Teil 1. Ungebetene Gäste und der Geruch von Staub.
Der Schlüssel drehte sich nur schwer im Schloss, als würde der Mechanismus sich wehren und die Hausherrin nicht in ihre eigene Festung lassen wollen.

Lidia runzelte die Stirn.
Der Riegel lief sonst immer weich wie geschmiert.
Sie drückte die schwere Tür, mit hellem Furnier verkleidet, auf und blieb wie erstarrt auf der Schwelle stehen.
Statt der gewohnten Frische und des leichten Lavendeldufts, den sie so liebte, schlug ihr ein dichter, abgestandener Geruch alter Sachen, Mottenkugeln und etwas Säuerliches entgegen, das an sauer gewordene Kohlsuppe erinnerte.
Im großzügigen Flur, in dem noch am Morgen perfekter Minimalismus geherrscht hatte, stapelten sich Kartons.
Mit rostbraunem Klebeband zugeklebt, wirkten sie wie hässliche Wucherungen am Körper dieser eleganten Wohnung.
— Boris, wohin stellst du diese Kiste denn?
Hier wird die Frisierkommode stehen! — ertönte aus dem Wohnzimmer eine herrische Frauenstimme.
Lidia machte einen Schritt nach vorn und umklammerte ihre Handtasche so fest, dass das Leder knarrte.
Sie erkannte diese Stimme.
Alla Sergejewna, die Mutter ihres Verlobten Fjodor.
Aber was machte sie hier?
Und woher hatte sie Schlüssel?
Lidia ging ins Wohnzimmer.
Das Bild, das sich ihr bot, hätte als Illustration zum Begriff „Barbarei“ dienen können.
Mitten im Zimmer, auf ihrem Lieblings-Teppich aus Handarbeit, stand Alla Sergejewna.
Die Frau kommandierte geschäftig einen schwerfälligen Mann — Boris Ignatjewitsch, Fjodors Vater.
Er wuchtete schnaufend einen Stapel mit Bindfaden verschnürter Bände der „Sowjetischen Enzyklopädie“ auf den glänzenden Couchtisch.
— Was passiert hier? — Lidias Stimme klang laut, aber irgendwie flach, und hallte von den Wänden zurück, die sich vor Entsetzen zusammenzuziehen schienen.
Alla Sergejewna drehte sich um.
Auf ihrem Gesicht huschte nicht der kleinste Hauch von Verlegenheit, kein Ansatz von Unbehagen.
Im Gegenteil: Sie breitete ein gönnerhaftes Lächeln aus, als wäre sie die Hausherrin, die eine nachlässige Zimmermädchen begrüßt.
— Oh, Lidotschka!
Wir haben dich ein bisschen später erwartet.
Aber macht nichts, komm rein, sei nicht schüchtern.
Wir sind hier mit dem Sortieren fast fertig, — sie winkte in Richtung des offenen Schiebeschranks, aus dem Lidias Kleider in einem Haufen herausgeworfen waren.
— Sortieren? — wiederholte Lidia, während sie spürte, wie eine eisige Nadel der Angst irgendwo unter den Rippen stach.
— Warum habt ihr meine Sachen herausgeholt?
Woher habt ihr die Schlüssel?
Boris Ignatjewitsch wischte sich mit einem karierten Taschentuch die Stirn und brummte gutmütig:
— Warum machst du so ein Theater, Tochter?
Fjodja hat die Schlüssel gegeben, damit wir ein Duplikat machen.
Wir wollten euch eine Überraschung machen.
Beim Umzug helfen.
— Bei welchem Umzug denn? — Lidia trat einen Schritt zu ihrem Schrank und starrte auf die Sachen, die wie Lumpen auf einem Flohmarkt herumlagen.
— Bei welchem wohl? — Alla Sergejewna schlug die Hände zusammen, als erkläre sie einem kleinen Kind etwas Offensichtliches.
— Wir haben uns mit dem Vater beraten und entschieden, dass es sich für eine junge Familie nicht gehört, das Leben mit so einem… Luxus zu beginnen.
Drei Zimmer!
Wie viel Putzen das ist, wie viel Nebenkosten.
Und wir Alten brauchen Ruhe, Platz.
Also haben wir beschlossen: Wir ziehen hierher, und du und Fjodor — in unsere Zweizimmerwohnung.
Die ist gemütlich, eingewohnt.
Dort wird es euch besser gehen.
Lidia blinzelte.
Einmal, noch einmal.
Der Sinn der Worte drang langsam zu ihr durch, als müsste er sich durch Watte kämpfen.
Sie haben entschieden.
Sie packen bereits ihre Sachen.
In ihrer Wohnung.
In der Wohnung, die ihre Eltern ihr geschenkt hatten, nachdem sie jahrelang im Norden gearbeitet hatten, um ihrer einzigen Tochter eine würdige Zukunft zu sichern.
— Ihr… ihr macht Witze? — presste sie hervor.
— Was für Witze, Liebes? — Alla Sergejewna trat näher und, nachdem sie Lidia rücksichtslos mit der Schulter zur Seite geschoben hatte, nahm sie vom Tisch eine Kristallvase.
— Das Stück passt nicht zu uns, zu modern.
Boris, pack sie in die Kiste „Für die Datscha“.
Und Lidotschka packen wir das Service mit den Gänsen ein, das passt in die „Zweizimmerwohnung“ ausgezeichnet.
Das war kein Traum.
Das war eine dreiste, hoffnungslose Invasion, die einem den Atem raubte.
Teil 2. Ein Reich der Absurdität und der Gier.
Lidia sah zu, wie die Schwiegermutter ihre Lieblingsvase, die sie aus Italien mitgebracht hatte, in grobes graues Papier wickelte.
Alla Sergejewnas Bewegungen waren sicher, besitzergreifend.
In Gedanken hatte sie hier bereits ihre Möbel hingestellt, ihre Vorhänge aufgehängt und Lidias Geist aus diesen Wänden ausgetrieben.
— Halt! — Lidia trat an den Tisch und legte ihre Hand auf die Hand der Frau.
— SOFORT alles wieder zurück an seinen Platz.
Alla Sergejewna hob überrascht die Augenbrauen, ließ die Vase aber nicht los.
— Was ist denn los, Kindchen?
Nerven vor der Hochzeit?
Versteh ich.
Aber mach dir keine Sorgen, wir erledigen das alles.
Ihr müsst mit Fjedja nur noch eure Koffer abholen.
Die Schlüssel zu unserer Wohnung habe ich auf dem Schränkchen liegen lassen.
Da tropft zwar der Wasserhahn im Bad, aber Fjodor hat goldene Hände, er repariert das.
— Ich ziehe nicht in eure Wohnung, — sagte Lidia klar und trennte jedes Wort.
— Das ist mein Eigentum.
Ihr habt kein Recht, ohne meine Erlaubnis hier zu sein.
Geht.
Boris Ignatjewitsch, der bis dahin an einer Kiste herumgewühlt hatte, richtete sich auf.
Sein gutmütiges Gesicht bekam plötzlich den Ausdruck eines beleidigten Gutsherrn.
— So redest du mit der Mutter? — knurrte er.
— Wir bemühen uns doch für euch.
Wir haben mehr Lebenserfahrung.
Für Junge ist es gut, klein anzufangen, um das Erarbeitete schätzen zu lernen.
Und wir haben unser Teil getan, wir brauchen Komfort.
Drei Zimmer, zwei Bäder — genau das Richtige für uns.
Ich habe schlechte Beine, ich brauche Platz zum Gehen.
Und dort, im Chruschtschow-Bau, ist der Flur eng.
— Das ist kein Grund, mir mein Zuhause wegzunehmen! — Lidia spürte, wie sich in ihr eine straffe Feder aufzurollen begann.
— „Wegnehmen“ — was für ein hässliches Wort! — verzog Alla Sergejewna das Gesicht.
— Wir tauschen.
Ein Verwandtschaftstausch.
Und überhaupt, du kommst in unsere Familie.
Bei uns ist alles gemeinsam.
Fjodor hat zugestimmt, dass das so gerecht ist.
— Fjodor… hat zugestimmt? — Lidia erstarrte.
Die Welt um sie herum schwankte.
Fjodor, ihr sanfter, kultivierter Fjodor, der sich nicht einmal traute, einen Kellner im Café zu kränken, hatte dem Wahnsinn zugestimmt?
— Natürlich! — erklärte Alla Sergejewna triumphierend.
— Er ist ein Sohn, er versteht die Pflicht gegenüber den Eltern.
Wir haben ihn großgezogen, ernährt, ihm eine Ausbildung ermöglicht.
Jetzt ist er dran, sich um uns zu kümmern.
Und du, Lida, musst verstehen: Die Frau fürchte ihren Mann und ehre seine Eltern.
Also hör auf zu hysterisieren und hilf mir, das Service einzupacken.
Sie wollte die Vase wieder nehmen, doch Lidia riss sie an sich.
Das Glas klirrte.
— Ich habe gesagt: NEIN.
Ihr packt jetzt eure Kisten und geht.
Oder ich rufe… — sie brach ab, weil sie nicht mit den Behörden zu tun haben wollte.
— Oder ich setze euch einfach mit Gewalt hinaus.
— Mit Gewalt?
Du?
Uns? — Boris Ignatjewitsch lachte.
Das Lachen war unangenehm, gurgelnd.
— Mach dich nicht lächerlich, Mädchen.
Wir haben schon Sachen hergebracht.
Einen Teil.
In unsere Wohnung ist schon ein Makler gekommen, wir werden sie vermieten, damit wir mehr Rente haben.
Oh, also… na, du verstehst schon.
Wohnen werdet ihr dort, aber die Nebenkosten zahlt ihr natürlich selbst.
Lidia sah diese Menschen an und sah keine zukünftigen Verwandten, sondern außerirdische Besatzer.
Die Gier in ihren Augen brannte heller als der Kronleuchter an der Decke.
Sie wollten nicht nur die Wohnung.
Sie wollten sie demütigen, ihr ihren Platz zeigen, sie in eine gehorsame Dienerin ihrer Launen verwandeln.
— Ihr verkauft die Wohnung? — begriff Lidia.
— Und? — fauchte Alla Sergejewna.
— Wir brauchen Geld.
Behandlungen sind heutzutage teuer.
Und euch Jungen würde auch eine Mietwohnung reichen, wenn wir ehrlich sind.
Aber wir sind ja gut, wir lassen euch in unserem Stammnest wohnen.
Vorläufig.
Und du, Undankbare, machst auch noch den Mund auf.
Teil 3. Der Aufstand des Feuers.
Im Flur knallte die Tür.
Lidia erkannte diese Schritte — schnell, leicht.
Fjodor.
Er kam mit einem Strauß weißer Lilien ins Zimmer, lächelte — und blieb beim Anblick der Kartons und seiner Eltern wie angewurzelt stehen.
Das Lächeln rutschte ihm aus dem Gesicht und wurde zu völliger Ratlosigkeit.
— Mama?
Papa?
Was macht ihr denn hier? — fragte er.
— Du bist da, Sohnchen! — Alla Sergejewna stürzte zu ihm, ignorierte Lidia.
— Wir helfen Lidotschka beim Packen.
Sie ist ein bisschen nervös, nicht sie selbst, schreit uns an.
Beruhig sie.
Sag ihr, dass wir das richtig ausgedacht haben.
Fjodor sah zu Lidia.
Sie stand beim Tisch, blass, mit brennenden Augen, und hielt die Vase so fest, als würde das Glas gleich springen.
— Was habt ihr ausgedacht? — fragte Fjodor leise.
— Den Umzug, Fjedjenka! — mischte sich Boris Ignatjewitsch ein.
— Wir hierher, ihr zu uns.
So wie wir es besprochen haben.
— Das haben wir nicht besprochen, — Fjodors Stimme wurde fester.
— Ich habe euch gesagt, dass das Unsinn ist.
Ich habe „nein“ gesagt.
— Ach, was du alles gesagt hast! — winkte Alla Sergejewna ab.
— Du bist jung und dumm, du kennst das Leben nicht.
Die Mutter weiß besser, wie es sein muss.
Wir haben schon angefangen, Sachen zu bringen.
Sie drehte sich zu Lidia und sagte nachdrücklich:
— Lida, stell die Vase hin.
Blamier dich nicht vor deinem Mann.
Sei eine weise Frau.
Und da riss in Lidia etwas.
Eine dunkle, heiße Welle, die Erziehung und Anstand lange zurückgehalten hatten, brach heraus.
Das war nicht die Fügsamkeit, die die „Alten“ erwarteten.
Das war reine, ungefilterte Wut.
Lidia sah auf die Vase in ihren Händen.
Italienisches Glas.
Ein Geschenk ihrer Eltern.
Ein Symbol ihres früheren, ruhigen Lebens.
— Weise? — fragte sie nach, und ihre Stimme vibrierte vor Spannung.
— Ihr wollt, dass ich weise bin?
Sie hob die Vase hoch über den Kopf.
— Lida? — piepste Fjodor erschrocken.
— IHR WOLLT MEINE WOHNUNG? — brüllte sie so, dass im Schrank die Gläser klirrten.
— Verdammte Scheiße! — knurrte der Schwiegervater.
Aber Lidia hörte nicht auf.
Sie sprang zu der Kiste, die Alla Sergejewna gerade packte, und kippte sie um.
Teller, Tassen, Untertassen flogen auf den Boden.
Der Lärm war unvorstellbar.
— RAUS HIER! — schrie sie und riss einen Stapel Bücher vom Tisch, um ihn den ungebetenen Gästen entgegenzuschleudern.
— VERSCHWINDET SOFORT!
ICH WERDE DIESE SCHWEINEREI NICHT ERTRAGEN!
— Du bist verrückt! — kreischte Alla Sergejewna und wich zur Tür zurück.
— Fjodor, ruf die Sanitäter!
Sie ist doch rasend!
— Ich mache hier alles kaputt, wenn ihr nicht in einer Minute verschwunden seid! — Lidias Gesicht war vor Zorn verzerrt, die Haare zerzaust, sie sah aus wie eine Göttin der Vergeltung.
— RAUS!
Alla Sergejewna, die Schwiegertöchter nur als stumme Schatten kannte, fiel in eine Schockstarre.
Sie hatte Tränen erwartet, Bitten, leises Jammern.
Aber nicht das.
Nicht Gegenstände, die auf Köpfe flogen, nicht diesen wilden, urtümlichen Widerstand.
— Fjodor, mach irgendwas! — flehte der Vater und hielt sich einen Kartondeckel wie einen Schild vor.
Teil 4. Erkenntnis und Vertreibung.
Fjodor stand mitten im Chaos.
Er sah seine Verlobte, die Donner und Blitze schleuderte, und seine Eltern, die sich in die Ecke duckten.
Zum ersten Mal sah er sie so: nicht als erhabene Patriarchen, sondern als kleine, verängstigte Diebe, die man auf frischer Tat ertappt hatte.
Er sah Lidia an.
In ihrer Wut lag so viel Kraft, so viel Recht, dass seine eigene Unentschlossenheit in diesem Feuer verbrannte.
Sie verteidigte ihr Zuhause.
Sie schützte ihn vor seiner eigenen Schwäche.
Er ging zur Mutter, die hinter dem Rücken des Vaters Schutz suchte.
— Mama, — sagte er.
Seine Stimme zitterte nicht.
Sie klang dumpf und hart, wie ein Hammerschlag.
— Leg die Schlüssel auf den Tisch.
— Fjodor?
Du lässt zu, dass sie… — begann Alla Sergejewna.
— DIE SCHLÜSSEL! — brüllte Fjodor so, dass die Mutter zusammenzuckte.
Er riss ihr den Schlüsselbund zur Wohnung von Lidia aus der Hand.
Dann ging er zum Vater, schnappte sich die Kiste mit Lidias Sachen und schüttete den Inhalt direkt auf das Sofa.
Die leere Kiste warf er den Eltern vor die Füße.
— Packt ein, — befahl er.
— Was sollen wir einpacken? — verstand Boris Ignatjewitsch nicht.
— Euren Mist.
Eure Klamotten, eure Gläser, eure verrückten Ideen.
Ihr habt fünf Minuten.
Wenn ihr in fünf Minuten noch hier seid, schmeiße ich euch die Treppe runter.
Und es ist mir egal, dass ihr meine Eltern seid.
Ihr habt mich verraten.
Ihr habt meine Frau gedemütigt.
— Wie wagst du es! — heulte die Mutter.
— Wir für dich…
— Für mich? — Fjodor lächelte bitter.
— Für euch.
Immer nur für euch.
Ihr dachtet, ich schweige?
Ihr dachtet, Lida beugt sich?
Ihr habt euch geirrt.
RAUS HIER.
Lidia sank schwer atmend in den Sessel.
In der Hand hielt sie immer noch ein bronzenes Pferd, bereit für den nächsten Wurf.
Aber das war nicht nötig.
Als sie die Entschlossenheit des Sohnes sahen, die fast an Hass grenzte, begriffen die Eltern: Das Spiel ist vorbei.
Fluchend, Lidia eine „Hexe“ nennend und den Sohn einen „Pantoffelhelden“, griffen sie nach ihren Taschen.
— Wir verfluchen euch! — schrie Alla Sergejewna schon aus dem Flur.
— Kein Fuß setzt je wieder hierher!
— Ausgezeichnete Idee! — rief Fjodor ihnen hinterher und knallte die Tür mit aller Kraft zu.
Teil 5. Das Echo zerbrochener Hoffnungen.
Drei Monate vergingen.
In Lidias und Fjodors Wohnung herrschte perfekte Ordnung.
Sie heirateten still, ohne Pomp, und gaben das Geld, das sie für die Hochzeit zurückgelegt hatten, für eine Reise und den Austausch der Schlösser aus.
Lidia saß am Zeichentisch und arbeitete an einem Restaurationsprojekt für ein altes Herrenhaus.
Fjodor kochte Abendessen.
Der Duft von gebackenem Fisch erfüllte die Küche.
Ein Telefonklingeln zerriss die gemütliche Stille.
Fjodor sah aufs Display, sein Gesicht verdüsterte sich, und er drückte den Anruf weg.
— Schon wieder sie? — fragte Lidia, ohne vom Plan aufzusehen.
— Ja, — antwortete ihr Mann kurz.
Die Geschichte mit dem „Tausch“ bekam für die Eltern eine unerwartete und tragische Fortsetzung.
In ihrer Gier und der Gewissheit, dass alles klappen würde, hatten Alla Sergejewna und Boris Ignatjewitsch tatsächlich begonnen, ihre alte Wohnung zu veräußern.
Aber nicht durch Verkauf.
Sie, überzeugt davon, dass sie für immer bei der „reichen“ Schwiegertochter einziehen würden, unterschrieben einen Tauschvertrag mit Zuzahlung bei einem windigen Makler.
Sie wollten eine große Summe Bargeld bekommen und in Lidias Wohnung „schön leben“.
Ihre Wohnung gaben sie im Austausch für ein winziges Studio in einem unfertigen Neubau her und erhielten dafür einen dicken Stapel Scheine.
Der Plan war simpel: Sie würden bei Lidia wohnen, und das Studio (wenn es fertig gebaut wäre) vermieten oder verkaufen.
Das Geld wollten sie für Kuren und Taxis ausgeben.
Doch als Fjodor sie hinauswarf und sie in ihre „gemütliche Zweizimmerwohnung“ zurückkehrten, stellte sich heraus, dass sie ihnen rechtlich bereits nicht mehr gehörte.
Die Frist für den Auszug näherte sich.
Die neuen Eigentümer — ernste Menschen, die nicht zu Sentimentalität neigten — baten höflich, aber bestimmt, die Wohnung zu räumen.
Das Geld aus dem Deal hatten die „effektiven Manager“ des Familienbudgets schon in ein Schneeballsystem gesteckt, das 300 % Rendite im Jahr versprach, weil sie das Kapital vor dem „neuen Leben“ vermehren wollten.
Das System brach eine Woche nach ihrer Einzahlung zusammen.
Jetzt lebten Fjodors Eltern in einer gemieteten Datscha ohne Heizung bei einer entfernten Verwandten, die sie nur aus Mitleid duldete — und auch nur vorübergehend.
— Was wollten sie? — fragte Lidia und legte den Bleistift weg.
— Geld.
Und sie bitten, bei uns wohnen zu dürfen.
Sie sagen, im Datschenhaus sei das Dach undicht, — Fjodor rührte den Salat um.
— Und was denkst du?
Fjodor drehte sich zu seiner Frau um.
In seinen Augen lag kein Mitleid, nur die Entschlossenheit eines Menschen, der einmal Gangrän abgeschnitten hat, um zu überleben.
— Ich denke, jeder bekommt, was er verdient.
Sie wollten uns das Zuhause wegnehmen.
Jetzt haben sie ihres nicht mehr.
Lidia trat zu ihrem Mann und umarmte ihn von hinten.
Sie erinnerte sich an jenen Tag, an ihre Wut.
Genau damals, inmitten von Hysterie und Chaos, wurden sie zu einer echten Familie.
Nicht Unterwerfung hatte sie gerettet, sondern die Zähne, die sie gezeigt hatten.
— Du hast recht, — sagte sie.
— Sollen sie lernen, von der Rente zu leben.
Am Ende wollten sie doch „klein anfangen, um das Erarbeitete zu schätzen“.
Ihr Traum ist wahr geworden.
Irgendwo weit weg, in einer kalten Datschensiedlung, versuchte Alla Sergejewna, feuchtes Holz im Ofen anzuzünden, und verfluchte die Schwiegertochter, den Sohn und die ganze Welt, ohne zu begreifen, dass sie selbst das Streichholz in dieses Feuer ihres Unglücks geworfen hatte.
Ende.







