„Den Kredit hast du aufgenommen — also zahl ihn auch.“

„Mit meinem Geld hat das nichts zu tun!“ sagte mein Mann ruhig.

Die Wohnung am Leninski-Prospekt hatte Elena von ihrer Großmutter geerbt — zwei Zimmer, hell, hohe Decken und Blick auf den Park.

Allerdings war dort seit etwa zwanzig Jahren nichts renoviert worden; an manchen Stellen löste sich die Tapete, und die Sanitäranlagen im Bad hätten längst ausgetauscht werden müssen.

Als Lena und Dmitri heirateten, stellte sich als Erstes die Frage, wie sie die Wohnung wieder in Schuss bringen sollten.

— Wir müssen das ordentlich machen, — sagte ihr Mann und blätterte in einem Katalog mit Küchenzeilen.

— Damit wir es später nicht noch mal machen müssen.

— Gleich hochwertig.

Elena nickte.

Geld für eine komplette Renovierung hatten sie nicht — sie arbeitete als Buchhalterin in einer Handelsfirma und bekam fünfundvierzigtausend, Dmitri war als Ingenieur in einer Baufirma angestellt — fünfzig.

Ersparnisse gab es kaum, die Hochzeit hatte alles aufgefressen, was zurückgelegt war.

— Vielleicht auf Kredit? — schlug Dima vor.

— Dir bewilligen sie es, du weißt doch, meine Kredithistorie ist angekratzt.

— Vor zwei Jahren hatte ich Verzögerungen beim Autokredit, die Banken sind jetzt vorsichtig.

— Bei dir ist alles sauber.

Elena sah ihren Mann an.

Er lächelte, blätterte Seiten mit Sofas und Kommoden um, und in seinen Augen stand aufrichtiges Bedürfnis, ihr gemeinsames Nest einzurichten.

— Na gut, — stimmte sie zu.

— Wir machen es auf meinen Namen.

— Wir machen es ja für uns.

In der Bank saß Dmitri neben ihr, half beim Ausfüllen des Antrags und sagte Zahlen vor.

Der Kredit wurde schnell bewilligt — achthunderttausend Rubel auf fünf Jahre zu vierzehn Prozent im Jahr.

Die monatliche Rate lag bei achtzehntausendvierhundert Rubel.

— Das schaffen wir, — sagte Dmitri überzeugt.

— Wir zahlen doch zusammen.

Eine Woche später begann die Renovierung.

Dmitri wählte persönlich die Fliesen fürs Bad aus, bestand auf importierten Sanitäranlagen und studierte lange die Daten von Kühlschrank und Waschmaschine.

Fürs Wohnzimmer hatte er ein Ledersofa für neunzigtausend ins Auge gefasst, obwohl Elena etwas Einfacheres vorgeschlagen hatte.

— Nein, das muss jahrelang halten, — widersprach ihr Mann.

— Später wirst du mir danken.

Den Fernseher suchten sie zusammen aus — sie entschieden sich für ein fünfundsechzig-Zoll-Modell mit Smart-Funktionen.

Die Küchenzeile fand Dmitri bei einem befreundeten Handwerker und handelte einen guten Preis aus.

Die Schlafzimmermöbel bestellten sie in einem Möbelhaus am Platz der Revolution.

Nach drei Monaten war die Wohnung nicht wiederzuerkennen.

Helle Wände, neue Fenster, Parkett in den Zimmern, frische Fliesen im Bad und in der Küche.

Alles sah modern und teuer aus.

— So ist es endlich menschlich, — sagte Dmitri zufrieden und betrachtete das Ergebnis.

Die Kreditraten wurden ab da automatisch am zehnten jedes Monats von Elenas Karte abgebucht.

Das Geld zahlten sie aus dem gemeinsamen Budget — sie legten beide Gehälter auf ein Konto und bezahlten davon Nebenkosten, Lebensmittel und Freizeit.

Die Frau führte eine Ausgabentabelle in Excel und trug jede Ausgabe ein.

Dima schaute manchmal hinein, vertiefte sich aber nicht.

— Du bist ja unser Finanzdirektor, — witzelte er.

Das erste Jahr verlief ruhig.

Die Raten wurden pünktlich gezahlt, sie lebten bescheiden, aber ohne große Entbehrungen.

Einmal im Monat gingen sie ins Kino, am Wochenende spazierten sie im Park, im Sommer fuhren sie eine Woche nach Sotschi.

Im zweiten Jahr bekam Dmitri in der Baufirma eine Beförderung angeboten.

Er wurde zum leitenden Projektingenieur, sein Gehalt stieg auf neunzigtausend.

Dann kamen Prämien für fertiggestellte Projekte dazu — dreißig bis vierzigtausend extra.

— Es geht bergauf, — freute sich Dmitri und zeigte Elena die nächste Gutschrift.

Sein Einkommen wuchs tatsächlich.

Ein halbes Jahr später lag sein Gehalt bei hundertzehntausend plus regelmäßige Boni.

Bei Elena blieb alles wie gehabt — dieselben fünfundvierzig, höchstens mal eine kleine Prämie zu Feiertagen.

Etwa ab da interessierte Dmitri sich weniger für das gemeinsame Budget.

Wenn er früher gefragt hatte, wie viel sie pro Woche ausgaben und ob es bis zum Gehalt reicht, überwies er jetzt einfach „seinen Teil“ und mischte sich nicht ein.

— Du regelst das schon, — sagte er.

— Mir schwirrt auf Arbeit der Kopf.

Lena führte weiter den Haushalt.

Sie kaufte Lebensmittel, zahlte Internet und Strom und überwies die Kreditrate.

Geld reichte freier — aber nur, weil Dmitri mehr verdiente.

Seine persönlichen Ausgaben hielt der Mann jedoch getrennt.

Er kaufte sich ein neues iPhone für achtzigtausend, obwohl das alte noch funktionierte.

Dann kam eine teure Angelrute — fünfunddreißigtausend.

— Ist doch ein Hobby, — zuckte Dmitri mit den Schultern.

— Ein Mann braucht Erholung.

Die Angelausflüge wurden regelmäßig.

Jedes Wochenende fuhr Dmitri mit Freunden zu einer Basis bei Rjasan oder an die Oka.

Hüttenmiete, Boot, Ausrüstung — das kostete, und nicht wenig.

Aber Dmitri sparte nicht.

Er kaufte sich auch noch eine Smartwatch, kabellose Kopfhörer der neuesten Generation, eine Spielekonsole.

In der Garage tauchte ein Satz Winterreifen auf — nicht gerade billig.

— Selbst verdient, selbst ausgegeben, — erklärte er Elena, als sie vorsichtig andeutete, man könne einen Teil für gemeinsame Ziele zurücklegen.

Elena schwieg.

Formal hatte er recht — es war sein Geld.

Und Streit wollte sie nicht, sie lebten ja „eigentlich“ okay.

Die gemeinsamen Ausgaben deckte Dmitri, indem er Elena eine feste Summe überwies.

Mit der Zeit stieg diese Summe aber langsamer als die Inflation.

Wenn er früher siebzig Prozent seines Gehalts ins Familienbudget gab, rundete er jetzt immer öfter auf irgendeine bequeme Zahl.

— Ich schicke fünfzig, passt? — fragte er.

Elena nickte.

Sie stritt nicht, sie rechnete nur das Budget neu durch und strich, wo sie konnte.

Beim Essen begann sie zu sparen.

Statt Bauernquark kaufte sie normalen, günstigeren.

Fleisch nahm sie nicht Filet, sondern Schenkel oder Brust.

Eine neue Herbstjacke ließ sie sein und trug die vom letzten Jahr noch eine Saison.

Dmitri bemerkte es nicht.

Oder tat so, als bemerkte er es nicht.

Er kam von der Arbeit, aß zu Abend und setzte sich an den Computer, spielte oder schaute Serien.

Am Wochenende fuhr er angeln.

Elena blieb zu Hause, sortierte Unterlagen, kochte Essen für die Woche vor und bügelte Dmitris Hemden.

— Warum suchst du dir nicht einen Nebenjob? — schlug Dmitri eines Tages vor.

— Wenn das Geld nicht reicht.

Elena sah ihn schweigend an.

Ein Nebenjob.

Also noch mehr arbeiten, um die Ausgaben zu decken, die sie früher geteilt hatten.

Und er würde weiter für sich ausgeben — für Angeln und Gadgets.

— Ich denke drüber nach, — sagte sie kurz.

Im Frühjahr bekam Elenas Firma Probleme.

Ein großer Geschäftspartner zahlte nicht für gelieferte Ware, es entstand ein Loch im Budget.

Der Geschäftsführer rief alle zusammen und kündigte eine vorübergehende Gehaltskürzung um dreißig Prozent an.

— Die Lage ist schwierig, — sagte er.

— Ich verstehe, dass das für Sie ein Schlag ist.

— Aber es gibt keinen anderen Ausweg.

— Entweder wir kürzen die Gehälter oder wir entlassen Leute.

Elena ging mit einem schweren Gefühl aus der Besprechung.

Fünfundvierzigtausend wurden zu einunddreißigeinhalb.

Davon gingen achtzehn und ein bisschen auf den Kredit.

Es blieben dreizehntausend für alles andere.

Am Abend versuchte sie, Dmitri die Situation zu erklären.

— Mein Gehalt wurde gekürzt, — begann Elena, als ihr Mann von der Arbeit kam.

Dmitri nickte, während er die Jacke auszog.

— Ja, schwierige Zeiten.

— Hab gehört, viele Firmen optimieren.

Er ging in die Küche und holte eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank.

— Dima, ich brauche Hilfe mit dem Kredit, — fuhr Elena fort.

— Dreißig Prozent sind viel.

— Die Rate bleibt aber gleich.

Dmitri nahm einen Schluck und sah die Frau nachdenklich an.

— Und was willst du?

— Vielleicht zahlen wir vorübergehend zusammen? — schlug Elena vor.

— Je zur Hälfte.

— Bis sich meine Lage wieder verbessert.

Der Mann schüttelte den Kopf.

— Lena, der Kredit läuft auf dich.

— Juristisch habe ich damit nichts zu tun.

Elena ballte unter dem Tisch die Fäuste.

— Aber wir haben ihn doch zusammen aufgenommen.

— Für unsere Wohnung, für unseren gemeinsamen Renovierungsplan.

— Du hast doch selbst die Technik und die Möbel ausgesucht.

— Hab ich, keine Frage, — stimmte Dmitri zu.

— Aber unterschrieben hast du.

— Kreditnehmerin bist du.

— Ich war nicht mal Bürge.

Elena spürte, wie eine heiße Welle ihr ins Gesicht stieg.

Ihre Wangen brannten, und sie wusste, dass die Röte sie verriet.

— Das heißt, du weigerst dich zu helfen?

— Ich weigere mich, einen fremden Kredit zu zahlen, — korrigierte Dmitri ruhig.

— Mein Geld gebe ich für meine Bedürfnisse aus.

— Und den Kredit hast du aufgenommen — also zahl ihn auch.

— Mit meinem Geld hat das nichts zu tun.

Er sagte das in so einem gleichmäßigen, alltäglichen Ton, als würde er den Wetterbericht vorlesen.

Keine Wut, keine Gereiztheit, nicht einmal Verlegenheit.

Nur eine Feststellung.

Elena erstarrte und starrte ihren Mann an.

Sie versuchte, in seinem Gesicht wenigstens ein bisschen Mitgefühl zu finden, einen Hauch von Verständnis.

Aber Dmitri sah an ihr vorbei und trank sein Bier aus.

— Meinst du das ernst? — brachte sie nur heraus.

— Absolut, — nickte er.

— Ich bin nicht verpflichtet, deine finanziellen Verpflichtungen zu übernehmen.

— Wir sind verheiratet, aber das heißt nicht, dass ich deine Schulden bezahlen muss.

Elena stand langsam vom Tisch auf und ging ins Schlafzimmer.

Ihre Hände zitterten, das Atmen fiel schwer.

Sie setzte sich auf die Bettkante und starrte gegen die Wand.

Die Gedanken waren wirr, schoben sich übereinander.

Sie hatte den Kredit aufgenommen.

Sie hatte unterschrieben.

Aber doch für die Familie, für ihr gemeinsames Leben.

Dmitri hatte damals selbst gesagt: Mach es auf dich, meine Kredithistorie ist nicht gut.

Er hatte das teure Sofa ausgesucht, auf hochwertige Technik bestanden.

Und jetzt — mit seinem Geld habe das nichts zu tun.

Elena verbrachte eine schlaflose Nacht.

Sie lag da, starrte an die Decke und rechnete Möglichkeiten durch.

Man könnte die Ausgaben weiter kürzen.

Auf alles Überflüssige verzichten.

Nur noch die billigsten Lebensmittel kaufen.

Nichts außer Essen und Rechnungen.

Aber selbst dann würde es knapp reichen.

Und wenn etwas Unvorhergesehenes passiert?

Wenn sie krank wird?

Am Morgen ging Dmitri wie immer zur Arbeit, ohne sich zu verabschieden.

Elena machte sich später fertig, fuhr ins Büro und setzte sich an den Computer.

Den ganzen Tag arbeitete sie wie auf Autopilot, die Zahlen in den Berichten verschwammen vor ihren Augen.

Am Abend versuchte sie noch einmal, mit ihrem Mann zu sprechen.

Sie wartete in der Küche, kochte Tee auf.

— Dima, lass uns in Ruhe sprechen, — begann Elena.

— Ich verstehe deine Position.

— Aber wir sind eine Familie, wir müssen einander helfen.

Dmitri seufzte, wie jemand, den man von Wichtigem abhält.

— Lena, ich habe schon alles erklärt.

— Ich will mich nicht wiederholen.

— Du verdienst über hunderttausend, — fuhr sie fort.

— Du bekommst jeden Monat Prämien.

— Und ich komme kaum über die Runden.

— Tut es dir nicht leid um mich?

— Tut mir leid, — nickte Dmitri.

— Aber das ist dein Problem, nicht meines.

— Such dir einen Nebenjob, leih dir Geld von deinen Eltern, keine Ahnung.

— Ich zahle meinen Anteil an den Ausgaben, mehr muss ich nicht.

Elena schluckte.

Ihr Hals schnürte sich zu, aber sie zwang sich, ruhig zu atmen.

— Welchen Anteil? — fragte sie leise.

— Du überweist mir fünfzigtausend bei einem Gehalt von über hundert.

— Und von diesen fünfzig gehen alle gemeinsamen Ausgaben ab — Nebenkosten, Essen, Haushaltsmittel, Internet.

— Und dann kommt mein Kredit noch oben drauf.

— Der Kredit ist deiner, — wiederholte Dmitri.

— Und die Ausgaben … ich hab dich ja nicht gezwungen, teure Lebensmittel zu kaufen.

— Spar, wenn’s nicht reicht.

Elena schloss die Augen.

In den Ohren rauschte es.

— Verstehst du überhaupt, was du da sagst? — fragte sie, öffnete die Augen und sah ihm direkt ins Gesicht.

Dmitri zuckte mit den Schultern.

— Versteh ich.

— Ich sage: Mein Geld gebe ich für meine Ziele aus.

— Das ist mein Recht.

— Ich arbeite, ich verdiene, ich entscheide selbst.

Er stand auf und nahm sein Handy vom Tisch.

— Und überhaupt, Schluss mit dem Gerede.

— Ich hab’s satt.

— Komm allein klar.

Elena sah ihm nach.

Dmitri ging ins Zimmer, schloss die Tür.

Eine Minute später hörte man von dort Computerspiel-Geräusche.

Sie saß noch lange in der Küche.

Sie dachte nach.

Sie erinnerte sich an ihr erstes Ehejahr, als Dmitri ihr ohne Anlass Blumen brachte, als sie zusammen jedes Detail für die Wohnung ausgesucht hatten, als er sie seine „Hälfte“ nannte.

Wo war das hin?

Wann genau war aus ihrem Mann ein gleichgültiger Nachbar geworden, der ihre Ehe für ein bequemes, vorübergehendes Abkommen hielt?

Elena öffnete die Excel-Tabelle auf dem Handy.

Sie rechnete noch einmal.

Einunddreißigeinhalb Gehalt.

Minus achtzehntausendvierhundert Kredit.

Bleiben dreizehntausendeinhundert.

Und das ging nicht für Wünsche drauf, sondern für gemeinsame Bedürfnisse.

Und Dmitri gab fünfzigtausend im Monat für Angelzeug und Gadgets aus — und fand das normal.

Die nächsten Wochen vergingen in angespanntem Schweigen.

Elena kochte, putzte, wusch.

Dima kam, aß und verschwand in seinem Zimmer oder fuhr angeln.

Sie redeten nur, wenn es nötig war.

Am Zehnten wurde die nächste Rate abgebucht.

Elena sah auf den Restbetrag — neuntausend Rubel bis zum nächsten Gehalt, das erst in zwei Wochen kam.

Sie musste durchhalten.

Sie kaufte die billigsten Nudeln, Grütze, Hähnchenschenkel im Angebot.

Auf Obst verzichtete sie fast ganz — zu teuer.

Joghurt, Quark, Käse strich sie ebenfalls.

Nur das Nötigste.

Dmitri merkte nichts.

Oder tat so.

Er aß, was Elena kochte, verzog manchmal das Gesicht.

— Schon wieder Nudeln? — fragte er einmal.

— Ja, — antwortete Elena kurz.

— Ein Problem?

— Nein, nur langweilig, — zuckte Dmitri mit den Schultern.

Er bestellte sich Sushi nach Hause, aß es vor Elena, die den Rest von gestern, Buchweizen, aufaß.

Es war so absurd, dass Elena lachen musste.

So lachen, dass sie weinen wollte.

Ende des Monats fasste Elena einen Entschluss.

Sie saß abends in der Küche, trank Tee ohne Zucker — der Zucker war alle, und Geld für neuen gab es nicht.

Dmitri war auf Dienstreise und kam erst übermorgen zurück.

Genug.

So ging es nicht weiter.

Das war keine Familie, das war Ausnutzen.

Elena klappte den Laptop auf, fand eine Website für Rechtsberatung und machte einen Termin bei einer Fachanwältin für Familienrecht.

Die Anwältin war etwa fünfundvierzig, mit aufmerksamem Blick und ruhiger Stimme.

Sie hörte Elena zu, nickte, machte Notizen.

— Das ist eine typische Situation, — sagte sie.

— Leider sehr typisch.

— Ein Partner verdient, der andere trägt alles — und bleibt am Ende mit nichts zurück.

— Was kann ich tun? — fragte Elena.

— Scheidung einreichen, — sagte die Juristin schlicht.

— Und gleichzeitig Güterteilung beantragen.

— Alles, was in der Ehe angeschafft wurde, gilt als gemeinsames Vermögen.

— Egal, auf wessen Namen es läuft.

Elena nickte.

— Und der Kredit?

— Auch der Kredit ist gemeinsam, wenn er für Familienzwecke ausgegeben wurde, — erklärte die Juristin.

— Sie können nachweisen, dass das Geld in die Renovierung der gemeinsamen Wohnung ging und in Technik und Möbel für das gemeinsame Wohnen.

— Das wird das Gericht berücksichtigen.

Elena verließ die Beratung mit einer Mappe Unterlagen und einem klaren Plan.

Angst hatte sie nicht.

Es war merkwürdig ruhig in ihr.

Zu Hause sammelte sie alle Kassenbons, Quittungen, Kontoauszüge zum Kredit.

Sie fand den Renovierungsvertrag, Lieferscheine für Möbel und Technik.

Sie fotografierte Chats mit Dmitri, in denen er Sofa und Kühlschrank diskutierte.

Als der Mann aus der Dienstreise zurückkam, hatte Elena den Scheidungsantrag bereits eingereicht.

Die Frist war ein Monat.

In dieser Zeit konnte man es sich anders überlegen und den Antrag zurückziehen.

Aber Elena wusste: Sie würde es nicht tun.

Sie sagte es Dmitri beim Abendessen.

— Ich habe die Scheidung eingereicht, — sagte Elena und stellte einen Teller Kartoffeln auf den Tisch.

Dmitri hob den Kopf und sah sie verständnislos an.

— Meinst du das ernst?

— In einem Monat sind wir geschieden.

— Bereite die Unterlagen vor.

Der Mann legte die Gabel hin.

— Lena, was ist los?

— Wegen Geld, oder?

— Wir finden doch eine Lösung, wir …

— Nicht wegen Geld, — unterbrach Elena ihn.

— Weil du aufgehört hast, ein Ehemann zu sein.

— Du bist nur noch ein Nachbar, der einen Teil der Rechnungen bezahlt.

— Und dieser Teil wird immer kleiner.

Dmitri runzelte die Stirn.

— Das sind doch irgendwelche Dummheiten.

— Wir leben doch normal.

— Du lebst normal, — korrigierte Elena.

— Ich überlebe.

— Ich hab genug.

Er wollte widersprechen, aber sie ging ins Schlafzimmer und schloss die Tür.

Das Gespräch war beendet.

In den folgenden Wochen versuchte Dmitri, Elena umzustimmen.

Mal redete er sanft, mal verlangte er gereizt Erklärungen.

Sie antwortete kurz und ließ sich nicht in lange Diskussionen ziehen.

— Die Entscheidung steht, — wiederholte Elena.

— Verschwende keine Zeit.

Als die Bestätigung vom Standesamt kam, reichte Elena Klage beim Gericht ein.

Sie verlangte die Teilung des Vermögens — aller Geräte und Möbel, die mit dem Kredit gekauft worden waren.

Dmitri war außer sich.

— Du willst die Hälfte von allem?! — schrie er ins Telefon.

— Ich habe doch verdient, ich habe uns ernährt!

— Du hast verdient, und ich habe den Kredit bezahlt, — sagte Elena ruhig.

— Für Geräte und Möbel, die du genutzt hast.

— Das Gericht wird das klären.

Der Prozess dauerte vier Monate.

Die Richterin prüfte alle Unterlagen, Auszüge, Belege.

Sie lud Zeugen vor — Nachbarn, die bestätigten, dass beide die Technik nutzten und dass Dmitri die Käufe selbst ausgesucht hatte.

Das Urteil war eindeutig.

Alles, was mit Kreditmitteln angeschafft worden war, galt als gemeinsames Vermögen.

Dmitri musste Elena eine Ausgleichszahlung in Höhe der Hälfte des Werts leisten — vierhunderttausend Rubel.

Als Elena das Geld auf dem Konto hatte, zahlte sie als Erstes den Kredit vorzeitig zurück.

Der Restbetrag lag bei dreihundertzwanzigtausend.

Sie schloss ihn vollständig, und die übrigen achtzig legte sie als Festgeld an.

Freiheit.

Zum ersten Mal seit drei Jahren spürte Elena, dass sie wieder frei atmen konnte.

Keine Raten, keine monatlichen Abbuchungen, keine Angst vor dem zehnten Tag.

Dmitri rief nach der Scheidung noch ein paar Mal an.

Er versuchte, Kontakt aufzunehmen, schlug Treffen und Gespräche vor.

— Vielleicht haben wir es zu schnell gemacht? — sagte er.

— Man hätte sich doch einigen können.

Elena verabschiedete sich kurz und blockierte seine Nummer.

Es gab nichts mehr zu klären.

Ein Mensch, der in der schweren Stunde sagte: „Mit meinem Geld hat das nichts zu tun“, blieb in der Vergangenheit.

Für immer.