— Deine Schwester hat sich eine Wohnung gekauft, und was hast du getan? — fragte die Mutter nach den zahlreichen Geschenken.

Stepan stellte die letzte Schachtel auf den Tisch und richtete sich auf.

Er hatte Parfüm in einer französischen Boutique gekauft, ein italienisches Seidentuch, einen Gutschein für Spa-Behandlungen in einem exklusiven Salon.

Den Geburtstag seiner Mutter hatte er im Voraus vorbereitet, drei Monate lang Geld zurückgelegt und jeden Artikel mit besonderer Sorgfalt ausgewählt.

— Mama, hat es dir gefallen? — fragte er und wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn.

Walentina Sergejewna saß im Sessel und ging die Geschenke mit einem teilnahmslosen Blick durch.

Ihre Lippen waren zu einer dünnen Linie des Missfallens zusammengepresst.

— Parfüm… ein Tuch… — sie legte die Schachteln angewidert zur Seite.

— Und deine Schwester hat eine WOHNUNG gekauft.

Eine Dreizimmerwohnung.

In einem Neubau.

Stepan erstarrte.

Sein Hals war sofort trocken.

— Mama, aber das ist doch…

— WAS soll das heißen — „das ist doch“? — Walentina Sergejewna stand aus dem Sessel auf, ihre Stimme wurde scharf, durchdringend.

— Ist das der Versuch, dich mit billigen Geschenken freizukaufen?

Kira hat in Immobilien INVESTIERT.

Und du?

Zweiunddreißig Jahre alt, und du wohnst in einer gemieteten Einzimmerwohnung!

— Mama, ich habe es dir doch erklärt.

Ich habe gerade eine schwierige Phase auf der Arbeit, das Gehalt wurde gekürzt…

— GENUG mit den Ausreden! — die Mutter winkte ab, als würde sie seine Worte wegjagen.

— Kira ist vier Jahre jünger als du und hat sich schon ihre Zukunft gesichert.

Sie ist eine SCHLAUE.

Und du… du bist die Schande der Familie!

Stepan stand mitten im Wohnzimmer und spürte, wie sich jedes Wort der Mutter wie spitze Nadeln in ihn bohrte.

Er erinnerte sich daran, wie die Mutter ihn schon in der Kindheit genauso mit Kira verglichen hatte — sie lernte besser, war gehorsamer, schöner, glücklicher.

— Ich habe mich bemüht.

Wirklich, ich habe versucht, etwas auszuwählen, das dir gefallen würde…

— Bemüht? — Walentina Sergejewna lachte böse und laut.

— Deine Bemühungen braucht niemand!

Das Ergebnis zählt, nicht die Bemühungen!

Sieh dich an — ein Versager, der nicht einmal seiner Mutter ein würdiges Geschenk machen kann!

In diesem Moment kam Kira ins Zimmer.

Groß, schlank, in einem teuren Anzug.

Sie blickte auf die verstreuten Geschenke und auf den Bruder, der mit hängenden Schultern dastand.

— Vergleichst du uns schon wieder, Mama? — fragte sie ruhig und zog den Mantel aus.

— Was gibt es da zu vergleichen? — Walentina Sergejewna trat zu ihrer Tochter und umarmte sie.

— Du bist mein Stolz.

Erfolgreich, selbstständig.

Und er… — sie nickte in Richtung Stepan.

— Zweiunddreißig Jahre alt, ein Mann, und kriegt es immer noch nicht auf die Reihe, auf die Beine zu kommen.

— Mama, vielleicht reicht es? — Kira löste sich sanft aus der Umarmung.

— Stepan ist ein guter Bruder.

Er ist fürsorglich, freundlich…

— Freundlich? — die Mutter schnaubte.

— Von Freundlichkeit kauft man keine Wohnung!

Von Fürsorge ernährt man keine Kinder!

Wann wird er endlich eine Familie haben?

Enkelkinder?

Oder wird er sein ganzes Leben lang von der Hand in den Mund leben?

Stepan schwieg.

Im Laufe der Jahre hatte er gelernt, die mütterlichen Tiraden einfach auszusitzen — nicht zu antworten, sich nicht zu rechtfertigen.

Es war sowieso nutzlos.

— Weißt du, Mama, — sagte Kira plötzlich, — Stepan hat eigentlich recht.

— Worin soll er denn RECHT haben? — Walentina Sergejewna drehte sich zur Tochter um.

— Darin, dass Geld nicht das Wichtigste ist.

Er ist zu dir gekommen, hat Geschenke gebracht, vermutlich die Hälfte seines Gehalts dafür ausgegeben.

Und du…

— Und ich WAS? — die Augen der Mutter verengten sich.

— Bist du auch gegen mich?

Ich habe mein ganzes Leben für euch geopfert, und ihr…

— NIEMAND ist gegen dich, Mama, — Kira hob beschwichtigend die Hände.

— Hör einfach auf, Stepan zu demütigen.

Er ist dein Sohn.

— Sohn? SOHN? — Walentina Sergejewna wurde vor Wut rot.

— Ein richtiger Sohn hätte seine Mutter im Alter abgesichert!

Ein richtiger Sohn hätte im Leben etwas erreicht!

Und dieser… — sie zeigte mit dem Finger auf Stepan, — dieser ewige Versager kann nur jämmerliche Geschenkchen anschleppen!

— Mama, hör auf, — Kiras Stimme wurde fester.

— Du überschreitest Grenzen.

— Ich? ICH überschreite Grenzen? — die Mutter griff sich mit einer theatralischen Bewegung ans Herz.

— Ich habe euch großgezogen, ausgebildet, alles für euch getan!

Und jetzt soll es heißen, ich hätte kein Recht, die Wahrheit zu sagen?

— Welche Wahrheit, Mama? — Stepan sprach endlich.

— Dass ich ein Versager bin?

Dass ich die Schande der Familie bin?

Das höre ich, seit ich zehn bin.

— Und RICHTIG so!

Vielleicht kommt es endlich an! — Walentina Sergejewna trat ganz nah an ihn heran.

— Sieh dir deine Schwester an — das ist ein Vorbild!

Und du?

Was hast du erreicht?

WO sind deine Erfolge?

— Meine Erfolge… — Stepan verzog den Mund zu einem bitteren Lächeln.

— Zählt es nicht, dass ich dir all die Jahre geholfen habe?

Als dein Dach undicht war — wer hat es repariert?

Als du krank warst — wer hat dich ins Krankenhaus gefahren?

Als…

— GENUG! — die Mutter unterbrach ihn.

— Das ist deine Pflicht als Sohn!

Dafür sagt man nicht danke!

— Aber für Kiras Wohnung sagt man danke, ja? — Stepan sah der Mutter direkt in die Augen.

— Obwohl sie nur einmal im Monat vorbeikommt, und nicht mal immer.

— Wag es nicht!

WAG ES NICHT, über deine Schwester zu reden!

Sie ist eine beschäftigte Frau, sie hat ein Geschäft!

— Und ich habe Arbeit, — Stepan breitete die Hände aus.

— Eine normale, einfache Arbeit.

Ich bin kein Geschäftsmann, kein Direktor.

Ich bin ein einfacher Ingenieur in einem Konstruktionsbüro.

Und ja, ich verdiene nicht viel.

Aber ich arbeite ehrlich, ich betrüge niemanden, ich tue niemandem etwas Schlechtes.

— Genau das! — Walentina Sergejewna riss triumphierend die Arme hoch.

— Ein EINFACHER Ingenieur!

In deinem Alter leiten Leute Fabriken, und du zeichnest Pläne!

— Mama, warum bist du so? — Kira trat zum Bruder und legte ihm die Hand auf die Schulter.

— Stepan ist gut, weil er eine Arbeit gefunden hat, die ihm liegt.

— Die ihm liegt? — die Mutter lachte schallend.

— Kira, Liebling, verteidige ihn nicht!

Er ist selbst schuld an seinen Misserfolgen!

Keine Ambitionen, kein Streben!

Sitzt in seinem Jobchen und freut sich über ein paar Groschen!

— Weißt du was, Mama, — Stepan richtete sich auf und schüttelte die Hand der Schwester von seiner Schulter.

— Ich bin müde.

Müde, mich zu rechtfertigen, müde, etwas zu beweisen, müde, Demütigungen anzuhören.

— Demütigungen? DEMÜTIGUNGEN? — Walentina Sergejewna schlug die Hände zusammen.

— Ich sage dir die Wahrheit!

Bitter, aber die Wahrheit!

Du bist ein VERSAGER, Stepan!

Gib es endlich zu!

— Gut, — Stepan nickte.

— Ich bin ein Versager.

Ich bin die Schande der Familie.

Ich bin ein unwürdiger Sohn.

Alles, was du sagst, ist wahr.

Bist du jetzt zufrieden?

— Verdreh nicht meine Worte! — die Mutter zeigte mit dem Finger auf ihn.

— Ich will, dass du dich ÄNDERST!

Dass du zur Vernunft kommst!

Dass du anfängst, etwas zu erreichen!

— Mama, er ist zweiunddreißig, — mischte sich Kira ein.

— Er ist ein erwachsener Mensch und entscheidet selbst, wie er leben will.

— Ganz genau — SELBST!

Und soll keine Hilfe von mir erwarten! — Walentina Sergejewna drehte sich demonstrativ weg.

— Das ganze Erbe lasse ich Kira!

Sie hat es verdient!

— Mama, sag das nicht, — Kira runzelte die Stirn.

— Das ist grausam.

— Grausam? GRAUSAM? — die Mutter drehte sich zur Tochter um.

— Grausam ist, einen Sohn großzuziehen, Kraft und Geld in ihn zu stecken und dann zuzusehen, wie er in Armut dahinvegetiert!

— Ich lebe nicht in Armut, — sagte Stepan.

— Ich habe Arbeit, ein Dach über dem Kopf, Essen.

Ich habe dich nie um Geld gebeten.

— Weil du STOLZ bist! — spuckte die Mutter.

— Ein stolzer Armer — das bist du!

Du hättest besser gebeten, dann hätte ich wenigstens gewusst, dass du deine Lage verstehst!

— Meine Lage… — Stepan schüttelte den Kopf.

— Weißt du, Mama, ich bin glücklich.

Ja, ich habe keine Wohnung, kein Auto, keine Ersparnisse.

Aber ich habe eine Arbeit, die ich liebe, gute Freunde, Hobbys.

Ich bin nicht reich, aber ich bin ruhig.

— Ruhig? — Walentina Sergejewna wurde rot.

— Du bist RUHIG, wenn deine Mutter sich vor Bekannten für dich schämt?

Wenn ich meinen Freundinnen nicht erzählen kann, was mein Sohn macht?

— Und was sagst du ihnen? — fragte Stepan.

— NICHTS!

Ich schweige!

Weil es NICHTS zu sagen gibt!

Über Kira kann ich stundenlang erzählen — über die Wohnung, das Geschäft, Reisen ins Ausland!

Aber über dich… über dich schweigt man besser!

— Mama, genug! — Kira erhob die Stimme.

— Ich bin die Mutter!

Ich habe das Recht! — Walentina Sergejewna stampfte mit dem Fuß.

— Und überhaupt, warum fallt ihr über mich her?

Es ist MEIN Geburtstag!

MEIN Festtag!

Und ihr ruiniert ihn!

— Wir? — Stepan grinste bitter.

— Wir ruinieren ihn?

Ich habe dir Geschenke gebracht, gratuliert, und als Antwort höre ich, was für ein Nichts ich bin.

— Wenn du ein NORMALER Sohn wärst, würde ich dich loben! — konterte die Mutter.

— Aber es gibt NICHTS zu loben!

Überhaupt nichts!

— Verstehe, — Stepan nickte.

— Dann gehe ich wohl.

Wenn dich meine Anwesenheit so belastet.

— GEH! — schrie die Mutter.

— Geh zurück in dein gemietetes Wohnloch!

Sitz dort und denk über dein wertloses Leben nach!

Stepan ging schweigend zur Tür.

An der Tür drehte er sich um:

— Alles Gute zum Geburtstag, Mama.

Ich wünsche dir von Herzen… alles zu bekommen, was du verdienst.

— RAUS! — Walentina Sergejewna griff nach einer der Geschenkboxen und warf sie nach dem Sohn.

— VERSCHWINDE!

Und wag es ja nicht, dich hier noch einmal blicken zu lassen!

Stepan ging hinaus und schloss leise die Tür hinter sich.

Kira stürzte ihm nach, doch die Mutter packte sie am Arm:

— BLEIB!

Wag es nicht, diesem Undankbaren hinterherzugehen!

— Mama, du hast ihn doch rausgeworfen!

— Und das war auch RICHTIG so!

Ich will hier keine Versager sehen!

Du bist etwas anderes.

Du bist mein Stolz, meine Freude!

Kira riss ihren Arm los:

— Mama, begreifst du, was du gerade getan hast?

Du hast deinen Sohn weggestoßen!

Einen nahestehenden Menschen!

— Er hat sich SELBST weggestoßen mit seiner Wertlosigkeit! — Walentina Sergejewna ließ sich wieder in den Sessel fallen.

— Und überhaupt, genug von ihm!

Erzähl lieber von deiner Wohnung.

Welche Renovierung planst du?

— Mama, darüber werde ich jetzt nicht reden.

— Warum? — die Mutter hob erstaunt die Augenbrauen.

— Du wolltest mir doch das Designprojekt zeigen!

— Ich wollte.

Aber nicht nach dem, was du meinem Bruder angetan hast.

— Schon wieder dieser Versager! — Walentina Sergejewna winkte genervt ab.

— Vergiss ihn!

Er hat sein Schicksal selbst gewählt!

— Nein.

Du hast dich entschieden — ihn sein Leben lang zu demütigen.

— Ich habe die WAHRHEIT gesagt!

— Nein.

Du hast DEINE Wahrheit gesagt.

Eine Wahrheit, die nur aus Geld und Status besteht.

— Und worauf soll man sonst bauen? — fuhr die Mutter auf.

— Auf seine Freundlichkeit?

Auf seine Ruhe?

Bring mich nicht zum Lachen!

— Weißt du, Mama, — Kira nahm ihre Tasche, — ich gehe auch.

— WAS?

Du lässt mich auch im Stich?

— Ich lasse dich nicht im Stich.

Ich muss nur… nachdenken.

— Worüber nachdenken? — Walentina Sergejewna sprang auf.

— Kira, sei nicht dumm!

Bleib!

Wir feiern meinen Geburtstag zu zweit!

— Nein.

Nicht heute.

— Das ist alles wegen ihm!

Wegen Stepan! — die Mutter ballte die Fäuste.

— Er hetzt dich gegen mich auf!

— Er sagt überhaupt nichts.

Das machst du alles selbst.

Kira ging zur Tür.

Walentina Sergejewna stürzte hinterher:

— KIRA!

Geh nicht!

Ich bitte dich!

Es ist doch mein Fest!

— Das du selbst verdorben hast, — die Tochter drehte sich in der Tür noch einmal um.

— Denk darüber nach.

Denk ernsthaft darüber nach.

Die Tür fiel ins Schloss.

Walentina Sergejewna blieb allein in der großen Wohnung, zwischen verstreuten Geschenken.

Sie hob die Parfümschachtel auf, die sie nach dem Sohn geworfen hatte.

Der Flakon war zerbrochen, und ein süßlicher Geruch füllte den Raum.

— Undankbare! — schrie sie ins Leere.

— Beide undankbar!

Sie raste durch das Zimmer und trat gegen die Geschenkboxen.

— Ich habe sie großgezogen!

Erzogen!

Und sie… sie haben mich VERLASSEN!

An meinem Geburtstag!

Walentina Sergejewna griff zum Telefon und wählte Kiras Nummer.

Langes Klingeln, dann der Anrufbeantworter.

Sie wählte Stepan — das Telefon war ausgeschaltet.

— Abgesprochen!

Absichtlich!

Damit sie mir den Tag verderben!

Die nächsten Tage vergingen im Warten.

Walentina Sergejewna war sicher: Die Kinder würden kommen, sich entschuldigen, um Verzeihung bitten.

Sie kamen immer zurück.

Vor allem Stepan — wie oft hatte sie ihn gedemütigt, beleidigt, und trotzdem kam er, half, kümmerte sich.

Doch die Tage gingen vorbei, und das Telefon blieb stumm.

Nach einer Woche hielt sie es nicht mehr aus und rief Kira an:

— Hallo, Töchterchen?

— Guten Tag.

Die Stimme der Tochter war ruhig, distanziert.

— Kira, Liebling, komm vorbei!

Ich muss mit dir reden!

— Worüber?

— Na… über deine Wohnung!

Du wolltest mir doch das Designprojekt zeigen!

— Mama, ich bin gerade beschäftigt.

— Beschäftigt?

Aber… aber du hast es doch versprochen!

— Ich habe nichts versprochen.

Hör zu, ich muss los.

— Warte! — Walentina Sergejewna bekam Angst.

— Und Stepan… hast du Kontakt mit ihm?

— Ja.

— Und… und wie geht es ihm?

— Gut.

— Sag ihm… sag ihm, er soll anrufen.

— Ich sage es ihm.

Kurzes Tuten.

Walentina Sergejewna starrte aufs Telefon.

So hatte Kira noch nie mit ihr gesprochen — kalt, fremd.

Stepan rief nicht an.

Weder an diesem Tag noch am nächsten.

Walentina Sergejewna wählte seine Nummer — das Telefon war eingeschaltet, aber der Sohn ging nicht ran.

Ein Monat verging.

Walentina Sergejewna wurde vom Alleinsein und von Sorge aufgezehrt.

Sie war es gewohnt, dass die Kinder immer in der Nähe waren — Stepan kam jede Woche vorbei, half im Haushalt, Kira rief an, erzählte Neuigkeiten.

Und jetzt — Stille.

Sie versuchte, Bekannte anzurufen, über die undankbaren Kinder zu klagen, doch sie seufzten nur mitleidig und verabschiedeten sich schnell.

Niemand wollte ihr Gejammer hören.

Und dann begannen die Probleme.

Zuerst ging die Waschmaschine kaputt.

Walentina Sergejewna rief einen Handwerker — der verlangte eine runde Summe für die Reparatur.

Früher hatte Stepan alles selbst repariert, kostenlos.

Dann tropfte der Wasserhahn in der Küche.

Wieder ein Handwerker, wieder Geld.

Dann schmorte die Elektrik im Schlafzimmer durch.

Der Elektriker stellte fest, dass die gesamte Verkabelung erneuert werden musste — die Wohnung war alt, die Leitungen hielten modernen Belastungen nicht stand.

Die Reparatursumme war astronomisch.

Walentina Sergejewna saß in der Küche und rechnete die Ausgaben zusammen.

Die Rente war klein, Ersparnisse gab es kaum — alles ging für das Image der „erfolgreichen Mutter erfolgreicher Kinder“ drauf.

Teure Kleidung, Restaurants, Geschenke für Freundinnen…

Sie wählte erneut Stepans Nummer:

— Söhnchen, hier ist Mama.

Bitte ruf zurück.

Ich habe hier… Probleme.

Stepan rief nicht zurück.

Eine Woche später fuhr Walentina Sergejewna selbst zu ihm.

Sie stand lange vor dem Eingang, sammelte Mut, dann ging sie in den dritten Stock.

Die Tür öffnete ein unbekanntes Mädchen — hübsch, schlicht gekleidet.

— Zu wem möchten Sie?

— Zu Stepan.

Ich bin seine Mutter.

Das Mädchen hob überrascht die Augenbrauen:

— Ach, Sie sind das…

Warten Sie.

Sie verschwand in der Wohnung.

Nach einer Minute erschien Stepan.

Er sah… glücklich aus.

So hatte Walentina Sergejewna ihn schon lange nicht mehr gesehen.

— Warum bist du gekommen?

— Stepa, mein Sohn, ich brauche Hilfe.

Die Elektrik… sie muss erneuert werden, und die Handwerker verlangen so viel Geld…

— Wende dich an Kira.

Sie hat Geld.

— Aber du hast doch immer geholfen!

— Das Schlüsselwort ist: habe geholfen.

Vergangenheit.

— Stepa, sei nicht so grausam!

Ich bin doch deine Mutter!

— Ja.

Eine Mutter, die ihr Leben lang gepredigt hat, ich sei ein Versager und die Schande der Familie.

— Ich wollte nur das Beste!

Ich wollte, dass du nach mehr strebst!

— Nein.

Du wolltest vor deinen Freundinnen mit mir angeben.

Und als es nichts gab, womit man angeben konnte, hast du angefangen, mich zu demütigen.

— Das stimmt nicht!

— Doch.

Genau das ist es.

Und weißt du was?

Ich bin dir dankbar.

— Dankbar? — Walentina Sergejewna war verblüfft.

— Ja.

Du hast mir die Augen geöffnet.

Ich habe verstanden, dass ich Demütigungen nicht ertragen muss, nur weil du meine Mutter bist.

Ich habe ein Recht auf Respekt.

— Stepa, verzeih mir!

Ich hatte Unrecht!

— Vielleicht.

— Was soll ich tun?

— Nichts.

Leb einfach… dein Leben.

Ohne mich.

Er schloss die Tür.

Walentina Sergejewna blieb auf dem Treppenabsatz stehen und glaubte nicht, was passiert war.

Zuhause wartete der nächste Schlag.

Ein Brief von der Hausverwaltung — Rückstände bei den Nebenkosten.

Sie hatte mehrere Monate vergessen zu zahlen, und die Mahngebühren waren beachtlich.

Walentina Sergejewna rief Kira an:

— Töchterchen, hilf mir!

Ich brauche Geld!

— Mama, du hast doch eine Rente.

— Die reicht nicht!

Da sind Reparaturen und Nebenkosten…

— Es tut mir leid, aber ich kann nicht helfen.

— Du kannst nicht?

Du hast doch eine Wohnung!

Ein Geschäft!

— Ja.

MEINE Wohnung und MEIN Geschäft.

Die ich mir selbst erarbeitet habe.

— Kira, ich bin deine Mutter!

— Und?

Gibt dir das ein Recht auf mein Geld?

— Ich habe dich großgezogen!

— Und dafür bin ich dankbar.

Aber das heißt nicht, dass ich dich mein Leben lang unterhalten muss.

— Das hat dir Stepan eingeredet!

— Nein.

Das hast du selbst gemacht.

Als du ihn vor mir gedemütigt hast.

Als du uns verglichen hast.

Als du uns in die erfolgreiche Tochter und den Versager-Sohn aufgeteilt hast.

— Ich habe die Wahrheit gesagt!

— Du hast gesagt, was du sehen wolltest.

Und die Wahrheit ist: Stepan ist ein wunderbarer Mensch.

Freundlich, fürsorglich, zuverlässig.

Und er verdient Respekt.

— Und ich?

Verdiene ich keinen?

— Respekt muss man sich verdienen, Mama.

Und du hast ihn verloren.

Kira legte auf.

Walentina Sergejewna saß im dunkler werdenden Zimmer — sie sparte Strom.

Die Wohnung, die früher gemütlich gewirkt hatte, drückte jetzt mit ihrer Leere.

Sie erinnerte sich daran, wie Stepan Steckdosen reparierte, Wände strich, Möbel zusammenbaute.

Wie er sie zu Ärzten fuhr, in der Poliklinik in Schlangen stand, Medikamente kaufte.

Wie er jedes Wochenende kam, Lebensmittel brachte, Mittagessen kochte.

Und sie?

Sie hatte nur kritisiert.

Verglichen.

Gedemütigt.

Das Telefon klingelte.

Eine unbekannte Nummer.

— Walentina Sergejewna?

Hier ist die Bank.

Sie haben einen Rückstand bei Ihrer Kreditkarte.

Kreditkarte.

Sie hatte sie vor langer Zeit genommen, um einen Pelzmantel zu kaufen — man durfte vor den Freundinnen ja nicht das Gesicht verlieren.

Sie hatte nur die Mindestbeträge gezahlt, und jetzt reichte nicht einmal das mehr.

— Ich… ich werde zahlen…

— Innerhalb einer Woche, sonst geben wir Ihre Forderung an ein Inkassobüro weiter.

Aber sie wusste: Es gab nichts, womit sie zahlen konnte.

Nach den Nebenkosten reichte die Rente kaum fürs Essen.

Walentina Sergejewna rief ihre Freundin an:

— Sweta, hilf mir!

Leih mir Geld!

— Waler, entschuldige, aber ich habe selbst Probleme.

Sie rief alle Bekannten durch.

Alle sagten ab — höflich, aber bestimmt.

Es stellte sich heraus: Niemand wollte einer Rentnerin ohne Sicherheiten Geld geben.

In der Nacht schlief Walentina Sergejewna nicht.

Sie dachte nach.

Sie erinnerte sich.

Sie erinnerte sich daran, wie der kleine Stepan ihr Zeichnungen aus dem Kindergarten brachte, und sie sie zur Seite legte — keine Zeit, Arbeit.

Wie er Schulurkunden zeigte und sie sagte: „Kira hat mehr.“

Wie er an der Hochschule aufgenommen wurde und sie sagte: „Ingenieur ist nicht prestigeträchtig.“

Sie erinnerte sich an seine Hochzeit.

Die Braut war eine einfache Lehrerin, und Walentina Sergejewna ignorierte sie den ganzen Abend demonstrativ.

Nach der Hochzeit zogen die jungen Leute in eine andere Stadt.

Zwei Jahre später ließen sie sich scheiden.

Stepan kam zurück, doch über die Gründe sprach er nicht.

Und vielleicht lag der Grund bei ihr?

In ihrer ständigen Unzufriedenheit, Kritik, den Vergleichen?

Sie saß in dem leeren Zimmer, und die Tränen liefen ihr einfach über die Wangen.

Das war alles, was sie in ihrem Leben erreicht hatte.

Ende.