Pjotr betrog seine Frau und war überzeugt: Er würde um Verzeihung bitten, und sie würde ihm vergeben

Petka saß am Steuer des nagelneuen dienstlichen Lada Niva und fühlte sich beinahe wie ein Minister.

Kein Wunder, denn den Leiter der Gemeinde, Wassili Sergejewitsch, persönlich herumzufahren, war etwas ganz anderes, als mit dem Traktor Silage über die Felder zu transportieren.

In der gesamten Bezirksverwaltung kannte man Petka, im Gemeinderat begrüßte man ihn mit Handschlag, und die Mädchen aus dem Dorf sahen ihm jedes Mal lange hinterher, wenn er durch die Hauptstraße fuhr.

Petka betrachtete sich im Rückspiegel und war mit seinem Anblick zufrieden.

Er war groß, breitschultrig und trug immer ein sauberes, gebügeltes Hemd.

Natürlich hatte er es nicht eilig zu heiraten.

Warum sollte er sich freiwillig ein Joch um den Hals legen?

Die Auswahl war groß, und er konnte sein freies Leben genießen.

— Petka, du solltest endlich vernünftig werden, — sagte Großmutter Grunja immer wieder, während sie starken Tee mit Thymian in die Tassen goss.

— Du bist fünfundzwanzig und flatterst immer noch wie ein Schmetterling von einer zur anderen.

Du bist der Fahrer eines wichtigen Mannes, verdienst gutes Geld, aber zu Hause fehlt eine Frau, die sich um alles kümmert.

— Oma, ich habe noch genug Zeit, mir die Schlinge um den Hals zu legen, — winkte Petka ab und steckte sich einen kleinen Kringelzwieback in den Mund.

— Mir geht es auch so gut.

Überall sind Mädchen, und ich bin ein freier Mann.

— Überall sind Mädchen, sagt er.

Deine Mädchen sind doch alle oberflächlich und können sich nur schminken, — brummte Großmutter Grunja und stützte sich auf ihren Stock.

— Du brauchst eine vernünftige Frau, die sich um das Haus kümmert, und keine, die auf dem Tanzboden nur mit ihrem Hintern wackelt.

Nimm doch Warja, unsere neue Tierärztin.

Was gefällt dir an ihr nicht?

Sie ist klug, hat studiert und wird im ganzen Bezirk respektiert.

Ich habe selbst mit ihr gesprochen.

Sie ist bescheiden und höflich.

Wenn du eine solche Frau heiratest, wirst du keine Sorgen haben.

Mach mir keine Schande und geh heute Abend zu ihr.

Sieh nach ihr und lade sie zu einem Spaziergang ein.

Petka widersprach der alten Frau nicht.

Sogar der Gemeindevorsteher selbst hatte ein wenig Angst vor Großmutter Grunja, denn sie war streng, aber gerecht.

Noch am selben Abend schlenderte Petka zur örtlichen Veterinärstation.

Warja beendete gerade ihre Arbeit und wusch sich am Waschbecken im Hof die Hände.

Sie trug ein schlichtes Kleid aus Baumwolle, ihr langes hellbraunes Haar war zu einem Zopf geflochten, und ihre großen Augen blickten freundlich.

Petka ging näher und musterte sie von Kopf bis Fuß.

Hübsch war sie zweifellos, aber viel zu still.

Ihr fehlte jenes Feuer, das Männern augenblicklich den Verstand raubte.

— Hallo, Warja, — begrüßte Petka sie.

— Möchtest du ein wenig spazieren gehen?

Warja sah ihn an, und ihre Wangen wurden rot.

Sie betrachtete ihn, als stünde vor ihr nicht der gewöhnliche Fahrer Petka, sondern ein echter Prinz.

— Gehen wir ein wenig spazieren, Petja, — stimmte sie zu.

Die Hochzeit wurde nach allen Traditionen des Dorfes gefeiert.

Es gab ein Akkordeon, lange Tische direkt im Hof und eine Menge betrunkener Gäste.

Großmutter Grunja saß am Kopfende des Tisches und wischte sich zufrieden mit einer Ecke ihres Kopftuchs die Tränen ab.

Die jungen Männer aus dem Dorf beneideten Petka.

Warja sah in ihrem weißen Kleid wie ein Schwan aus, und ihr Beruf war ebenfalls wichtig, denn ohne einen Tierarzt ging es auf dem Land nicht.

Auch Petka hörte gern die Glückwünsche und die Worte darüber, was für ein Glückspilz er sei.

Doch er liebte sie nicht.

Er hatte sie geheiratet, weil seine Großmutter darauf bestanden hatte und weil es allmählich Zeit dafür gewesen war.

Sie lebten zwei Jahre zusammen.

Warja erwies sich als genau die Ehefrau, die Großmutter Grunja ihm versprochen hatte.

Das Haus war immer sauber, auf dem Tisch standen heiße Kohlsuppe, frisches Brot und Kuchen mit Waldbeeren.

Auch bei der Arbeit wurde Warja gelobt, und zu Hause ging ihr alles leicht von der Hand.

Ein Jahr später wurde ihr Sohn Wanja geboren.

Petka liebte den kleinen Jungen über alles.

Doch seine Gefühle für Warja wurden nicht stärker.

Sie lebten zusammen, doch sie blieb ihm fremd.

Sie erledigte alles, und ihr Blick war voller stiller Treue, doch genau dieser Blick machte Petka nervös.

Dann kam Ninka, um im Dorfladen zu arbeiten.

Ninka war aus einem völlig anderen Holz geschnitzt.

Sie war lebhaft, ihre Lippen waren mit leuchtend rotem Lippenstift bemalt, ihre Frisur war üppig, und ihr Arbeitskittel ließ sich über ihrer Brust kaum schließen.

Wenn man den Dorfladen betrat, strahlte sie sofort, als hätte sie den ganzen Tag nur auf einen gewartet.

Sie bewegte kokett ihre Schulter und warf einem mit verführerischer Stimme einige Worte zu.

Von ihr ging eine wilde, berauschende Freiheit aus.

Petka begann, jeden Tag im Laden vorbeizuschauen.

Mal kaufte er Zigaretten, mal Mineralwasser für den Gemeindevorsteher.

Ninka wiederum zeigte dem Fahrer des Gemeindevorstehers nur zu gern ihre Reize.

— Petja, könntest du mich heute Abend bis zur Bezirksstadt mitnehmen?

Der Bus wurde gestrichen, und ich muss unbedingt zu einer Freundin.

Petka fuhr sie hin.

Zuerst brachte er sie bis zur Bezirksstadt, später zu ihrem Haus am Dorfrand.

Schon bald bog der Lada Niva immer häufiger in die abgelegene Gasse zu Ninkas Vorgarten ein.

Zu Hause wartete Warja mit einem warmen Abendessen und dem kleinen Sohn auf ihn, während Petka in Ninkas Küche saß, Likör trank und sich anhörte, was für ein großartiger Mann er sei und welches Pech er mit der „langweiligen Tierärztin“ habe.

— Lass dich scheiden, Petja, — flüsterte Ninka und umarmte ihn.

— Wozu brauchst du sie?

Sie taugt nur dazu, Kühen am Schwanz herumzuhantieren, während du ein stattlicher Mann bist.

Wir werden zusammenleben und keine Sorgen haben!

In einem Dorf lässt sich nichts lange geheim halten.

Petka glaubte, seine Affäre unbemerkt führen zu können, doch die Frauen im Dorf hatten überall Augen und Ohren.

Eines Abends kehrte er angetrunken nach Hause zurück, und Ninkas Parfüm war schon von Weitem an ihm zu riechen.

Warja erwartete ihn im Vorraum.

— Petja, stimmt es, was die Leute sagen? — fragte sie.

— Gehst du zu Ninka aus dem Laden?

Vom Wodka und von Ninkas Geschichten über seine Unwiderstehlichkeit angestachelt, begann Petka zu schreien:

— Und wenn es so wäre?

Ja, ich gehe zu ihr!

Was willst du dagegen tun?

Ich habe deine ganze Anständigkeit satt!

Mit dir zu leben ist wie in einer Gruft!

Warja empfand bei seinem Anblick und seinen Worten nur Abscheu, als sähe sie nicht ihren Ehemann, sondern einen widerlichen Menschen vor sich.

Aus Wut und Verärgerung holte Petka aus und stieß sie.

Warja schlug schmerzhaft gegen den Türrahmen und ging trotz der Schmerzen zu ihrem Sohn ins Zimmer.

Am nächsten Morgen wachte Petka mit dröhnendem Kopf auf.

Im Haus war es still.

Es gab weder heißen Tee noch Warja noch den kleinen Wanja.

Auf dem Tisch lag ein ordentlich gefalteter Zettel:

„Das werde ich dir niemals verzeihen.

Ich nehme unseren Sohn mit und fahre zu meiner Mutter.“

Petka brummte nur.

„Dann gute Reise!“, dachte er.

„Jetzt bin ich mein eigener Herr.

Mit Ninka werde ich endlich richtig leben.“

Noch am selben Tag brachte er seine Sachen zu Ninka.

Als Großmutter Grunja von dieser Schande erfuhr, jagte sie ihn mit ihrem Stock aus ihrem Haus und beschimpfte ihn wütend:

— Du bist ein Idiot, Petka!

Du hast Gold gegen eine wertlose Glasscherbe eingetauscht!

Du wirst noch angekrochen kommen, aber dann wird es zu spät sein!

Petka lachte jedoch nur darüber.

Anfangs verloren er und Ninka völlig den Kopf miteinander, denn im Bett war sie leidenschaftlich.

Doch ihr gemeinsamer Alltag bekam schnell Risse.

Warja war noch vor dem ersten Hahnenschrei aufgestanden und hatte alle Arbeiten mühelos erledigt, während Ninka vor der Arbeit nur an ihre Kleidung dachte.

Sie war zu faul, ein Abendessen zu kochen, das schmutzige Geschirr stapelte sich in der Spüle, und auf Petkas Bemerkungen antwortete sie nur abweisend:

— Ich bin nicht deine Dienerin.

Du hast selbst Hände!

Fast ein Jahr verging.

Petka wurde des ständigen Chaos im Haus, der ungewaschenen Hemden und Ninkas endloser Forderungen nach Geschenken langsam müde.

Doch er beruhigte sich mit dem Gedanken, dass sie wenigstens leidenschaftlich war.

An diesem Tag ließ Wassili Sergejewitsch Petka früher nach Hause gehen, weil er mit den Bezirksbeamten in die Gebietshauptstadt fuhr.

Petka freute sich, kaufte in der Bezirksstadt eine Schachtel guter Pralinen und eilte zu Ninka.

Die Haustür war von innen verschlossen.

Petka zog am Griff und klopfte.

Es blieb still, und niemand öffnete.

Er klopfte lauter und drückte schließlich sogar mit der Schulter gegen die Tür.

Endlich raschelte es hinter der Tür, und Ninka öffnete.

Ihr Morgenmantel stand offen, und ihre Haare waren zerzaust.

— Warum machst du hier so einen Lärm? — brummte sie unzufrieden.

Petka trat ins Zimmer und blieb wie erstarrt an der Tür stehen.

Auf ihrem gemeinsamen Bett lag ein kräftiger Mann in Lederjacke, mit den Stiefeln auf der Decke und einer brennenden Zigarette in der Hand.

Es war der Kontrolleur aus der Bezirksstadt, der den Dorfladen überprüft hatte.

— Petja, mach jetzt bitte keine Szene, — sagte Ninka ruhig und schloss ihren Morgenmantel.

— Das ist Kolja.

Er nimmt mich mit in die Bezirksstadt und macht mich zur Leiterin des zentralen Supermarktes.

Also entschuldige, du bist ein guter Mann, aber das Dorf ist nicht mein Niveau.

Deine Sachen habe ich bereits in eine Tasche gepackt.

Petka stand schweigend da.

Der Mann auf dem Bett stand nicht einmal auf.

Er grinste nur und blies einen Rauchring in die Luft.

In den folgenden zwei Monaten trank Petka ununterbrochen.

Er nahm zunächst einige freie Tage und verlor später beinahe sogar seine Stelle als Fahrer.

Wassili Sergejewitsch verschonte ihn nur aus Respekt vor Großmutter Grunja.

Tag für Tag saß Petka in der leeren, kalten Hütte und ging sein Leben im Kopf noch einmal durch.

Was für ein Narr war er gewesen!

Er hatte ein sauberes, helles Zuhause, eine liebende Frau und seinen eigenen Sohn gegen Ninkas falsche Liebe und ihr Bett eingetauscht.

Er ekelte sich so sehr vor sich selbst, dass er am liebsten wie ein Wolf geheult hätte.

Er ging zu Großmutter Grunja, fiel vor ihr auf die Knie und bat sie, ihm Warjas Adresse zu geben.

Doch die alte Frau seufzte nur schwer und schüttelte den Kopf.

— Ich habe keine Adresse für dich, Petja.

Warja baut sich ein neues Leben auf, und du hast kein Recht, ihre Vergangenheit wieder aufzuwühlen.

Sie ist inzwischen verheiratet.

Ihr Mann ist ein anständiger Mensch, mit dem du dich nicht vergleichen kannst.

Petka glaubte ihr nicht.

Er dachte, seine Großmutter sage das absichtlich, um ihm noch mehr wehzutun.

„Sie hat mich doch geliebt!“, dachte er.

„Ihre Augen leuchteten, wenn sie mich ansah.

Sie konnte sich unmöglich innerhalb eines Jahres in einen anderen verliebt haben.

Ich werde zu ihr fahren, vor ihr auf die Knie fallen und um Verzeihung bitten.

Sie wird mir vergeben.

Ich werde Wanja umarmen, und wir werden nach Hause zurückkehren.“

Über Bekannte in der tierärztlichen Bezirksstation fand Petka schließlich heraus, wohin Warja versetzt worden war.

Sie arbeitete im Nachbarbezirk, in einem großen Dorf, das zum zentralen Gut eines Staatsbetriebs gehörte.

Am Samstagmorgen setzte er sich in den Lada Niva und fuhr dorthin.

Er fand die gesuchte Straße und ein ordentliches Backsteinhaus mit einem weißen Lattenzaun und einem schönen Vorgarten.

Er parkte das Auto etwas weiter entfernt hinter Weidenbüschen und wartete.

Er war sehr nervös, bereitete seine Worte vor und wiederholte im Kopf, wie er sagen würde, dass er alles verstanden habe und sie mehr als sein Leben liebe.

Gegen Mittag fuhr ein neuer, glänzender Pickup vor dem Haus vor.

Aus dem Wagen stieg ein großer, breitschultriger Mann in einem Arbeitshemd mit hochgekrempelten Ärmeln.

Nach seinem Aussehen konnte er der Chefingenieur oder der Leiter des landwirtschaftlichen Betriebs sein.

Er ging um das Auto herum und öffnete die Beifahrertür.

Warja stieg aus.

Petka stockte der Atem, denn sie hatte sich völlig verändert.

Von der früheren Warja war nichts mehr zu sehen.

Sie trug ein schönes Sommerkleid, ihr Haar fiel in weichen Wellen über ihre Schultern, und ihr Gesicht strahlte vor weiblicher Schönheit und einem Glück, das Petka bei ihr niemals gesehen hatte.

Der Mann sagte ihr leise etwas.

Warja lachte fröhlich und umarmte ihn.

Er zog sie behutsam an sich und küsste sie.

In diesem Augenblick öffnete sich die hintere Tür des Pickups, und Wanja sprang heraus.

Sein kleiner Sohn war schon so groß geworden.

— Papa Stepan, sieh mal, was für einen Käfer ich gefunden habe! — rief der Junge und lief zu dem Mann.

Der Mann hob Wanja mühelos auf die Arme und streckte ihn hoch über seinen Kopf.

Der Junge kreischte vor Freude und umklammerte den Hals des fremden Mannes ebenso fest und vertrauensvoll, wie er einst Petka umarmt hatte.

Der Mann setzte den Jungen vorsichtig wieder auf den Boden, legte seinen Arm um Warjas Taille, und gemeinsam gingen sie zum Haus, während sie sich über etwas unterhielten.

Der Mann hielt Warja so behutsam, als wäre sie der kostbarste Schatz der Welt.

Petka saß im Lada Niva und umklammerte mit beiden Händen das Lenkrad.

Tränen stiegen ihm in die Augen.

Er griff nach dem Zündschlüssel, startete abrupt den Motor und fuhr davon, ohne sich umzusehen.

Er wollte diesen Ort so schnell wie möglich verlassen, damit niemand seine Schande und diesen schrecklichen, viel zu spät gekommenen Schmerz bemerkte.

Erst jetzt, nachdem er endgültig alles verloren hatte, verstand Petka, dass Warja ihm damals, vor zwei Jahren, nur wegen seiner eigenen Dummheit fremd gewesen war.

Nun war sie die Frau eines anderen Mannes.

Nichts ließ sich zurückholen oder neu schreiben.

In seinem Leben hatte es niemals jemanden gegeben, der ihm näherstand als sie und sein Sohn.

Und wahrscheinlich würde es einen solchen Menschen auch niemals wieder geben.