— **Mama, geh nach Hause!**

**Das ist ein Fest nur für meine Frau!**

— **Bist du nicht frech geworden, Fräulein?**

**Hunderttausend zum Fenster hinaus, um fremden Leuten die Bäuche vollzuschlagen, während die eigene Mutter über verrottetes Linoleum läuft?**

Galina Petrowna schrillte am Telefon so sehr, dass Polina das Handy unwillkürlich vom Ohr weghielt.

Selbst aus einem halben Meter Entfernung hörte man, wie die Schwiegermutter vor „gerechtem“ Zorn nach Luft rang.

— **Galina Petrowna, das ist nicht „zum Fenster hinaus“, das ist mein Jubiläum.**

**Ich werde dreißig,** — antwortete Polina und versuchte, eisige Ruhe zu bewahren.

Sie stand am Fenster des Büros, blickte auf den grauen Novembermatsch und spürte, wie in ihr dumpfer Ärger hochkochte.

— **Und ich habe bereits eine Anzahlung fürs Restaurant geleistet.**

— **Eine Anzahlung hat sie geleistet!** — äffte die Schwiegermutter nach.

— **Und man kann sie nicht zurückholen?**

**Begreifst du überhaupt, dass mir im Bad schon die Fliesen abfallen?**

**Ich habe euch angedeutet, angedeutet, und ihr seid wie taubstumm!**

**Andrej hat gesagt, ihr hattet eine Prämie.**

**Dann gebt sie der Mutter, tut eine gute Tat!**

**Salate kann man auch zu Hause fressen, wenn die Hände nicht aus dem falschen Körperteil wachsen!**

Polina atmete tief durch.

Dieses Gespräch hatte sie sich hundertmal im Kopf vorgespielt, um sich auf den Angriff vorzubereiten, aber die Wirklichkeit war noch viel giftiger.

Sie hatte längst entschieden: Ihr dreißigster Geburtstag würde perfekt werden.

Kein Kochen bis zwei Uhr nachts, keine Berge schmutzigen Geschirrs und kein Hin-und-her-Rennen mit Tellern zwischen Küche und Wohnzimmer, während der Mann fern sieht.

Sie wollte ein schönes Kleid, professionelles Make-up, Musik und das Lachen ihrer Freunde.

— **Galina Petrowna, die Sache ist erledigt.**

**Die Feier ist am Samstag im Restaurant „Venezia“.**

**Ich lade Sie und Larissa ein.**

**Ich freue mich, Sie zu sehen,** — sagte Polina fest.

— **Am Samstag?** — schnaubte die Schwiegermutter und wechselte schlagartig von aggressiv zu launisch-verächtlich.

— **So ein Quatsch.**

**Dein Geburtstag ist am Donnerstag.**

**Kennst du die Zeichen?**

**Vorher feiert man nicht, und nachher verliert man nur Geld.**

**Wir kommen am Donnerstag.**

**Genau an deinem Tag.**

**Ich mag dieses Verschieben nicht, das ist nur albernes Getue.**

— **Am Donnerstag arbeite ich bis sieben.**

**Danach will ich einfach nur ausruhen.**

**Ich werde zu Hause keinen Tisch decken,** — entgegnete Polina kurz.

— **Und was?**

**Du schenkst deiner eigenen Schwiegermutter nicht einmal eine Tasse Tee ein?**

**Knallst du ihr die Tür vor der Nase zu?**

— **Ich habe gesagt: Es wird keine Feier zu Hause geben.**

**Am Donnerstag ist mein persönlicher Tag der Ruhe.**

**Ich erwarte Sie am Samstag im Restaurant.**

**Punkt.**

Polina drückte auf „Auflegen“ und spürte, wie ihre Finger zitterten.

Sie wusste, das war nicht das Ende.

Galina Petrowna war nicht der Mensch, der das Wort „Nein“ hört.

Für sie war eine Absage nur das Signal zum Beginn der Kampfhandlungen.

Am Abend, als ihr Mann von der Arbeit zurückkam, bereitete Polina gerade das Abendessen zu.

Andrej sah müde aus, die Schultern hingen, sein Blick huschte nervös umher.

— **Mama hat angerufen,** — sagte er leise, ohne sich überhaupt auszuziehen.

— **Hab ich mir gedacht,** — Polina rührte im Ragout, ohne sich umzudrehen.

— **Und was hat sie gesagt?**

**Dass ich eine Verschwenderin und Egoistin bin und sie eine heilige Märtyrerin mit abfallenden Fliesen?**

— **Pol, warum musst du so sein?** — Andrej ging in die Küche, setzte sich auf den Stuhl und rieb sich müde das Gesicht.

— **Sie ist einfach ein alter Mensch.**

**Sie hat ihre Vorstellungen.**

**Sie findet, ein Restaurant ist eine Laune.**

**Sie sagt, wir seien „sattgefressen“.**

— **Und was findest du?**

Andrej zögerte.

— **Ich finde, es ist dein Tag.**

**Aber… vielleicht war das mit dem Restaurant wirklich umsonst?**

**Mama ist beleidigt.**

**Sie sagt, wir füttern Fremde, und in der Familie ist kein Geld für Reparaturen.**

**Larissa hat auch angerufen und gesagt, du hättest ihre Mutter bis zum Bluthochdruck gebracht.**

Polina drehte sich scharf um, sodass der Pfannenwender am Rand der Pfanne klirrte.

— **Andrej, wir haben ein halbes Jahr auf dieses Fest gespart.**

**Ich verlange keinen Kopeken von ihnen.**

**Wir leben in einer Wohnung auf Kredit und zahlen selbst.**

**Warum soll ich meinen Traum wegen der Fliesen im Bad deiner Mutter absagen?**

**Sie gibt ihre Rente übrigens ausschließlich für Teleshopping und endlose Nahrungsergänzungsmittel aus.**

— **Na ja, sie ist doch Mama…** — murmelte Andrej wie gewohnt.

— **Eben.**

**Sie ist Mama und kein Inkassobüro.**

**Ich habe gesagt: Am Donnerstag empfange ich niemanden.**

**Wenn sie kommen, ist das ihre Entscheidung und ihr Problem.**

Der Donnerstag kam so unaufhaltsam wie Herbstregen.

Polina blieb absichtlich länger auf der Arbeit, trank noch einen Kaffee im Café, um so spät wie möglich nach Hause zu kommen.

Sie wollte glauben, dass die Schwiegermutter sie gehört hatte.

Sie betrat die Wohnung kurz nach acht.

Im Flur war es dunkel, aber sobald das Schloss klickte, hörte sie Stimmen aus dem Wohnzimmer.

Ihr Herz sackte irgendwohin in die Fersen.

Andrej kam in den Flur, lächelte schuldbewusst.

Und hinter ihm stand Galina Petrowna, strahlend wie ein blank polierter Samowar, in ihrem festlichen Glitzerkleid.

Daneben, an den Türrahmen gelehnt, kaute Larissa Kaugummi.

Ihr schlug ein scharfer, erstickender Geruch von „Krasnaja Moskwa“ entgegen, vermischt mit etwas Süßlichem.

— **Da ist ja das Geburtstagskind!** — verkündete Galina Petrowna laut und breitete die Arme aus, als wolle sie die ganze Welt umarmen oder zumindest die Schwiegertochter in einer Umklammerung ersticken.

— **Endlich bist du da!**

**Wir dachten schon, du übernachtest gleich auf der Arbeit.**

Polina blieb in der Tür stehen, ohne den Mantel auszuziehen.

In ihr stieg eine Welle kalter Raserei hoch.

— **Andrej,** — sagte sie eiskalt und sah ihren Mann an.

— **Ich habe dich doch gebeten.**

— **Pol, ich konnte sie doch nicht im Treppenhaus stehen lassen,** — flüsterte er und trat näher.

— **Sie sind vor einer Stunde gekommen.**

**Mama hat einen Kuchen mitgebracht… Waffelkuchen.**

— **Warum flüstert ihr?** — Larissa drängelte sich dreist nach vorn.

— **Alles Gute, sozusagen.**

Galina Petrowna reichte Polina feierlich eine raschelnde Tüte.

— **Hier, Tochter.**

**Von Herzen.**

**Nicht wie manche, wir kommen nicht mit leeren Händen.**

Polina nahm die Tüte automatisch.

Darin lag eine Dose billiger aromatisierter Lipton-Tee in einer Geschenk-Metalldose und ein Set Küchentücher mit Hähnen.

— **Danke,** — presste Polina hervor.

— **Kommt rein, wenn ihr schon da seid.**

**Aber wie ich gesagt habe: Einen Tisch wird es nicht geben.**

Galina Petrownas Gesicht wurde lang.

Sie tauschte einen Blick mit ihrer Tochter.

— **Wie bitte, es wird keinen geben?**

**Wir sind von der Arbeit hergefahren, wir sind hungrig!**

**Fütterst du deinen Mann nicht?**

**Andrjuscha, stell den Wasserkocher an, wenn deine Frau so… modern ist.**

Nach zehn Minuten saßen sie in der Küche.

Auf dem mit Wachstuch bedeckten Tisch standen armselig vier Tassen, ein Schälchen mit Kringeln, die Polina tief im Schrank gefunden hatte, und eine Geschenkpackung Pralinen, die ihr die Kollegen überreicht hatten.

Galina Petrowna betrachtete dieses Stillleben mit unverhohlenem Verachten.

— **Tja…** — zog sie hin, nahm eine Praline mit zwei Fingern, als wäre sie ansteckend.

— **Ein königlicher Empfang.**

**Wirklich.**

**Ich habe in deinem Alter Tische gedeckt, mir sind die Beine unter der Last der Speisen weggeknickt.**

**Sülze, Olivier-Salat, gebackenes Hähnchen, Kohlpasteten…**

**Und hier?**

**Kringel?**

**Willst du die Mutter veräppeln?**

— **Mama, ich habe dich gewarnt,** — antwortete Polina ruhig und trank einen Schluck Tee.

— **Ich feiere heute nicht.**

**Ich bin müde.**

**Am Samstag habe ich ein Bankett.**

— **Bankett!** — schnaubte Larissa mit vollem Mund.

— **Besser hättet ihr uns das Geld gegeben.**

**Bei mir brennt der Handykredit, und bei Mama kommt im Bad bald Schimmel.**

— **Larissa, fang nicht an,** — bat Andrej und zerbröselte nervös einen Kringel.

— **Wieso nicht anfangen?** — fuhr Galina Petrowna hoch.

— **Die Schwester sagt die Wahrheit!**

**Ihr lebt wie im Schlaraffenland, und die Verwandtschaft verarmt.**

**Du solltest dich schämen, Polina!**

**Du willst Fremde füttern, ihnen Kaviar vorsetzen, und die eigene Familie lässt du am Trockenbrot nagen?**

**Das ist Respektlosigkeit!**

**Das ist ein Spucke in die Seele!**

— **Das ist mein Geburtstag, Galina Petrowna,** — Polina stellte die Tasse mit einem lauten Klacken auf die Untertasse.

— **Und ich gebe mein selbst verdientes Geld so aus, wie ich es für richtig halte.**

**Wenn euch die Bewirtung nicht gefällt — tut mir leid, eine andere wird es nicht geben.**

Es entstand eine schwere Pause.

Man hörte nur, wie Larissa laut am Tee schlürfte.

— **Na gut,** — sagte die Schwiegermutter schließlich und presste die Lippen zusammen.

— **Wir verderben uns nicht die Stimmung.**

**Wenn die Gastgeberin uns nicht sehen will, bleiben wir nicht lange.**

**Komm, Larissa.**

**Offenbar gelten wir hier nicht als Menschen.**

Sie stand demonstrativ auf und streifte mit der Hüfte den Tisch.

— **Andrej, begleite uns.**

**Und denk über dein Verhalten nach.**

**Du bist ein Lappen geworden, kein Mann.**

**Deine Frau dreht dich, wie sie will.**

Als die Tür hinter den Gästen zufiel, ließ Polina den Kopf in die Hände sinken.

— **Hast du das gesehen?** — Andrej kam in die Küche zurück und wirkte völlig zerstört.

— **Die sind tödlich beleidigt.**

**Pol, hätte man nicht wenigstens Wurst schneiden können?**

— **Andrej, wenn ich Wurst geschnitten hätte, hätten sie Käse verlangt.**

**Dann Brot.**

**Dann etwas Warmes.**

**Das ist ein Spiel, das man nicht gewinnen kann,** — sagte Polina dumpf.

— **Vergiss es.**

**Leg deinen Anzug für Samstag bereit.**

Der Samstag war sonnig, frostig und klingend klar.

Polina wachte mit der festen Absicht auf, sich von niemandem die Laune verderben zu lassen.

Der Besuch im Schönheitssalon, Styling, professionelles Make-up — all das gab ihr das Gefühl von Festlichkeit zurück.

Im Spiegel sah sie nicht eine müde, gehetzte Arbeitsmähre, sondern eine beeindruckende junge Frau in einem smaragdgrünen Kleid, bereit zu strahlen.

Das Restaurant „Venezia“ empfing sie mit weichem Licht und leiser Musik.

Der Saal war genau so geschmückt, wie Polina es wollte: frische Blumen auf den Tischen, Kerzen, schöne Platzkarten.

Die Gäste begannen ab sechs einzutreffen.

Freunde, Kollegen, die Cousine mit ihrem Mann — alle waren schick, fröhlich, mit riesigen Sträußen.

Polina badete in Aufmerksamkeit, nahm Glückwünsche entgegen und fühlte sich absolut glücklich.

— **Du siehst umwerfend aus!** — schwärmte ihre Freundin Lena und reichte ihr einen Umschlag.

— **Danke, Liebes!**

**Kommt rein, der Sekt ist schon eingeschenkt!**

Gegen sieben saßen alle am Tisch.

Die Kellner brachten warme Vorspeisen.

Ein Trinkspruch folgte dem nächsten.

Andrej, nach ein paar Gläsern Wein etwas entspannter, hielt eine rührende Rede darüber, wie viel Glück er mit seiner Frau habe.

Und da flogen die Türen des Bankettsaals auf.

Auf der Schwelle standen Galina Petrowna und Larissa.

Die Schwiegermutter trug dasselbe Glitzerkleid, und Larissa hatte Jeans und einen ausgeleierten Pullover an, als ginge sie zum Brotkaufen und nicht zu einem Jubiläum.

Die Musik im Saal verstummte für einen Moment, der DJ drehte instinktiv leiser.

Polina erstarrte mit dem Glas in der Hand.

Sie hatte sie am Vortag nicht angerufen, in der Hoffnung, dass die Donnerstagskränkung sie zu Hause halten würde.

Wie sehr sie sich getäuscht hatte.

— **Na hallo, liebe Gäste!** — Galina Petrownas dröhnende Stimme rollte durch den Saal und übertönte die Hintergrundmusik.

— **Nicht erwartet?**

**Aber wir sind da!**

**Die Verwandtschaft habt ihr ja vergessen einzuladen, also mussten wir den Weg selbst finden!**

Andrej wurde bleich und sprang auf.

— **Mama?**

**Ihr… ihr habt doch gesagt, ihr kommt nicht.**

— **Was ich gesagt habe, ist doch egal!** — Galina Petrowna marschierte selbstbewusst zum Tisch und drängte sich an Kellnern vorbei.

— **Die Schwiegertochter hat Jubiläum, und wir sollen zu Hause sitzen?**

**Rückt mal!**

Sie und Larissa quetschten sich dreist zwischen Polinas Freunde, sodass diese die Stühle zusammenschieben mussten.

— **Und wo ist das Besteck?** — fragte Larissa laut und schnappte sich eine fremde Serviette vom Tisch.

— **He, du da!** — rief sie einem vorbeihastenden Kellner zu.

— **Bring Teller!**

**Und Gabeln!**

Polina spürte, wie ihr ein Kloß in den Hals stieg.

Sie sah die verwirrten Blicke ihrer Freunde, sah, wie die Kollegen tuschelten.

Das Fest platzte aus den Nähten.

— **Galina Petrowna,** — sagte Polina leise und versuchte, das Gesicht zu wahren.

— **Wir freuen uns.**

**Setzen Sie sich.**

— **Freuen sie sich, ja klar,** — brummte die Schwiegermutter und häufte sich einen vollen Teller Caesar-Salat auf.

— **Wenn ihr euch freuen würdet, hättet ihr ein Auto geschickt.**

**Stattdessen haben wir uns in der Marschrutka durchgeschüttelt.**

**Na, was habt ihr hier?**

Sie schob sich eine Gabel Salat in den Mund, kaute genüsslich und verzog das Gesicht, als hätte sie in eine Zitrone gebissen.

— **Pfui!**

**Irgendwelche Holzcroutons.**

**Da kann man sich die Zähne dran ausbeißen.**

**Und die Soße ist sauer.**

**Andrej, isst du das?** — sie drehte sich zu ihrem Sohn, der mit einem Freund sprach.

— **Sohn, die vergiften dich hier!**

— **Mama, bitte,** — flehte Andrej.

— **Der Salat ist normal.**

— **Normal?** — Galina Petrowna hob die Stimme, sodass es alle am Tisch hörten.

— **Das ist doch Abfall!**

**Wenn ich Caesar mache — dann mit hausgemachter Mayonnaise, Knoblauch, schön fettigem Hähnchen.**

**Und hier — nur Gras.**

**Haben wohl an den Gästen gespart.**

**Restaurant, na klar!**

Larissa nickte eifrig und stocherte in der Fleischplatte.

— **Ja, der Schinken ist angetrocknet.**

**Und der Käse ist billig.**

**Polinka, die haben dich abgezogen wie eine Anfängerin.**

**Kassieren viel und füttern mit Resten.**

Die Gäste verstummten.

Die Spannung in der Luft war so dicht, dass man sie mit einem Messer schneiden konnte.

Die Freundin Lena versuchte zu retten, was zu retten war.

— **Mir schmeckt der Fisch sehr, er ist wunderbar zubereitet!**

**Polina, der Koch hat goldene Hände.**

— **Fisch?** — Galina Petrowna schaltete sofort um.

— **Der stinkt nach Algen!**

**Ich hab’s gleich gerochen, als ich reinkam.**

**Vergammeltes Zeug, mit Zitrone überdeckt und serviert.**

**Ihr werdet euch alle vergiften und im Krankenhaus landen.**

**Ich hab doch gesagt: Man feiert zu Hause!**

**Ich hätte für die Hälfte des Geldes so einen Tisch gedeckt, dass sich alle die Finger geleckt hätten.**

**Aber unsere Schwiegertochter ist faul.**

**Hauptsache, vor Leuten angeben, Staub in die Augen streuen.**

**Und dass die Mutter in Armut lebt — das ist ihr egal.**

Polina spürte, wie in ihr die letzte Saite der Geduld riss.

Sie stand langsam auf.

Ihre Hände zitterten nicht.

In ihrem Kopf war kristallklare Ruhe.

Sie beugte sich zu ihrem Mann und flüsterte ihm ins Ohr — aber so, dass in der eingetretenen Stille auch die Nachbarn am Tisch es hörten:

— **Andrej.**

**Entweder sie gehen jetzt sofort, oder ich gehe.**

**Und wenn ich gehe, komme ich nicht mehr nach Hause zurück.**

**Entscheide dich.**

Andrej sah seine Frau an.

In ihren Augen waren keine Tränen, keine Hysterie.

Nur kalte Entschlossenheit.

Er blickte zu seiner Mutter, die bereits über den Tisch nach der Flasche teuren Cognacs griff und nebenbei die O-Beine eines Mädchens kommentierte, das gegenüber saß.

In Andrej klickte etwas ein.

Vielleicht zum ersten Mal in seinen dreißig Jahren.

Er stand auf, ging um den Tisch herum und trat zu seiner Mutter.

Er packte sie am Ellenbogen.

Hart.

— **Mama, steh auf.**

**Ihr geht.**

Galina Petrowna verschluckte sich am Cognac.

— **Was?**

**Bist du verrückt geworden?**

**Wir sind doch gerade erst gekommen!**

— **Ihr seid gekommen, um das Fest zu ruinieren.**

**Das ist euch gelungen.**

**Und jetzt — raus.**

— **Du schmeißt deine Mutter raus?!** — kreischte sie und sprang auf.

Der Stuhl krachte zu Boden.

— **Leute, schaut euch das an!**

**Diese Schlange hat den eigenen Sohn gegen die Mutter aufgehetzt!**

**Ich hab ihn großgezogen, Nächte nicht geschlafen, und er jagt mich wie einen Hund!**

— **Mama, fahrt nach Hause!** — brüllte Andrej so laut, dass die Gläser klirrten.

— **Das ist das Fest meiner Frau!**

**Nicht deins, nicht Larissas, sondern Polinas!**

**Ich lasse nicht zu, dass ihr sie erniedrigt.**

**Raus!**

Galina Petrowna erstarrte und schnappte nach Luft.

Ihr Gesicht bekam rote Flecken.

— **Ach so…** — zischte sie.

— **Dann bleibt doch mit eurem gammeligen Fisch!**

**Keinen Fuß setze ich mehr in euer Haus!**

**Ich verfluche euch!**

Sie schoss zu einem kleinen Tisch, auf dem die Geschenke und Umschläge mit Geld lagen.

Polina konnte nicht einmal reagieren.

— **Das ist meine moralische Entschädigung!** — schrie die Schwiegermutter und stopfte eine Handvoll Umschläge in ihre bodenlose Tasche.

— **Für die Reparatur!**

**Wenigstens irgendeinen Nutzen hat eure Sauferei!**

— **Legen Sie das zurück!** — rief Polina und machte einen Schritt nach vorn.

— **Kannst du vergessen!** — bellte Larissa und stellte sich mit dem Körper vor ihre Mutter.

— **Verdient es euch selbst, ihr Reichen!**

**Komm, Mama!**

Sie stürmten aus dem Saal, schneller als irgendwer begreifen konnte, was passiert war.

Die schwere Tür knallte zu und ließ nur den Nachhall von „Krasnaja Moskwa“ und schockierte Stille zurück.

Zehn Sekunden lang herrschte im Saal Totenstille.

Alle verdauten das Gesehene.

Andrej stand mitten im Saal, den Kopf gesenkt.

Seine Fäuste waren so fest geballt, dass die Knöchel weiß wurden.

Langsam drehte er sich zu den Gästen, dann zu seiner Frau.

In seinen Augen standen Tränen der Scham.

— **Verzeiht…** — seine Stimme brach.

— **Verzeiht uns, Freunde.**

**Polina… vergib mir.**

**Ich hätte das nicht zulassen dürfen.**

**Ich gebe alles bis auf den letzten Cent zurück, ich verspreche es.**

Er sah so unglücklich und verloren aus, dass sich Polinas Herz zusammenzog.

Der Zorn wich und machte Platz für Mitleid und… Erleichterung.

Endlich war dieser Abszess aufgebrochen.

Jemand von den Freunden begann zu klatschen.

Erst unsicher, dann lauter.

— **Andrjucha, du bist ein Mann!** — rief der Mann der Cousine.

— **Genau richtig!**

— **Scheiß auf das Geld!** — unterstützte Lena und hob ihr Glas.

— **Hauptsache, wir sind hier!**

**Polina, auf dich!**

**Alle toxischen Menschen sollen in der Vergangenheit bleiben, und in deine dreißig gehst du frei hinein!**

— **Musik!** — kommandierte jemand.

Der DJ, endlich wieder bei Sinnen, legte einen fetzigen Hit auf.

Andrej ging zu Polina und umarmte sie fest, das Gesicht an ihrem Hals.

— **Ich liebe dich,** — flüsterte er.

— **Und morgen wechseln wir die Schlösser.**

Polina umarmte ihn zurück und spürte, wie die Spannung der letzten Tage abfiel.

Ja, die Umschläge waren weg.

Ja, der Skandal war schrecklich.

Aber sie fühlte, dass sie das wichtigste Geschenk bekommen hatte — einen Mann, der endlich sie gewählt hatte.

— **Einschenken,** — lächelte sie und wischte eine zufällige Träne weg.

— **Die Feier geht weiter!**

Ende