unangenehm war.
— So habe ich es nicht gesehen.
— Dann denk jetzt darüber nach.
Am Abend redeten sie noch lange miteinander.
Ilja rechtfertigte sich zunächst damit, dass er sich daran gewöhnt habe, die Datscha als gemeinsames Eigentum zu bezeichnen.
Dann gab er zu, dass ihm die Rolle gefallen hatte, seiner Mutter ein großes Geschenk machen zu können.
Er hatte sich vorgestellt, wie die Verwandten ihn loben würden und wie Swetlana Arkadjewna allen von ihrem fürsorglichen Sohn erzählen würde.
Darüber, was Viktoria dabei fühlen würde, hatte er nicht nachgedacht.
— Ich dachte, du würdest nicht ablehnen, — wiederholte er.
— Weil ich früher nicht widersprochen habe, wenn deine Mutter die Datscha deine genannt hat?
— Wahrscheinlich.
— Dann hast du meine Ruhe für Schwäche gehalten.
— So würde ich es nicht ausdrücken.
— Aber genauso hast du gehandelt.
Ilja widersprach nicht mehr.
Viktoria verlangte nicht sofort die Scheidung, packte seine Sachen nicht zusammen und veranstaltete keinen demonstrativen Skandal.
Sie wollte verstehen, ob ihr Mann erkennen konnte, dass es sich nicht nur um einen ärgerlichen Irrtum mit den Dokumenten handelte, sondern um einen schweren Vertrauensbruch.
— Stell dir vor, ich würde deiner Mutter dein Auto schenken, — sagte sie.
— Vor der ganzen Verwandtschaft.
Und danach würde ich dich nur noch bitten, die Papiere zu unterschreiben.
— Ich wäre wütend.
— Auch wenn sie manchmal mit dir mitfährt?
— Ja.
— Auch wenn sie dir beim Waschen des Autos hilft?
— Ja.
— Warum sollte es bei der Datscha dann anders sein?
Ilja nickte.
— Sollte es nicht.
Am nächsten Tag rief er seine Mutter an.
Das Gespräch dauerte lange.
Swetlana Arkadjewna versuchte erneut, ihren Sohn davon zu überzeugen, dass Viktoria übertreibe und die Datscha ohnehin in der Familie bleiben würde.
Zum ersten Mal stimmte Ilja ihr nicht einfach zu, nur um seine Ruhe zu haben.
— Mama, ich habe dir etwas versprochen, das mir nicht gehört.
Vika ist nicht verpflichtet, meinen Fehler mit ihrem Eigentum auszubügeln.
Swetlana Arkadjewna erwiderte etwas Scharfes.
— Nein, sie ist nicht geizig.
Ich habe mich falsch verhalten.
Nach dem Gespräch sah Ilja erschöpft aus.
— Sie hat gesagt, dass sie jetzt nicht mehr zur Datscha fahren wird.
— Das ist ihre Entscheidung.
— Ich glaube, sie wird doch fahren.
— Aber nur nach vorheriger Absprache.
Er sah seine Frau an.
— Willst du ihr verbieten, dorthin zu kommen?
— Nein.
Aber ab jetzt keine Gäste ohne meine Zustimmung, keine Veränderungen auf dem Grundstück und keine Gespräche mit den Nachbarn darüber, dass die Datscha dir oder ihr gehört.
— Das ist fair.
Einige Tage später fuhr Ilja persönlich zu seiner Mutter.
Viktoria begleitete ihn nicht.
Es war sein Gespräch und seine Verantwortung.
Am Abend kam er zurück.
— Ich habe mich entschuldigt.
— Und was hat sie gesagt?
— Zuerst hat sie dir die Schuld gegeben.
Dann habe ich sie an ihre Wohnung und die Nachbarn erinnert.
Viktoria lächelte.
— Hat es funktioniert?
— Sehr schnell.
Ilja erzählte, dass seine Mutter sich noch lange aufgeregt hatte, aber schließlich doch zugab, dass sie zu früh begonnen hatte, über das Grundstück zu bestimmen.
Am meisten störte sie nicht, dass sie die Datscha nicht bekam, sondern dass die Verwandten bereits von dem Geschenk gehört hatten.
— Ich werde es ihnen selbst erklären, — sagte Ilja.
— Richtig.
Beim nächsten Familienessen sprach er das Thema tatsächlich an.
Er versuchte nicht, seiner Frau die Schuld zuzuschieben, und sagte auch nicht, dass die Übertragung an irgendwelchen Dokumenten gescheitert sei.
Er sagte offen, dass er die Datscha irrtümlich für gemeinsames Eigentum gehalten und seiner Mutter fremdes Eigentum ohne Zustimmung der Eigentümerin versprochen hatte.
Die Verwandten reagierten gelassener, als er erwartet hatte.
Sein Cousin zuckte mit den Schultern.
— Gut, dass ihr das vor der Übertragung geklärt habt.
Die Schwester von Swetlana Arkadjewna bemerkte:
— Eigentlich hättest du zuerst Vika fragen sollen.
Die Schwiegermutter saß mit angespanntem Gesicht da, widersprach aber nicht.
Im August kam sie noch einige Male zur Datscha.
Jetzt rief sie vorher an.
Sie lud keine Gäste ein, plante keinen neuen Zaun und sprach nicht mehr davon, Bäume fällen zu lassen.
Den Nachbarn erzählte sie nicht mehr, dass ihr Sohn ihr ein eigenes Grundstück verschafft habe.
Einmal blieb sie trotzdem beim alten Apfelbaum stehen.
— Die Äste hängen sehr tief.
— Im Herbst schneide ich die trockenen weg, — antwortete Viktoria.
— Du willst ihn nicht fällen?
— Nein.
Der Baum ist gesund.
Swetlana Arkadjewna sah die schweren, mit Äpfeln beladenen Zweige an und nickte.
— Dann muss man ihn nicht fällen.
Es war nur ein kurzer Satz, aber Viktoria bemerkte sofort den Unterschied.
Ihre Schwiegermutter sagte nicht mehr „ich werde ihn fällen“ oder „ich habe entschieden“.
Sie fragte die Eigentümerin und akzeptierte die Antwort.
Auch Ilja hörte auf, die Datscha als gemeinsames Eigentum zu bezeichnen.
Jetzt sagte er:
— Fahren wir zu deiner Datscha?
Oder:
— Soll ich dir auf dem Grundstück helfen?
Viktoria verlangte keine übertriebene Höflichkeit und genoss auch nicht jede einzelne Korrektur.
Ihr war etwas anderes wichtig: Ihr Mann hatte endlich aufgehört, Beteiligung am Familienleben mit Eigentumsrechten zu verwechseln.
Die Unterlagen kamen zurück in die blaue Mappe.
Viktoria legte den Vertrag, die Registerauszüge und die Unterlagen für die Sauna wieder in den Safe.
Den Code änderte sie nicht.
Ilja hatte ihn schon vorher nicht gekannt und wollte jetzt auch keinen Zugang mehr haben.
Eines Tages bat er selbst darum, die Unterlagen noch einmal sehen zu dürfen.
— Ich möchte richtig verstehen, was vor der Ehe gekauft wurde und was danach.
Viktoria holte die Mappe heraus und erklärte es ihm ruhig.
Er hörte aufmerksam zu, unterbrach sie nicht und bezeichnete das Kaufdatum nicht mehr als Formalität.
Die Mappe kam wieder auf das Regal im Safe.
Äußerlich hatte sich nichts verändert: dasselbe Haus, dasselbe Arbeitszimmer, dieselben Dokumente.
Verändert hatte sich die Einstellung.
Ilja verstand endlich, dass eine Ehe das Eigentum eines Menschen nicht in einen unerschöpflichen Vorrat an Geschenken für die Verwandten des anderen verwandelt.
Man kann freiwillig helfen.
Man kann auch großzügige Gesten machen.
Aber nur mit dem, worüber man tatsächlich verfügen darf.
Und der alte Apfelbaum bei der Sauna blieb stehen.
Ende August pflückte Viktoria mehrere Körbe Äpfel von ihm.
Swetlana Arkadjewna half beim Sortieren der Früchte, Ilja trug die guten ins Haus, und die beschädigten legte er separat beiseite.
Niemand sprach mehr über einen hohen Zaun, den Abriss des Schuppens oder darüber, Verwandte für den ganzen Sommer dort einzuquartieren.
Die Datscha gehörte weiterhin Viktoria.
Jetzt wussten das nicht nur die Dokumente im Safe, sondern jeder Mensch, der durch das Gartentor trat.







