«Insgesamt sechshundertsechzigtausend Forint», sagte Sándor, seine Stimme brach im Kerzenschein. Wer bekam Sándors geheime fünfzigtausender jeden Monat?

— Auf dem Konto sind nur noch achttausend Forint — sagte Sándor und wandte sich wieder dem Fernseher zu.

Mária stand am Küchentisch, die monatliche Einkaufsliste in der Hand. Draußen war Oktober, der Wind peitschte gegen das Fenster. Drinnen war es warm, aber irgendwie fröstelte sie trotzdem.

Sie legte die Liste ab. Sagte kein Wort. Seit einunddreißig Jahren sagte sie zu solchen Zeiten nichts.

Die achttausend Forint bedeuteten: diese Woche wird es kein Fleisch geben. Sie bedeuteten: das Spülmittel ist fast aufgebraucht, aber es wird schon irgendwie gehen.

Sie bedeuteten: die Schuhspitze beginnt zu reißen, aber sie hält noch ein bisschen. Sie hielt immer noch ein bisschen.

— Mária, hast du das gehört? — rief Sándor aus dem Wohnzimmer.

— Ja, habe ich — sagte sie.

Sie schob die Liste beiseite und holte das kleine kariertes Heftchen aus der Schublade. Dort trug sie jeden Monat ein, wofür das Geld ausgegeben wurde.

Eine alte Gewohnheit, die sie von ihrer Mutter gelernt hatte. Ihre Mutter sagte: Wenn du es aufschreibst, siehst du wenigstens, dass du nicht verrückt bist.

Mária war nicht verrückt. Sie verstand nur immer deutlicher, dass etwas nicht stimmte.

Sie schrieb ins Heft: Oktober. Einkauf: 12.400 Ft. Nebenkosten: 8.200 Ft. Rest: 0.

Dann schloss sie es und begann, das Abendessen zuzubereiten. Kartoffeln, Zwiebeln, ein wenig Schmalz. Sie tat, was sie immer tat: Sie beschwerte sich nicht, bat nicht um Erklärungen, kochte einfach.

Draußen peitschte der Wind immer stärker gegen das Fenster.

Drei Monate zuvor hatte Mária zufällig einen Blick auf Sándors Handy geworfen.

Sie wollte es nicht. Sie tat so etwas normalerweise nicht. Sándor war auf dem Sofa eingeschlafen, das Telefon war aus seiner Hand gerutscht, und als Mária vorbeiging, um das Licht auszuschalten, leuchtete der Bildschirm auf.

Eine Nachricht. Eine Nummer, die sie nicht kannte. Und darunter: *Ich habe die fünfzig geschickt. Im nächsten Monat wird es wieder da sein. Mach dir keine Sorgen.*

Fünfzig. Fünfzigtausend Forint. Mária blieb stehen. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals.

Sie schaltete das Licht aus und ging ins Schlafzimmer. Legte sich hin. Schlief die ganze Nacht nicht.

Am nächsten Morgen, als Sándor ins Badezimmer ging, nahm Mária schnell das Telefon.

Sie suchte die Nummer. Kein Name, nur die Nummer. Sie scrollte durch die Nachrichten.

Seit drei Monaten floss das Geld. Jeden Monat fünfzigtausend Forint. Einmal fünfundsiebzig.

*Die Medizin ist teuer, ich weiß.* — schrieb Sándor in einer Nachricht.

*Danke, Liebling. Ich weiß nicht, was ich ohne dich tun würde.* — antwortete die Nummer.

Mária legte das Telefon weg. Ging zurück in die Küche. Machte ihr Frühstück — eine Scheibe Brot, Margarine, Tee —, setzte sich an den Tisch und aß.

„Medizin“ — dachte sie. „Natürlich. Medizin.“

Sie weinte nicht. Irgendetwas wurde seltsam kalt in ihr, aber sie weinte nicht. Sie saß nur da, aß ihr Brot und betrachtete das karierte Heftchen in der Schublade.

Fünfzigtausend Forint pro Monat. Seit drei Monaten. Zusätzlich zu ihren achttausend Forint.

Am Nachmittag rief sie Andrea an.

Andrea war eine alte Freundin, sie kannten sich seit dreißig Jahren.

In letzter Zeit sahen sie sich nicht oft — Mária sagte immer, sie habe keine Zeit —, aber jetzt, als sie das Telefon ans Ohr hielt und Andreas Stimme hörte, löste sich etwas in ihrer Brust.

— Hallo — sagte sie nur.

Andrea wusste sofort. Irgendwie wusste sie es immer.

— Was ist los? — fragte sie.

— Nichts. Nur… — Mária verstummte. — Können wir uns treffen?

Am nächsten Nachmittag saßen sie einander gegenüber in dem kleinen Café, in dem sie sich früher immer trafen.

Andrea bestellte Kaffee, Mária Tee. Der Kellner ging, und es wurde still.

— Erzähl — sagte Andrea.

Mária erzählte. Sachlich, der Reihe nach. Die Nachrichten, die Beträge, die „Medizin“.

Andrea hörte die ganze Zeit zu. Unterbrach sie nicht, wurde nicht laut, hörte nur zu.

— Seit wann ist das so? — fragte sie, als Mária verstummte.

— Ich weiß es nicht genau. Seit drei Monaten auf jeden Fall. Aber die Zahlen waren schon früher… — Mária sah auf ihre Hand. — Schon seit einem Jahr merkwürdig. Mindestens ein Jahr.

— Hast du ihn darauf angesprochen?

— Zweimal.

— Und?

— Er sagte, er habe Ausgaben. Dass das Geschäft nicht gut läuft. Dass ich den Haushalt straffen soll.

Andrea schwieg einen Moment. Dann:

— Mária. Du straffst den Haushalt seit dreißig Jahren.

— Ich weiß.

— Nein, weißt du nicht. — Andrea lehnte sich nach vorn. — Denn wenn du es wüsstest, würdest du nicht so ruhig hier sitzen.

Mária sah auf.

— Ich sitze sehr ruhig — sagte sie. — Ich habe nur noch nicht entschieden, was ich tun werde.

Andrea lehnte sich zurück. Sah ihre Freundin an. Dann nickte sie.

— In Ordnung. Worauf wartest du dann?

— Auf den Jahrestag — sagte Mária.

Es war der dreizehnte November, ihr Jahrestag. Zweiunddreißig Jahre.

Drei Wochen nach dem Treffen mit Andrea nahm Mária das karierte Heftchen und blätterte zurück. Ganz zurück bis zum Anfang.

Der erste Eintrag stammte von vor dreizehn Jahren — davor hatte sie das Heft nicht geführt —, aber sie erinnerte sich an alle Jahre.

Die ersten zehn Jahre waren noch irgendwie in Ordnung. Sándor verdiente, nicht viel, aber ordentlich.

Mária arbeitete damals noch — Buchhalterin in einer kleinen Firma —, und die beiden Gehälter reichten aus.

Damals gab es noch Fleisch am Sonntag. Damals gab es noch Urlaub, einmal am Balaton, einmal in Eger, einmal in Kroatien.

Dann wurde László geboren, und Mária blieb zu Hause. Sándor sagte: So ist es besser, das Kind braucht die Mutter.

Mária stimmte zu. Sie stimmte zu, weil sie László liebte und weil sie damals noch glaubte, dass es die richtige Entscheidung war.

Dann begann Sándor ein Unternehmen. Das erste ging pleite. Das zweite auch.

Das dritte lief irgendwie, aber es fehlte immer etwas, immer gab es Ausgaben, die man nicht verhindern konnte.

Mária hätte wieder arbeiten gehen können, aber Sándor sagte: Was hätte das für einen Sinn? Das Kind ist klein, die Kita ist teuer, die Hälfte von dem, was du verdienen würdest, würdest du zurückgeben.

Mária ging nicht zurück. Sie blieb zu Hause.

Die Zahlen im Heft zeigten, dass das monatliche Haushaltsbudget in den letzten fünf Jahren allmählich gesunken war.

Nicht plötzlich — das wäre aufgefallen —, sondern langsam, hier tausend Forint, dort zweitausend. So wie Wasser Stein abträgt.

Mária passte sich an, weil sie sich immer angepasst hatte. Weniger Fleisch, billigeres Waschmittel, der Mantel hält noch einen Winter.

Währenddessen trank Sándor Kaffee in der Stadt. Währenddessen kaufte Sándor neue Schuhe. Währenddessen schickte Sándor jeden Monat fünfzigtausend Forint an jemanden, für Medizin.

Mária schloss das Heft.

„Zweiunddreißig Jahre — dachte sie. — Zweiunddreißig Jahre, und selbst ein paar hundert Forint für Margarine sind aufgerechnet.“

Dann begann sie, das Abendessen zu planen.

Eine Woche vor dem Jahrestag erwähnte Sándor, dass auch Boglárka kommen würde.

Boglárka war seine Schwester — fünfundvierzig Jahre alt, geschieden, hatte immer eine Meinung zu allem. Mária mochte sie nie besonders, aber sie ertrug sie. Zweiunddreißig Jahre lang ertrug sie sie.

— Ich habe Bogi eingeladen — sagte Sándor am Morgen bei seinem Kaffee. — Wir waren lange nicht zusammen.

— In Ordnung — sagte Mária.

— Machst du etwas Schönes?

Mária schaute auf den Herd.

— Ja — sagte sie. — Ich mache etwas Schönes.

Sándor nickte und stand vom Tisch auf. Er fragte nicht, was sie meinte. Er fragte nie, was sie meinte.

Die Tischdecke hatte ihre Mutter ihr bei der Hochzeit geschenkt. Weiß, mit gehäkeltem Rand, den ihre Mutter dreißig Jahre aufbewahrte und nur zu besonderen Anlässen hervorholte. Mária hatte sie seit zwölf Jahren nicht mehr benutzt.

Manchmal fiel ihr ein, sie dachte aber immer: später, zu einem schöneren Anlass.

Jetzt holte sie sie heraus, wusch sie, bügelte sie. Während des Bügelns zitterte ihre Hand ein wenig, aber nicht sehr.

Dann holte sie das Porzellan heraus.

Es war ein Hochzeitsgeschenk. Für zwölf Personen, mit weißem Goldrand.

Es stand seit zwölf Jahren zuletzt auf dem Tisch, damals nur zu Lászlós Geburtstag.

Einer der Tassen war der Henkel abgeplatzt, sie legte sie beiseite. Der Rest war perfekt.

Sie holte auch die Kerzenhalter — zwei hohe, silberne, aus der Schranktiefe — und die alten Kerzen, die dort seit Jahren lagen.

Dann ging sie auf den Markt.

Sie kaufte ein Laib Brot. Auf dem Heimweg hielt sie beim Blumenhändler an und kaufte drei weiße Chrysanthemen — die billigsten —, aber schön, und sie passten dazu.

Am Nachmittag des dreizehnten Novembers deckte Mária den Tisch.

Zuerst legte sie die Tischdecke aus und glättete alle Falten. Dann verteilte sie das Porzellan — drei Gedecke, genau, ordentlich, wie es sich gehört. Messer, Gabel, Löffel, auf der richtigen Seite.

Die Kerzenhalter stellte sie in die Mitte und zündete die Kerzen an. Die Chrysanthemen stellte sie in eine kleine Vase und platzierte sie neben die Kerzen.

Dann nahm sie das Brot und schnitt auf jeden Teller eine Scheibe. Genau eine. Kein Butter dazu, nichts.

Nur die Brotscheibe auf dem Porzellan mit dem weißen Goldrand, im Kerzenschein, über der gehäkelten Tischdecke ihrer Mutter.

Sie trat zurück und betrachtete den Tisch.

Es war wunderschön. Wirklich wunderschön — das Weiß und Gold und das Kerzenlicht, die Chrysanthemen, das gehäkelte Muster auf der Tischdecke. Es sah aus wie ein Bild eines Festes.

Mária setzte sich auf den Küchenstuhl und wartete.

Sándor und Boglárka kamen um halb sechs an.

Sie hörte den Schlüssel im Schloss, dann Boglárkas Stimme aus dem Flur — etwas über den Busfahrplan, dann Lachen.

Sándor lachte ebenfalls. Er war fröhlich, wenn Boglárka kam. Er war immer fröhlich, wenn jemand anderes da war.

— Mária! — rief Sándor. — Wir sind da!

— Ich weiß — sagte Mária aus der Küche.

Sie hörte, wie sie ihre Mäntel auszogen. Sie hörte das Quietschen von Boglárkas Schuhen auf dem Parkett. Dann öffnete sich die Tür zum Wohnzimmer.

Es wurde still.

Mária ging nicht hinaus. Sie blieb in der Küche und lauschte der Stille.

— Was ist das? — meldete sich Boglárka.

Keine Antwort.

— Sándor. Was ist das für ein Tisch?

Mária hörte, wie Sándor einen Schritt machte. Dann wieder Stille.

Sie trat ein.

Von der Tür aus betrachtete sie sie. Sándor stand am Ende des Tisches und betrachtete die drei Teller, die drei Brotscheiben, die Kerzen, die Chrysanthemen, die Tischdecke.

Sein Gesicht war seltsam — nicht wütend, nicht überrascht, nur… seltsam. Als würde etwas langsam in ihm sinken.

Boglárka stand auf der anderen Seite und sah Mária an.

— Das ist das Abendessen? — fragte Boglárka. Ihre Stimme war scharf, aber es lag Unsicherheit darin.

— Das ist das Jahrestags-Abendessen — sagte Mária.

— Aber… — Boglárka sah auf die Teller. — Es gibt nur Brot.

— Ja — sagte Mária.

— Warum?

Mária antwortete nicht. Sie setzte sich auf ihren Platz, vor ihren Teller, und verschränkte die Hände im Schoß. Sie sah zu Sándor.

Sándor sah nicht zurück. Er blickte auf seinen Teller.

— Mária — sagte er schließlich, leise.

— Setzt euch — sagte Mária. — Wir haben den Tisch gedeckt.

Boglárka setzte sich nicht. Sie stand da, schaute abwechselnd Mária und den Tisch an, ihr Mund öffnete und schloss sich, wieder und wieder.

— Ist das ein Scherz? — fragte sie.

— Bogi — sagte Sándor, und der Ton, mit dem er es sagte, ließ Boglárka verstummen.

Boglárka setzte sich. Sándor setzte sich ebenfalls.

Stille.

Die Kerzen brannten. Die Chrysanthemen leuchteten weiß im Licht. Die gehäkelte Tischdecke ihrer Mutter war perfekt, jeder Faden an seinem Platz.

Mária betrachtete ihr Brot. Sie nahm es nicht auf. Sie saß einfach da, es war still, und die Kerzen brannten.

— Mária — sagte Sándor erneut. Diesmal war seine Stimme anders. Tiefer. — Ich… weiß Bescheid.

Mária sah auf.

— Du weißt — sagte sie. Es war keine Frage.

— Ja.

— Wie lange schon?

Sándor sah auf seine Hände.

— Dreizehn Monate — sagte er. — Insgesamt… — Er verstummte. — Insgesamt sechshundertsechzigtausend Forint.

Die Zahl hing in der Luft, zwischen Kerzenschein, weißem Porzellan und der gehäkelten Tischdecke.

Boglárkas Hand bewegte sich auf dem Tisch.

— Sándor — sagte sie leise.

— Ruhe — sagte Sándor.

Boglárka schwieg.

Mária sagte nichts. Sie musste nichts sagen. Der Tisch sagte alles — das wunderschön gedeckte Tisch, die schönen Teller, die drei Brotscheiben.

Zweiunddreißig Jahre. Sechshundertsechzigtausend Forint. Eine Brotscheibe pro Teller.

— Ich werde es zurückzahlen — sagte Sándor.

Mária sah ihn an.

— Wie?

— Es ist noch auf dem alten Konto. Es gab eine Reserve, die… — Wieder verstummte er. — Es gab eine Reserve. Ich habe es nicht gesagt.

„Natürlich gab es eine — dachte Mária. — Natürlich gab es eine Reserve, die er nicht gesagt hat.“

— Wie viel? — fragte sie.

— Vierhundert kann ich jetzt zurückgeben. Den Rest… brauche ich Zeit.

— Wie lange?

— Sechs Monate.

Mária schwieg einen Moment. Sie sah auf ihren Tisch — die Kerzen, die Chrysanthemen, den weißen gehäkelten Rand der Tischdecke ihrer Mutter.

— In Ordnung — sagte sie.

Boglárka stand auf.

— Ich… — begann sie.

— Bleib — sagte Mária. Leise, aber Boglárka setzte sich wieder. — Der Tisch ist gedeckt. Bleib.

Boglárka blieb. Sie aßen das Brot. Alle drei. Still, im Kerzenschein, über der Tischdecke ihrer Mutter.

Am nächsten Morgen zog Mária sich an, nahm ihren Personalausweis und ging zur Bank.

Zwischen den wartenden Leuten war eine junge Frau, die auf ihrem Telefon tippte. Ein älterer Herr ordnete seine Unterlagen. Mária wartete.

Sie hatte es nicht eilig. Als sie an der Reihe war, setzte sie sich an den Schalter und sah die Sachbearbeiterin an — ein Mädchen Mitte zwanzig, mit geduldigem Gesicht.

— Ich möchte ein Konto eröffnen — sagte Mária. — Auf meinen Namen. Mit Alleinverfügungsrecht.

— Natürlich — sagte das Mädchen und begann, die Unterlagen herauszuziehen. — Welche Art von Konto?

— Eines, auf das sonst niemand zugreifen kann — sagte Mária. — Nur ich.

Das Mädchen nickte, als wäre dies die normalste Bitte der Welt.

Vielleicht war es das auch.

Mária unterschrieb die Unterlagen und legte den Stift zurück. Das Mädchen erklärte die Bedingungen — Zinsen, Gebühren, Zugriffsmöglichkeiten —, Mária hörte zu und sah dabei auf ihre Hände auf dem Tisch.

Ordentliche Hände. Arbeitshände. Zweiunddreißig Jahre Hände.

Als sie die Bank verließ, lugte die Oktobersonne gerade hinter einer Wolke hervor. Es war kalt, aber die Sonne schien.

Sie hielt vor der Bank an und kramte in ihrer Tasche nach der Karte — der neuen Karte, die sie vor fünf Minuten erhalten hatte. Sie fand sie und hielt sie in ihrer Handfläche.

Ein kleines, blaues Plastikstück, darauf ihr Name.

*Mária.*

Nicht mehr.

Die Sonne schien auf ihre Hand, und die Karte war noch kalt, so wie es bei neuen Dingen üblich ist.