— Das Haus ist gekauft, jetzt kannst du abhauen — der Mann schleuderte die Scheidungspapiere direkt beim Notar auf den Tisch, doch die Frau grinste nur.

— Hier ist dein Anteil, — warf Viktor den Ordner mit den Dokumenten direkt auf den Tisch des Notars.

— Das Haus ist aufgesetzt, das Geld ist überwiesen.

Jetzt sind wir offiziell geschieden.

Du kannst zu deiner Mutter zurückkriechen.

— Danke für das Haus, Vitenjka, — unterschrieb Marina ruhig das letzte Blatt.

— Nur dummerweise… weiß deine neue Flamme schon, dass du arbeitslos bist?

— Was redest du da? — er wurde dunkelrot.

— Das, dass ich deine Firma schon vor einem Monat geschlossen habe.

Als einzige Gesellschafterin.

Marina erinnerte sich an ihre erste Wohnung — eine Chruschtschowka am Stadtrand, in der es im Winter aus allen Ritzen zog.

Damals arbeitete sie als Krankenschwester in zwei Schichten, während Viktor „sich selbst suchte“.

Er suchte lange — drei Jahre lang saß er ihr auf der Tasche und versprach goldene Berge.

— Marin(k)a, warum tust du so, als wärst du nicht von hier? — quengelte er damals.

— Gib mir noch einen Fünfer, ich unterschreibe doch morgen den Vertrag!

Die Verträge waren immer „morgen“.

Aber Marina glaubte ihm.

Sie liebte ihn ja, die Dumme.

Sogar als sie in seinem Handy den Chat mit Lenka aus dem Nachbareingang fand — verzieh sie ihm.

Damals kniete er vor ihr und schwor, dass es nie wieder passieren würde.

— Ich tue das doch für uns, für die Familie! — beteuerte Viktor.

Und sie glaubte wieder.

Sie meldete ein Einzelunternehmen auf ihren Namen an, als er sich die nächste „geniale“ Geschäftsidee ausdachte.

Sie fuhr selbst zu den Finanzämtern, stand in Schlangen, unterschrieb Dokumente.

Viktor hatte keine Zeit — er „knüpfte Kontakte“ in Restaurants.

Mit dem Hausbau begannen sie vor fünf Jahren.

Bis dahin war Marina zur leitenden Krankenschwester aufgestiegen und sparte jeden Kopeken.

Viktor wurde plötzlich „reich“ — seine Firma für den Weiterverkauf von chinesischem Kram lief auf einmal gut.

Nur war die Firma auf Marina eingetragen, aber wer erinnerte sich daran?

— Schau, was für ein Projekt ich gefunden habe! — breitete Viktor die Pläne des künftigen Hauses aus.

— Drei Etagen, Pool, Sauna!

Wir zeigen allen, wie man leben muss!

Marina nickte schweigend und rechnete im Kopf die Kosten durch.

Ihr Gehalt und ihre Prämien reichten kaum für Baumaterialien.

Doch Viktor verlangte nur das Teuerste — italienische Fliesen, deutsche Sanitäranlagen, maßgefertigte Möbel.

— Willst du, dass die Leute lachen? — empörte er sich, wenn sie etwas Einfacheres vorschlug.

— Wir sind doch keine Armen!

„Wir“ — das war lächerlich.

Bezahlt hat alles Marina, indem sie Kredite auf ihren Namen aufnahm.

Viktor kommandierte nur auf der Baustelle herum und trank Bier mit dem Polier Kolja.

Aljona sah Marina zufällig — sie saß in Viktors Auto vor dem Einkaufszentrum.

Jung, etwa fünfundzwanzig, mit Puppengesicht und Silikonlippen.

Marina ging einfach vorbei und tat so, als hätte sie nichts gesehen.

Zu Hause log Viktor mit unschuldigen Augen:

— Das ist die Sekretärin eines neuen Partners, ich habe sie nur zur U-Bahn gebracht!

Marina nickte und ging Abendessen kochen.

An diesem Abend saß sie lange in der Küche ihres fast fertig gebauten Hauses und betrachtete die Firmendokumente.

Alles war auf sie eingetragen — sowohl das Einzelunternehmen als auch die GmbH, die Viktor vor einem Jahr „der Seriosität halber“ registriert hatte.

Nicht einmal eine Vollmacht hatte er sich die Mühe gemacht auszustellen, weil er meinte, eine Ehefrau sei selbstverständlich.

In den nächsten sechs Monaten bereitete sich Marina methodisch vor, wie ein Chirurg auf eine Operation.

Sie transferierte alle Firmenwerte auf neue Konten, von denen Viktor nichts wusste.

Sie einigte sich mit der Chef-buchhalterin Nina Petrowna — die konnte Viktor wegen seiner Frechheit nicht ausstehen.

— Marinuschka, längst höchste Zeit, diesem Großmaul eine Lektion zu erteilen! — flüsterte Nina Petrowna, während sie mit den Papieren half.

— Er hält dich ja nicht mal für einen Menschen!

Das Haus ließ Marina schließlich allein fertigstellen, indem sie unbezahlten Urlaub nahm.

Viktor war zu sehr mit Aljona beschäftigt, um die Veränderungen zu bemerken.

Er tauchte zu Hause nur auf, um sich umzuziehen, und warf nachlässig hin:

— Warte nicht auf mich, ich habe Verhandlungen bis morgens!

Wie sich herausstellte, fanden die „Verhandlungen“ in der Wohnung statt, die er für Aljona im Stadtzentrum gemietet hatte.

Natürlich mit Firmengeld.

Im Notarbüro war Viktor bester Laune.

Kein Wunder — das Haus ist fertig, auf Marina eingetragen, sie bekommt ihren Anteil und verschwindet aus seinem Leben.

Aljona suchte bereits Vorhänge für ihr künftiges Familiennest aus.

— Unterschreib schneller, — drängte er Marina.

— Ich habe in einer Stunde einen Termin.

— Mit Aljona? — fragte Marina ruhig und setzte ihre Unterschrift.

— Geht dich nichts an! — fauchte Viktor.

— Natürlich nicht, — stimmte sie zu und holte einen Ordner aus der Tasche.

— Übrigens, hier sind die Unterlagen zur Liquidation der GmbH „ViktoriaTrade“.

Und das Einzelunternehmen ist auch geschlossen.

Alles gesetzeskonform, ich bin ja die einzige Gesellschafterin.

Viktor riss die Papiere an sich, überflog sie und wurde kreidebleich:

— Du… Was hast du getan, du Idiotin?!

— Ich? — Marina klimperte unschuldig mit den Wimpern.

— Ich habe einfach ein unrentables Unternehmen geschlossen.

Übrigens: Alle Kreditschulden, die du auf die Firma aufgenommen hast, sind jetzt deine privaten.

Ich habe dafür nichts unterschrieben.

— Aber… Aber wie… Aljona… — Viktor schnappte nach Luft.

— Und was ist mit Aljona? — Marina stand auf und zog ihren Mantel glatt.

— Jung, hübsch.

Sie findet einen anderen Sponsor.

Oder dachtest du, sie hat sich in deine fünfundvierzig Jahre und deinen Bierbauch verliebt?

Marina verließ das Notarbüro und ließ ihren Ex-Mann mit den Folgen allein.

Draußen schien die Frühlingssonne.

In ihrer Tasche klingelte das Telefon — Nina Petrowna rief an:

— Na, ist alles nach Plan gelaufen?

— Perfekt, — lächelte Marina.

— Übrigens, ich habe nachgedacht… sollen wir ein eigenes Geschäft aufmachen?

Ich habe Startkapital und ein tolles Haus als Büro.

— Marina, du bist ein Genie! — lachte die Buchhalterin.

— Wann fangen wir an?

Und im Notarbüro saß Viktor immer noch mit den Papieren in der Hand und versuchte zu begreifen, wie die Frau, die er fünfzehn Jahre lang für eine graue Maus gehalten hatte, ihn ausgetrickst hatte.

Das Telefon stand nicht still — Aljona verlangte die versprochene Reise nach Dubai, die Gläubiger fragten nach Zahlungen, und von der Arbeit kam die Nachricht, dass die Firma gar nicht mehr existiert.

Das Haus war gekauft.

Aber abhauen musste am Ende ganz bestimmt nicht die Person, die es geplant hatte.

ENDE.