Woher nehmen Sie überhaupt die Dreistigkeit zu glauben, dass ich mit ihm leben werde?
„Katjuscha, warte doch, wir sind doch keine Fremden, lass wenigstens einer Mutter ein Wort, deren Herz vor Schmerz blutet!“

Diese Stimme, sirupig-süß wie eine angefaulte Melone, ließ Katja mit dem Chip für die Gegensprechanlage in der Hand erstarren.
Sie wollte gerade den Plastik-Kreis an das Panel halten, doch ihr Weg wurde von einer massigen Gestalt in einem riesigen Wollmantel mit Pelzkragen versperrt, der seine Besitzerin scheinbar würgte.
Larissa Gennadjewna tauchte aus der Dämmerung des winterlichen Hofes auf wie ein Raubtier, das am Wasserloch auf Beute lauert.
Von ihr ging der Geruch schwerer „Damenparfüms im besten Alter“ und gebratener Zwiebeln aus – ein Duft, den Katja in all den drei Jahren, die sie mit Igor gelebt hatte, bis zur Übelkeit gehasst hatte.
„Ich habe keine Zeit für Gespräche, Larissa Gennadjewna“, schnitt Katja kalt ab und versuchte, an der Frau vorbeizukommen.
„Ich komme von der Arbeit, ich bin müde, und am allerwenigsten habe ich Lust, Ihre Herzblutungen hier im Wind zu diskutieren.“
Doch die ehemalige Schwiegermutter – obwohl, was für eine Schwiegermutter, einen Stempel im Pass hatte es ja nie gegeben – dachte gar nicht daran nachzugeben.
Mit einer für ihre Statur überraschenden Wendigkeit trat sie zur Seite und stellte sich wieder so, dass sie die eiserne Haustür mit ihrem Körper blockierte.
Ihr stark gepudertes Gesicht bekam rote Flecken vor Kälte und Aufregung, und die kleinen Augen huschten über Katjas Erscheinung: den neuen Pelz, die Lederhandschuhe, den ruhigen Gesichtsausdruck.
All das reizte Larissa Gennadjewna offensichtlich, doch sie hielt die Maske der Leidenden aufrecht.
„Guck sie dir an, wie geschniegelt sie geworden ist“, jammerte sie und packte Katja am Ärmel.
„Und mein Igor geht zugrunde!
Ganz schlimm ist er geworden, Katja.
Er isst nicht, er schläft nicht, er ist ganz schwarz geworden.
Und diese da, die er aus Dummheit ins Haus geholt hat… die hat ihn rausgeworfen!
Ausgenommen und rausgeschmissen, stell dir das vor!
Er ist jetzt wie ein geprügelter Hund, findet keinen Platz für sich.
Du musst ihn retten, Katja.
Er liebt dich doch, der Idiot.
Ein Mann ist halt mal falsch abgebogen, wem passiert das nicht?
Aber du bist doch eine kluge Frau, du musst verstehen:
Einen Mann muss man lenken, wärmen, waschen.“
Katja riss den Arm angewidert los und befreite den Ärmel aus den klammernden Fingern mit dem abgeplatzten Maniküre-Lack.
Sie staunte über diese heilige, undurchdringliche Gewissheit mancher Mütter, dass die ganze Welt verpflichtet sei, ihre erwachsenen Versager-Söhne zu bedienen.
„Retten?“
Katja wiederholte das Wort, und in ihrer Stimme klang Stahl.
„Da haben Sie sich in der Adresse geirrt.
Retter ist die 112.
Und ich ekle mich.“
„Wovor ekelst du dich?!“
Larissa Gennadjewna hob die Stimme, und die Honigsüße begann von ihr abzuplatzen wie alter Putz.
„Vor deinem Glück ekelst du dich?
Mein Igor ist ein stattlicher Mann, handwerklich begabt!
Na gut, er ist fremdgegangen, na und?
So ist die Natur, Katja, die männliche Natur!
Und du schaltest hier die Überheblichkeit ein.
Als wärst du was Besonderes!“
— Larissa Gennadjewna, würden Sie nicht endlich zum Teufel gehen – zusammen mit Ihrem Söhnchen?!
Woher nehmen Sie überhaupt die Dreistigkeit zu glauben, dass ich nach allem noch mit ihm leben werde, nachdem er irgendeine Straßendirne in unser Bett gebracht hat?!
„Wie kannst du es wagen?!
Du…“
„Haben Sie vergessen, wie ich danach die Wäsche weggeworfen habe?
Wie ich die Matratze ausgetauscht habe?
Oder glauben Sie, mein Gedächtnis ist wie das eines Goldfischs?“
Die Worte fielen schwer und dröhnend in die frostige Luft.
Die Maske der tugendhaften Mutter rutschte endgültig herunter.
Larissa Gennadjewna lief purpurrot an, ihre Nasenflügel blähten sich, und ihr Mund verzog sich zu einer bösartigen Grimasse.
„Du Drecksstück!“
Sie kreischte so schrill, dass ein Mann mit Hund, der vorbeiging, den Schritt beschleunigte.
„Straßendirne hat er gebracht…
Wenn du eine normale Frau gewesen wärst, hätte er niemanden angesehen!
Du hast ihn selbst dazu gebracht!
Kalt wie ein Fisch!
Nutzlos!
Keine Kinder hat sie ihm geboren, keinen Borschtsch gekocht, nur mit ihrer Karriere beschäftigt!
Du hast ihm das Leben kaputtgemacht, du Schlampe, und jetzt drehst du die Nase hoch?!“
Sie ging auf Katja los, drängte sich über ihr auf, spuckte beim Reden.
Das war schon keine Bitte mehr – das war ein Angriff.
Larissa Gennadjewna war es gewohnt, mit der Kehle zu gewinnen, gewohnt, dass ihr Druck Menschen zurückweichen und sich entschuldigen lässt.
„Gehen Sie mir aus dem Weg“, warnte Katja leise und umklammerte fester den Henkel ihrer Tasche.
„Ich gehe nicht weg!“
Larissa Gennadjewna brüllte.
„Du kommst jetzt sofort mit mir und holst Igor ab!
Er steht da hinten um die Ecke im Auto und wartet, friert!
Du bist es ihm schuldig!
Du hast ihm drei Jahre lang die Kräfte ausgesaugt, jetzt zahlst du zurück!
Sonst mache ich dir so ein schönes Leben, ich schreibe deiner Arbeit, ich erzähle allen, was für eine du…“
Sie kam nicht dazu, den Satz zu beenden.
Offenbar entschied sie, dass Worte nicht schwer genug waren, und warf plötzlich den Arm nach vorn, um Katja an den Haaren zu packen, die unter der Mütze hervorschauten.
Es war die Bewegung einer Marktfrau, die Streit mit Fäusten klärt.
Doch Katja hatte darauf gewartet.
Das Leben mit Igor hatte sie gelehrt, dass in dieser Familie von Hysterie bis Handgreiflichkeit nur ein Schritt ist.
Sie wich ruckartig, sportlich nach links aus, ließ die Hand an sich vorbeifliegen und legte ihre ganze Wut, ihren ganzen angestauten Ärger in einen harten Stoß mit beiden Händen gegen die Seite der Angreiferin.
„Warte, Katja, tu nicht so, als wärst du blind geworden.
Wir müssen reden, und dieses Mal hörst du mir zu, ob du willst oder nicht.“
Larissa Gennadjewna versperrte der Haustür mit ihrem massigen Körper den Weg, eingeschnürt in einen alten, nach Mottenkugeln und Feuchtigkeit stinkenden Nutria-Pelz.
Sie stand breitbeinig in ausgelatschten Winterstiefeln da wie ein Torwart vor dem Elfmeter.
Draußen war es klamm, ein grauer Februarabend drückte auf die Schultern, und unter den Füßen schwappte ein schmutzig-braunes Gemisch aus Streusalz und tauendem Schnee.
Katja blieb stehen und spürte, wie in ihr die Gereiztheit hochkochte.
Der Arbeitstag war schwer gewesen, der Kopf dröhnte, und am allerwenigsten wollte sie jetzt die Mutter ihres Ex sehen, die ihr in den letzten sechs Monaten mehr Blut ausgesaugt hatte als das gesamte Finanzamt zusammen.
„Lassen Sie mich durch“, sagte Katja müde, aber fest und versuchte, am Hindernis vorbei zu kommen.
„Ich habe nichts mit Ihnen zu besprechen.
Alles wurde schon vor einem Monat gesagt, als Ihr Sohn seine Kartons rausgetragen hat.“
„Und das entscheidest nicht du, ob alles gesagt ist oder nicht!“
Larissa Gennadjewna machte einen Schritt zur Seite – synchron mit Katja – und blockierte wieder den Zugang zur Gegensprechanlage.
Ihr Gesicht, rot vor Kälte und von geplatzen Äderchen auf der Nase, verzog sich zu einer Miene, die Leid darstellen sollte, aber eher nach Zahnschmerzen aussah.
„Igor geht zugrunde.
Begreifst du das, du gefühllose Seele?
Dritte Woche ist er nicht er selbst.
Er isst nicht, man hat ihn aus der Arbeit rausgeworfen, er sitzt da und starrt nur noch ins Leere.“
Sie senkte die Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern, und Katja wurde von einer Welle abgestandenen Atems getroffen, gemischt mit dem Geruch von Herztabletten.
„Er liebt dich doch, du Dumme.
Der Junge hat sich geirrt, wem passiert das nicht?
Na gut, der Teufel hat ihn geritten, er hat sich in der Hose verheddert.
Aber du bist doch eine Frau!
Du musst klüger sein.
Wer, wenn nicht du, zieht ihn da raus?
Ich bin alt, mein Blutdruck, ich kann ihn nicht auf meinen Schultern tragen.
Und du hast eine große Wohnung, ein gutes Gehalt.
Nimm ihn zurück, wasch ihn, fütter ihn.
Er jault nach dir wie ein geprügelter Hund.“
Katja sah diese Frau an und glaubte ihren Ohren nicht.
Vor ihr stand eine Mutter, die ihren Sohn nicht beschützen wollte, sondern ihn einfach wieder auf einen fremden Hals abwälzen wollte, weil es ihr selbst zu teuer wurde, diese Last zu tragen.
„Larissa Gennadjewna“, Katja zog den Riemen der schweren Tasche auf der Schulter zurecht.
„Ihr Igor jault nicht.
Ihr Igor säuft, weil er zu faul ist, Arbeit zu suchen.
Und er liebt nicht mich, sondern meinen Kühlschrank und die Tatsache, dass ich die Hypothek allein bezahle.“
„Wie kannst du so reden?!“
Die Schwiegermutter kreischte, und die Trauermaske rutschte herunter und legte die gewohnte Frechheit frei.
„Er ist ein talentierter Junge!
Er braucht einfach Unterstützung!
Und du?
Du bist eine Egoistin!
Hast den Mann wegen irgendeiner Kleinigkeit in die Kälte gesetzt!
Na und, hat er eben mit jemandem geschlafen!
Ein Mann ist ein Jäger, er braucht Abwechslung!
Und du bist im Bett wahrscheinlich wie ein Holzklotz, darum ist er losgezogen und hat Wärme gesucht!“
Diese Worte waren der letzte Tropfen.
Katja sah wieder diesen Abend vor sich: wie sie früher als geplant von einer Dienstreise zurückgekommen war und in ihrem Bett, auf ihrer Bettwäsche, irgendein Mädchen mit einem Tattoo am unteren Rücken gefunden hatte – und Igor daneben, der sich nicht einmal die Mühe gemacht hatte, die Bierflaschen unter dem Bett zu verstecken.
— Larissa Gennadjewna, würden Sie nicht endlich zum Teufel gehen – zusammen mit Ihrem Söhnchen?!
Woher nehmen Sie überhaupt die Dreistigkeit zu glauben, dass ich nach allem noch mit ihm leben werde, nachdem er irgendeine Straßendirne in unser Bett gebracht hat?
Als Larissa Gennadjewna das hörte, lief sie dunkelrot an.
Ihre Augen verengten sich zu bösartigen Schlitzen.
Plötzlich stürzte sie nach vorn, griff nach Katjas Mantelärmel und zielte mit der zweiten Hand auf die Haare, offensichtlich entschlossen, die „undankbare Göre“ ordentlich durchzuschütteln.
„Du Straßenhure!“
Sie brüllte über den ganzen Hof, spritzte Speichel.
„Du bist schuld!
Du hast ihn dazu gebracht!
Du hast ihn kaputtgemacht!
Du wirst mir für alles bezahlen!
Ich lasse dir keine Ruhe, bis du Igor zurücknimmst!
Du musst ihn retten, hörst du?!
Du musst!“
Ihre Finger, wie Würstchen mit abgeplatztem Lack, hätten Katjas Kapuze fast erwischt.
Doch Katja wartete nicht.
Die Reflexe waren schneller als die Gedanken.
Sie riss sich seitlich los, entkam dem Griff und stieß die massige Figur der Schwiegermutter mit aller Kraft von sich weg – mit dem ganzen angestauten Ekel in dieser Bewegung.
Larissa Gennadjewna hatte keine Gegenwehr erwartet.
Sie ruderte mit den Armen, um das Gleichgewicht zu halten, doch die glatte Sohle ihrer alten Stiefel rutschte verräterisch über eine Eiskruste.
Schwerfällig kippte sie nach hinten und landete mit einem dumpfen, schmatzenden Geräusch direkt in einem dreckigen, zusammengedrückten Schneehaufen, den der Hausmeister am Rand der Stufen zusammengeschoben hatte.
Dreckiger Schnee spritzte nach allen Seiten.
Der Pelz sog die graue Brühe sofort auf.
Larissa Gennadjewna strampelte im Schneehaufen wie ein umgedrehter Käfer, suchte Halt, doch die Hände versanken in der nassen Pampe.
„Du… du hast mich geschlagen!“
Sie rang nach Luft vor Empörung und starrte Katja von unten an.
Die Mütze war ihr in die Augen gerutscht und ließ sie aussehen wie ein verrückter Pilz.
„Ich verklage dich!
Ich mache dich fertig!“
„Lassen Sie Ihren Kopf behandeln, Larissa Gennadjewna“, warf Katja hin, zog den Chip hervor und hielt ihn an das Lesegerät.
Ihre Hände zitterten, doch ihre Stimme klang kalt und böse.
„Und nehmen Sie Ihren Versager-Sohn zu sich in die Wohnung.
Ich betreibe keine Wohltätigkeit mehr.
Und wenn Sie mir noch einmal zu nahe kommen – dann stoße ich Sie nicht in den Schnee, sondern die Treppe hinunter.“
Sie hielt den Chip an den Magneten.
Die Gegensprechanlage piepte, die Tür öffnete sich.
Katja trat in die rettende Wärme des Treppenhauses, ohne sich nach den Schreien und Flüchen umzudrehen, die ihr von draußen nachjagten.
Sie hoffte, dass damit der Abend-Albtraum vorbei war, und sie wollte nur noch eines: die Wohnungstür hinter sich auf alle Schlösser sperren und eine heiße Dusche nehmen, um dieses klebrige Gefühl von Dreck von sich abzuwaschen.
Doch sie ahnte nicht, dass die Hauptüberraschung auf der Etage auf sie wartete.
Die schwere Metalltür des Eingangs schlug mit einem Knall zu und schnitt den Straßenlärm und die kreischenden Flüche der ehemaligen Schwiegermutter ab.
Katja lehnte sich mit dem Rücken gegen die raue, mit Filzstift beschmierte Wand bei den Briefkästen und atmete durch.
Ihr Herz hämmerte irgendwo im Hals und schlug dumpf in den Schläfen.
Es schien ihr, als läge das Schlimmste hinter ihr: sie hatte sich gewehrt, einen Punkt gesetzt, ihr Revier körperlich verteidigt.
Naiv.
Sie ahnte nicht, dass das nur der Vortrupp gewesen war, ein Testangriff, und dass die Hauptkräfte des Gegners bereits direkt vor den Toren ihrer persönlichen Festung Stellung bezogen hatten.
Der Aufzug kroch quälend langsam nach unten.
Katja starrte auf die mit Kaugummi verschmierten Ziffern der Anzeige und träumte nur davon, sich einzuschließen, ein volles Glas Wein einzuschenken und diesen Abend aus dem Gedächtnis zu löschen.
Endlich gingen die Türen auf, und sie trat in die Kabine, die nach altem Plastik und nach jemandes Alkoholatem roch.
Sie drückte die Taste für den siebten Stock.
Als die Kabine stoppte und sich die Türen öffneten, machte Katja einen Schritt nach vorn und stolperte sofort – sie hätte fast die Tasche fallen lassen.
Direkt vor ihrer Tür hockte Igor, in der Pose eines Hinterhof-Ganoven, auf den Fersen.
Neben ihm lag, aufgebläht wie eine sattgefressene Boa, eine riesige Sporttasche, aus der der Ärmel eines abgestandenen karierten Hemdes herausragte.
Igor hob den Kopf.
Er sah, gelinde gesagt, mies aus: ein Bartschatten von einer Woche, rote entzündete Augen und genau jener Gesichtsausdruck, den Katja am meisten hasste – eine Mischung aus beleidigtem Kind und frechem Zaren, der sicher ist, dass ihm alles zusteht.
„Na endlich“, brummte er statt einer Begrüßung, richtete sich langsam auf und lockerte die steifen Beine.
„Ich hocke hier schon seit einer Stunde.
Wo warst du?
Warum gehst du nicht ans Telefon?
Mutter hat angerufen, sie sagte, du wärst unten am Eingang.“
Katja sah ihn an, und in ihr stieg eine neue Welle hoch – nicht einmal mehr Wut, eher ein ekelndes Staunen.
Sie arbeiteten zusammen.
Das war eine geplante Operation zur Wohnungsübernahme.
Die Mutter sollte unten das „Objekt“ bearbeiten – bemitleiden oder einschüchtern – und der Sohn wartete oben, schon mit den Sachen, bereit, in die warme Wohnung einzuziehen.
„Was machst du hier, Igor?“
Katjas Ton war eisig, und sie machte keinen Versuch, zur Tür zu gehen.
„Du hast die Schlüssel vor einem Monat abgegeben.
Ich habe die Schlösser nur deshalb nicht gewechselt, weil ich dachte, du hättest wenigstens einen Tropfen Stolz.
Ich habe mich geirrt.“
„Katja, fang nicht an, ja?“
Er verzog das Gesicht, als hätte er Zahnschmerzen, und machte einen Schritt auf sie zu, um die Distanz zu verringern.
Er roch nach altem Schweiß und billigen Zigaretten.
„Na, wir haben uns halt aufgeheizt, sowas passiert.
Ich habe keinen Platz zum Leben, verstehst du?
Lenka, dieses Miststück, hat mich vor die Tür gesetzt.
Hat gesagt, ich wäre nicht перспективный – nicht zukunftstauglich.
Stell dir das vor.
Ich hab ihr ein Regal angebohrt, und sie schmeißt mich raus in die Kälte.
Zu Mutter kann ich nicht, da ist Vater wieder im Saufgelage, da kann man nicht atmen.
Lass mich einfach übernachten, ich bitte dich menschlich.
Ich bin doch kein Fremder.“
„Kein Fremder?“
Katja verzog den Mund zu einem spöttischen Lächeln.
„Du bist mir niemand, Igor.
Du bist ein Ex-Mitbewohner, der mich in meinem eigenen Bett betrogen hat.
Geh.“
„Ach komm, hör auf zu zieren!“
Igors Stimme wurde lauter, schriller.
„Wohin soll ich denn mit der Tasche mitten in der Nacht?
Ich habe nicht mal Geld für ein Hostel!
Du bist doch gut, Katjuscha.
Wir haben drei Jahre zusammen gelebt, ich hab dir beim Renovieren geholfen…
Na, wir haben doch zusammen Tapeten geklebt!
Das zählt doch!“
In diesem Moment fuhren hinter Katja die Aufzugtüren erneut mit Geräusch auseinander.
Sie schaffte es nicht einmal, sich umzudrehen, da riss ein bekanntes, ins Ultraschallige kippendes Kreischen die Etage auf.
„Da ist sie!
Steht da und posiert!
Und die Mutter liegt im Schnee!“
Aus dem Aufzug stolperte, schwer atmend und schnaufend, Larissa Gennadjewna.
Der Anblick war gleichzeitig episch und jämmerlich.
Ihr einst so „feiner“ Pelz sah jetzt aus wie eine nasse, zerfledderte Katze: der Flor hing in Klumpen, an der Seite klebte ein riesiger dunkler Dreckfleck, die Mütze saß schief.
Ihr Gesicht glühte vor „gerechtem“ Zorn, und in der Hand hielt sie eine abgerissene Knopfschlaufe.
„Sieh sie dir an, Igorchen!“
Sie brüllte und stach mit einem schmutzigen Finger nach Katja.
„Ich komme zu ihr mit offener Seele, und sie stößt mich in den Schnee!
In den Dreck!
Eine alte Frau!
Ich schreibe eine Anzeige!
Ich lasse Verletzungen aufnehmen!
Du hast mir den Pelz ruiniert, der kostet so viel wie deine Niere!“
Igor schaltete beim Anblick der Mutter sofort um.
Jetzt hatte er einen „legalen“ Grund für Aggression.
Er schob die Brust vor, fühlte die Unterstützung der schweren Artillerie im Rücken.
„Hast du echt meine Mutter gestoßen?“
Er drängte auf Katja zu und drückte sie gegen die Wand.
„Hast du sie noch alle?
Die ist alt!
Was, wenn sie sich den Oberschenkelhals bricht?!“
„Wenn sie nicht die Hände gegen mich erhoben hätte, stünde sie jetzt noch“, fauchte Katja und presste die Tasche fester an sich, in der ihre Schlüssel lagen.
„Geht weg von meiner Tür.
Beide.
Sofort.“
„Wir gehen nirgends hin!“
Larissa Gennadjewna trat dicht heran.
Von ihr stank es nach nassem Fell und nach dem schmutzigen Straßen-Schnee.
„Du machst jetzt die Tür auf, lässt Igor rein, und dann reden wir anders!
Du musst moralischen Schaden ersetzen!
Und die Reinigung!
Und überhaupt – lass den Jungen waschen und essen, er schaut dich mit hungrigen Augen an, und du, Schlange, stehst da und verziehst das Gesicht!“
Die Situation heizte sich mit jeder Sekunde weiter auf.
Die Etage war schmal, und die beiden – der massige, ungepflegte Igor und seine wütende, dreckige Mutter – blockierten Katja buchstäblich in einer Ecke.
Sie bildeten eine lebendige Wand und drückten psychisch wie körperlich.
„Mach auf, hab ich gesagt!“
Igor streckte die Hand aus und riss Katja am Schulterbereich.
„Hör auf mit dem Theater.
Ich bin müde, ich will fressen.
Du hast da bestimmt Borschtsch oder Pelmeni.
Stell dich nicht so an.
Ich übernachte nur… na ja, vielleicht eine Woche, bis ich Arbeit finde.
Was ist dabei?
Die Wohnung ist zweizimmerig, ich störe dich nicht.
Ich schlafe auf dem Sofa.“
„Auf welchem Sofa?!“
Larissa Gennadjewna kreischte und schüttelte Dreckflocken von ihrem Ärmel auf den sauberen Boden im Hausflur.
„Du lässt ihn ins Schlafzimmer!
Er ist ein Mann, er braucht Komfort!
Und du kannst auf der Küche klarkommen, wenn du so stolz bist!
Guck mal, sie hat ihn rausgeschmissen!
Wen brauchst du denn, außer meinem Igor?
Du bist doch schon alt, siebenundzwanzig, kein Mann, keine Kinder!
Du solltest froh sein, dass er zurück ist!“
„Gib die Schlüssel“, befahl Igor und hielt die offene Hand hin, in deren Linien Dreck saß.
„Wenn du nicht öffnen kannst – gib her, ich öffne.
Die Hände zittern dir doch, hm?
Das Gewissen beißt.“
Katja starrte auf diese Hand und spürte, wie in ihr die letzte Sicherung durchbrannte.
Sie baten nicht.
Sie entschuldigten sich nicht.
Sie waren gekommen, um zu nehmen, überzeugt, dass sie ein Recht darauf hatten, allein weil sie existierten.
Ihre Dreistigkeit war so absolut, dass sie fast karikaturenhaft wirkte, aber der Gestank des nassen Pelzes und Igors schwerer Atem waren viel zu real.
„Nimm die Hand weg“, sagte Katja leise, und kalte Wut füllte ihren Kopf, machte den Blick scharf und die Gedanken klar.
„Was hast du gesagt?“
Igor beugte sich zu ihrem Gesicht, grinste.
„Mach keinen Blödsinn, Katja.
Mutter ist durchgefroren, die muss trocknen.
Mach auf, solange wir noch freundlich bitten.
Sonst kann ich auch die Tür eintreten.
Ich war hier gemeldet… na ja, fast.
Also habe ich Rechte.“
Er trat demonstrativ gegen Katjas Wohnungstür und hinterließ einen schmutzigen Abdruck auf dem hellen Holz.
Das war der Punkt ohne Rückkehr.
Katja verstand, dass weiteres Streiten im Treppenhaus sinnlos und sogar gefährlich war.
Diese beiden, angeheizt durch ihre eigene Frechheit und das Gefühl der Straflosigkeit, waren bereit, direkt hier eine Prügelei anzufangen.
Die einzige Chance war, die Tür zu öffnen, hineinzuschlüpfen und sie vor ihrer Nase zuzuschlagen.
Riskant – aber in der Ecke gegen die Wand gedrückt zu stehen war noch schlimmer.
Sie steckte schweigend den Schlüssel ins Schloss.
Ihre Hände bewegten sich kalt und mechanisch.
Zwei Umdrehungen.
Klick.
Sie riss das schwere Türblatt zu sich, um in den rettenden Halbschatten des Flurs zu schlüpfen.
Doch Igor hatte seine Reaktion trotz seines zerbeulten Zustands nicht weggesoffen.
Sobald sich ein Spalt öffnete, stellte er mit überraschender Schnelligkeit seinen dreckigen, ausgelatschten Stiefel – Größe 45 – in den Türrahmen.
„So, so, nicht so schnell, Liebes“, sickerte Selbstzufriedenheit aus seiner Stimme.
„Gäste begrüßt man, man versteckt sich nicht.“
Er drückte die Schulter gegen die Tür.
Katja stemmte die Füße in den Boden und versuchte, ihn hinauszuschieben, doch die Gewichtsklassen waren zu unterschiedlich.
Außerdem drückte Larissa Gennadjewna von hinten mit, gab zu seiner Masse noch ihre hundert-und-etwas Kilo lebendiges Gewicht und nasses Nutria dazu.
Die Tür kroch unaufhaltsam nach innen, die Scharniere ächzten.
„Nimm den Fuß weg!“
Katja zischte, während ihre Finger vor Anspannung taub wurden.
„Denk gar nicht dran!“
Igor brüllte und stieß die Tür noch stärker auf.
Katja wurde gegen die Garderobe geschleudert.
Sie stieß sich den Ellbogen schmerzhaft am Spiegel, blieb aber stehen.
In ihren blitzsauberen, nach Lavendel duftenden Flur wankte diese dreckige, lärmende Paarung hinein.
Mit ihnen brach der Geruch von Feuchtigkeit, billigem Tabak, Muff und diesem unbeschreiblichen Amalgam herein, das in überfüllten Bussen im Winter hängt.
Igor zog keuchend seine baulartige Tasche herein und ließ sie mit dumpfem Schlag direkt auf den hellen Teppich fallen.
Aus dem Taschenboden floss sofort eine schmutzige Pfütze.
„Na bitte, geht doch“, sah er sich um wie ein Hausherr, der von einer langen Dienstreise zurück ist.
„Warm, hell.
Du hast uns da draußen fast eingefroren, Schlampe.“
Larissa Gennadjewna quetschte sich hinterher und begann sofort, ihren nassen Pelz auszuziehen.
Vom Fell spritzte dreckiges Wasser, traf Tapete, Spiegel, Katjas Mantel.
„Ach, du hast mich fertiggemacht, Parasitin“, keuchte sie und hing ihre feuchte, stinkende Haut dreist über Katjas Kleidung.
„Na, was stehst du da?
Stell den Wasserkocher an!
Und zauber was zu essen.
Ich und Igorjunja hatten seit Mittag keinen Bissen im Mund.“
Katja sah sie an und spürte, wie die letzten Reste Erziehung in ihr starben.
Keine Mitleid.
Kein Mitgefühl.
Nur Ekel.
Sie sah Igor an, der schon die Jacke öffnete, und erkannte nicht mehr den Mann, mit dem sie drei Jahre gelebt hatte, sondern ein Insekt, einen Parasiten, der nach einem neuen Wirt sucht.
„Ihr werdet hier nicht wohnen“, sagte sie leise, aber deutlich.
„Raus mit euch beiden.
Jetzt.“
„Ach, hör endlich auf!“
Igor winkte ab, ging tiefer in den Flur und spähte ins Bad.
„‘Raus, raus’…
Wie ein Papagei.
Ich will mich waschen.
Bei Lenka haben sie warmes Wasser abgestellt, wegen Schulden, stell dir vor.
Dumm wie Brot, kann nicht mal die Nebenkosten zahlen.
Bei dir ist immer kochend heiß, wie immer.“
Er drehte sich zu Katja um, und auf seinem Gesicht erschien ein schiefes Grinsen.
„Hör mal, Katja, gib ein sauberes Handtuch.
Und meine Unterhosen, die blauen, sind die noch da?
Ich lauf in diesen hier schon drei Tage herum.“
Von dieser Selbstverständlichkeit, dieser animalischen Ungetrübtheit wurde Katja beinahe schlecht.
Er erzählte ihr von Hygieneproblemen seiner Geliebten und verlangte hier Bedienung.
„Bist du völlig bescheuert, Igor?“
Katja sah ihm direkt in die trüben Augen.
„Du kommst in das Haus einer Frau, die du betrogen hast, und verlangst Unterhosen?“
„Und was ist dabei?“
Larissa Gennadjewna mischte sich ein.
Sie war offenbar bereits in der Küche gewesen – das Geräusch eines geöffneten Kühlschranks verriet es – und kam zurück, kaute auf einem Stück Käse, das sie ohne zu fragen genommen hatte.
„Das ist doch Alltag.
Na gut, es hat bei ihm nicht geklappt mit dieser Schlampe, wem passiert das nicht?
Sie hat ihn, den Armen, wie Dreck behandelt.
Hat genörgelt, gesägt.
Und er ist ein Mann mit feiner seelischer Organisation!
Er braucht Ruhe.
Und du hast eine große, leere Wohnung.
Tut dir eine Ecke für einen nahestehenden Menschen weh?
Du verlierst doch nichts!“
Sie schluckte den Käse und wischte die fettigen Finger an ihren riesigen Hüften ab, die in Strickhosen steckten.
„Du, Katja, solltest überhaupt Danke sagen, dass wir zu dir gekommen sind.
Das heißt, wir sind dir nicht böse wegen deines miesen Charakters.
Igorchen lebt hier ein, zwei Monate, bis er wieder auf die Beine kommt, eine ordentliche Arbeit findet.
Und ich komme vorbei, kontrolliere, dass du ihn nicht wieder fertig machst.“
„Kontrollieren?“
Katja wiederholte das Wort und spürte, wie ihre Finger sich zu Fäusten ballten.
„Natürlich!“
Die Schwiegermutter bellte und rückte näher.
„Du hast ihn ausgenutzt!
Drei Jahre hast du den Mann benutzt, solange er noch Saft hatte, solange er dir Renovierung gemacht hat!
Und sobald Schwierigkeiten kamen – zack, vor die Tür?
Nein, Liebchen, so läuft das nicht.
Wir holen uns hier, was uns zusteht.
Die Wohnung mag auf dich eingetragen sein, aber die Aura hier ist von Igor!
Er kennt hier jeden Nagel!“
„Den Nagel hab ich reingeschlagen!“
Igor rief das aus dem Bad, wo das Wasser schon rauschte.
Er schloss nicht einmal die Tür, demonstrierte völlige Verachtung für Grenzen.
„Katja, wo ist ein normales Shampoo?
Hier steht nur dein Weiberzeug, riecht nach Veilchen!“
Katja sah auf die schmutzige Pfütze auf dem Teppich.
Auf den Pelz, der die Luft mit seinem Gestank vergiftete.
Auf Larissa Gennadjewna, die ihren Käse kaute.
Auf Igor, der in ihrem Bad die Hose auszog.
Das war nicht nur Eindringen.
Das war Schändung.
Sie machten aus ihrer sauberen, gemütlichen Welt einen Stall, in dem sie selbst zu Hause waren.
Sie sahen in ihr keinen Menschen, nur eine Funktion: gib her, bring, sorge, ertrage.
„Hörst du überhaupt, was ich sage?“
Larissa Gennadjewna stieß Katja mit dem Finger in die Schulter – hart, schmerzhaft.
„Gib dem Mann ein Handtuch!
Und renn in die Küche, mach Abendessen.
Steh nicht wie ein Pfahl.
Igorchen ist müde, er hat Stress.
Und du stehst da, schmollst.
Sei einfacher, dann werden die Leute zu dir ziehen.“
„Fassen Sie mich nicht an“, sagte Katja leise und schüttelte ihre Hand ab.
„Was?!“
Die Schwiegermutter empörte sich.
„So redet man mit Älteren?
Ich reiße dir gleich die Ohren ab, du Freche!
Ganz ohne männliche Hand hast du den Respekt verloren?
Nichts, Igorchen wäscht sich gleich, der stellt dich schnell stramm.
Der ist bei mir ein heißer Mann, wenn man ihn reizt.“
Sie machte einen Schritt auf Katja zu, um sie zu stoßen oder wieder zu packen, um ihren Willen durchzudrücken, um diesen Aufstand zu brechen.
In ihren Augen lag der Wunsch, zu zertreten, zu demütigen, die Wohnungsbesitzerin zur Dienerin zu machen.
Doch sie bemerkte nicht, wie sich Katjas Blick verändert hatte.
Die Müdigkeit war verschwunden.
Die Angst war verschwunden.
Übrig blieb nur ein kaltes, berechnendes Glänzen.
Katja sah langsam zu dem Eimer mit schmutzigem Wasser, den sie morgens im Flur stehen gelassen hatte, als sie vor der Arbeit den Boden gewischt und ihn nicht mehr ausgegossen hatte.
Das Wasser war trüb, mit Schlieren von Putzmittel und Sand von den Schuhen.
Eine perfekte Waffe für diesen Moment.
„Also, er will sich waschen?“
Katja fragte es in einem seltsam gleichmäßigen Ton.
„Und essen?
Na schön.
Dann bekommt ihr Bad und Abendessen.“
Sie machte einen Schritt auf den Eimer zu.
Die Schale der Geduld war nicht nur übergelaufen – sie war geplatzt, und die Splitter flogen in alle Richtungen.
„Worauf starrst du?“
Larissa Gennadjewna brüllte und trat auf Katja zu.
„Bist du taub?
Ich hab gesagt: ab in die Küche!“
In diesem Moment zog sich die Zeit für Katja zusammen wie eine gespannte Feder.
Im Kopf klingelte eine eisklare, schneidende Klarheit.
Sie sah vor sich nicht eine ältere Frau, sondern eine freche, breitgelaufene Marktschreierin, die in ihr Haus gekommen war, um daraus eine Müllkippe zu machen.
Katjas Blick glitt zum Eimer.
Die Entscheidung fiel sofort, auf Instinktebene.
„Ihr wollt ein Bad?“
Katja sagte es leise, mit einem erschreckenden Lächeln.
„Dann machen wir eins.
All inclusive.“
Sie packte ruckartig den kalten Metallbügel des Eimers mit beiden Händen und schleuderte, mit der Kraft der Drehung, den gesamten Inhalt – gut sieben Liter trübe, graue, eiskalte Brühe mit Sand und Chemie – der verblüfften Schwiegermutter direkt ins Gesicht und auf die Brust.
„A-a-a-a!“
Larissa Gennadjewnas Schrei war vermutlich bis ins Erdgeschoss zu hören.
Das schmutzige Wasser lief ihr in die Augen, in den offenen Mund und floss in dreckigen Bächen über Pullover und Hose, tränkte den Stoff sofort.
Sie war geblendet, verschluckte sich und fuchtelte wild mit den Armen, spritzte Dreck an die Wände.
„Was machst du da, du Schlampe?!“
Igor stürzte aus dem Bad, die Hose halb in der Hand.
Er war bis zur Taille nass, der Kopf eingeschäumt, sah lächerlich und erbärmlich aus – aber in seinen Augen brannte Wut.
Katja wartete nicht, bis er sich sammelte.
Adrenalin kochte in ihr und machte sie furchtlos.
Sie spürte keinen Schrecken, nur berauschende Befreiung.
Sie griff die schwere Tasche, die immer noch auf dem Teppich lag, riss den Reißverschluss auf.
Die Tasche war bis obenhin mit irgendwem Kram vollgestopft.
„Was ich mache?“
Katja brüllte über Larissas Kreischen hinweg.
„Ich bring den Müll raus!
War längst überfällig!“
Sie schleuderte die offene Tasche hinaus zur offenen Haustür.
Der Beutel flog über die Etage und knallte dumpf gegen das Treppengeländer.
Aus ihm quollen wie Gedärme dreckige T-Shirts, Socken, Kabel, Dosen.
„Meine Sachen!“
Igor heulte auf und sprang auf Katja zu, die Faust erhoben.
Doch er rutschte aus.
Der Flurboden war jetzt eine glitschige Bahn aus Seifenwasser und Schmutz.
Igors Beine fuhren auseinander, und er krachte auf die Knie, schlug hart auf die Fliesen.
Katja verlor keine Sekunde.
Sie griff nach dem Besen mit den harten Borsten.
Jetzt war das ihr Speer.
„Raus!“
Sie stieß die nasse, dreckige Bürste Igor direkt in den nackten Bauch.
„Raus hier, beide!“
„Ich bring dich um!“
Er röchelte und versuchte aufzustehen.
Doch Katja drückte, das ganze Körpergewicht hineinlegend, die Bürste gegen seine Brust und trieb ihn auf allen Vieren Richtung Tür.
Larissa Gennadjewna, die endlich die Augen wischte, sah den Sohn und stürzte los, die Finger gespreizt wie Krallen.
„Fass meinen Jungen nicht an!“
Sie heulte, rutschte in ihrer eigenen Lache.
Katja drehte sich scharf um, packte den Besen wie einen Schläger und schlug den nassen Pelz, der an der Garderobe hing, herunter – direkt vor Larissas Füße.
Larissa Gennadjewna verhedderte sich im schweren Fell und sackte plump auf den Boden, mitten in den Dreck.
„Raus!“
Katja packte Igor am nassen Kragen seiner halb angezogenen Jacke und zog ihn zum Ausgang.
Er sträubte sich, rutschte, fluchte – aber Katjas Wut gab ihr Kraft.
Sie schleifte ihn buchstäblich auf die Etage hinaus.
Die Nachbarn begannen schon, Türen zu öffnen.
Neugierige Gesichter tauchten auf: die alte Valja aus dem fünften Stock, ein Teenager aus dem achten.
Katja störte das nicht.
Im Gegenteil: sie brauchte Publikum.
Sie stieß Igor über die Schwelle, und er polterte den Treppenabsatz hinunter, riss dabei seine verstreuten Sachen mit.
Larissa Gennadjewna begriff, dass die Kräfte ungleich waren, und kroch auf allen Vieren Richtung Ausgang, jaulend und den ganzen Hausflur-Schmutz aufsaugend.
„Dass ich euch hier nie wieder sehe!“
Katja rief es, im Türrahmen stehend.
Ihre Brust hob und senkte sich, die Haare waren zerzaust, doch ihre Augen glänzten.
Igor zischte von unten, versuchte sich mit den Armen zu bedecken.
„Wer braucht dich denn, Psychopathin!
Du bist frigid!
Du bist ein Holzklotz!
Ich hab dich auf Händen getragen, und du…“
Und da setzte Katja den letzten Schlag.
Nicht mit dem Besen.
Mit Worten.
Mit denen, die mehr wehtun als jeder Borstenstich.
„Auf Händen getragen?“
Katja lachte laut, damit das ganze Treppenhaus es hörte.
„Igor, bring die Leute nicht zum Lachen!
Soll das ganze Haus wissen, warum dich auch die andere rausgeworfen hat?
Weil du im Bett – ‘halb sechs’ bist!
Zwei Minuten Schande, und dann schnarchst du!
Ich hab drei Jahre geschwiegen, dein männliches Ego geschont, dachte, der Junge hat Stress.
Aber du bist einfach impotent und ein Versager, der nicht mal eine Frau zufriedenstellen kann!“
Die Stille im Treppenhaus wurde klingend.
Die Nachbarn erstarrten.
Igor lief so rot an, als würden ihm gleich die Adern in den Augen platzen.
Das war totale, vollständige Vernichtung.
Seine Mutter schnappte nach Luft und wollte irgendwas von „Verleumdung“ krächzen, doch ihre Stimme ging im Schamgefühl unter.
„Und du“, Katja wandte sich zu Larissa Gennadjewna, die versuchte, ihren nassen, dreckigen Pelz vom Boden zu heben.
„Nimm deinen Schatz mit.
Soll er dir jetzt seine ‘Talente’ vorführen.
Und sei froh, dass ich nach eurem Besuch nicht den санитарный Dienst gerufen habe.“
„Sei verflucht!“
Larissa Gennadjewna kreischte, wich zur Treppe zurück und stützte den Sohn, der aussah, als wäre er von einer Walze überrollt worden.
„Du wirst allein verrecken!“
„Lieber allein als im Dreck mit euch!“
Katja schnitt es ab.
Sie sah, wie Igor – erniedrigt, nass, halb nackt – versuchte, seine dreckigen Unterhosen von den Stufen zu sammeln, während der Teenager-Nachbar kicherte.
Das war ein vollständiger Sieg.
Grausam, dreckig, aber endgültig.
Katja trat zurück in die Wohnung.
Sie knallte die Metalltür zu.
Das Krachen der Schlösser klang wie ein Schuss, der die Vergangenheit abschnitt.
Sie lehnte die Stirn gegen das kalte Metall und rutschte am Türblatt hinunter, direkt in die schmutzige Pfütze im Flur.
Es war ihr egal.
Sie sah auf den leeren Flur, auf den hingeworfenen Besen, auf die Schmutzstreifen an den Wänden.
Es würde eine große Reinigung werden.
Alles musste mit Chlor gewaschen werden.
Der Teppich musste weg.
Vielleicht sogar die Tapeten.
Aber das war ihr Dreck.
Und ihre Wohnung.
Die Luft war schwer, aber sie roch nicht mehr nach Ausweglosigkeit.
Sie roch nach Freiheit.
Katja lächelte zum ersten Mal an diesem Abend – böse, aber glücklich.
Sie stand auf, stieg über die Pfütze und ging, um das obere Schloss zu verriegeln.
Zwei Umdrehungen.
Für immer.







