— Na, Schwiegertöchterchen.

Ab jetzt werde ich euer Familienbudget planen, — erklärte die Schwiegermutter.

— Larisa Pawlowna, glauben Sie wirklich ernsthaft, ich sei einfach so hergekommen, nur um auf Ihrem durchgesessenen Sofa zu sitzen?

Walentina erstarrte mit dem Wasserkocher in den Händen und beobachtete, wie die Schwiegermutter aus den Tiefen ihrer riesigen Tasche einen Ordner hervorholte, so dick wie ein Telefonbuch.

Larisa Pawlowna thronte auf dem Sofa mit einem Blick, als wolle sie ein Urteil verkünden.

Ihr graues Haar war zu einer makellosen Frisur gelegt, und hinter den dicken Brillengläsern tanzten in ihren Augen Funken der Vorfreude.

— Einen Monat, einen ganzen Monat habe ich eure Schande studiert! — die Schwiegermutter klopfte auf den Ordner.

— Und jetzt weiß ich alles über eure Ausgaben bis zum letzten Kopeken.

Walentina spürte, wie in ihr eine Welle der Empörung aufstieg.

Sie stellte den Wasserkocher langsam auf den Tisch.

In den letzten sechs Monaten balancierte die Familie Karpow am Abgrund.

Walentina arbeitete als Administratorin in einer kleinen Zahnarztpraxis, Roman als Ingenieur in einem Werk, das ständig damit drohte, geschlossen zu werden.

Früher reichte ihr gemeinsames Einkommen für ein bescheidenes, aber ordentliches Leben in einer Zweizimmerwohnung am Stadtrand.

Jetzt wurde jeder Einkauf im Supermarkt zu einem mathematischen Rätsel.

Walentina lernte, aus einem Minimalvorrat an Lebensmitteln echte kulinarische Wunder zu zaubern.

Frikadellen wurden auf drei Tage gestreckt, die Suppe wurde so dick gekocht, dass der Löffel darin stehen blieb, und aus einem Huhn entstanden vier verschiedene Gerichte.

Roman reparierte alles, was kaputtging, mit eigenen Händen — vom tropfenden Hahn bis zum alten Kühlschrank, der brummte wie ein Flugzeug.

Doch die Preise stiegen schneller als ihre Löhne.

Der Leiter der Praxis, in der Walentina arbeitete, hob nur die Hände und verwies auf die sinkende Nachfrage.

Romans Vorgesetzte verwiesen auf Sanktionen und versprachen Prämien zu Neujahr, das einfach nicht kommen wollte.

— Roma, solltest du dir vielleicht etwas anderes suchen? — schlug Walentina eines Abends vor, als sie Buchweizen mit Soße auf die Teller verteilte.

— Dein Kollege Serjoga fährt abends nebenbei Taxi.

— Ach komm, wir schaffen das schon, — winkte der Mann ab, den Blick ins Handy gesenkt.

— Ich habe ein paar Ideen, gleich klappt bestimmt irgendwas.

Diese „Ideen“ blieben Ideen.

Dafür verschwanden die Kassenzettel aus den Läden vom Tisch.

Walentina maß dem keine Bedeutung bei — vielleicht hatte er sie weggeworfen, und gut.

An diesem verhängnisvollen Donnerstag kam Walentina früher als sonst von der Arbeit nach Hause — zwei Termine waren ausgefallen.

Der Schlüssel drehte sich nur schwer im Schloss, und sie setzte gedanklich schon den Schlüsseldienst auf die Liste notwendiger Ausgaben.

Im Flur roch es nach Baldrian und „Krasnaja Moskwa“-Parfüm — ein untrügliches Zeichen, dass die Schwiegermutter da war.

Larisa Pawlowna saß im Wohnzimmer, umringt von Papieren.

Auf dem Couchtisch standen Stapel von Kassenzetteln, nach Kategorien sortiert, die nur ihr verständlich waren.

In der Hand hielt sie einen Taschenrechner und rechnete konzentriert irgendetwas aus.

— Guten Tag, — grüßte Walentina trocken.

— Ah, das Schwiegertöchterchen ist da! — die Schwiegermutter hob den Kopf und rückte die Brille zurecht.

— Gerade rechtzeitig.

Setz dich, wir bringen Ordnung in euer finanzielles Chaos.

— Welches Chaos? — Walentina spürte, wie sich ihre Schultern anspannten.

— Das, das ihr hier angerichtet habt.

Romotschka hat mir alles erzählt, wie ihr am Hungertuch nagt.

Er hat die Kassenzettel gebracht und mich gebeten zu helfen, das zu sortieren.

Ich habe mein ganzes Leben in der Buchhaltung gearbeitet, wer, wenn nicht ich, sollte Ordnung ins Geld bringen?

Walentina ließ sich langsam auf einen Stuhl sinken.

In ihrem Hals stand ein Kloß aus Kränkung.

— Roman hat Ihnen unsere Kassenzettel gebracht?

— Nicht nur gebracht, er hat sie einen Monat lang gesammelt!

Jedes Zettelchen, jedes Ticket.

Mein Junge ist ein Schatz, er versteht, dass es ohne mütterliche Hilfe nicht geht.

Larisa Pawlowna breitete vor Walentina ein beschriebenes Blatt aus.

— Sieh her.

Milchprodukte — zwanzig Prozent vom Budget.

Das ist ein unzulässiger Luxus!

Kefir kann man durch Wasser mit Zitrone ersetzen, Quark ist überhaupt nur Schnickschnack.

— Aber Roman liebt morgens Syrniki…

— Er wird auch Haferbrei auf Wasser lieben.

Weiter — Fleisch.

Wozu braucht ihr so viel Fleisch?

Man kann wunderbar von Getreide und Nudeln leben.

Im Krieg haben die Leute überhaupt auf Kartoffelschalen überlebt!

Walentina ballte unter dem Tisch die Fäuste.

Die Schwiegermutter fuhr mit ihrer Vorlesung fort und fuchtelte mit den Kassenzetteln wie mit roten Fähnchen.

— Und was ist das?

Kaffee?

Dreihundert Rubel für ein Glas Kaffee?

Seid ihr verrückt geworden!

Es gibt hervorragenden Zichorienkaffee für fünfzig Rubel.

— Das ist Romans einzige Freude am Morgen…

— Freude muss man sich verdienen! — schnitt Larisa Pawlowna ihr das Wort ab.

— Und was ist das für eine Schweinerei?

Spülmittel für hundertachtzig Rubel?

Man kann doch mit Natron spülen!

Im Türschloss klickte es.

Roman kam in die Wohnung und spürte sofort die Spannung.

Sein Blick sprang von der Mutter zur Frau und zurück.

— Oh, Mama, du bist schon da?

Hast du die Papiere durchgesehen?

— Hab ich, Söhnchen, — Larisa Pawlowna stand auf und ging zu ihm.

— Aber deine Frau ist offenbar nicht bereit, Hilfe anzunehmen.

Walentina stand vom Stuhl auf.

In ihren Augen brannte eine Empörung, so stark, dass Roman instinktiv einen Schritt zurückwich.

— Roma, erklär mir bitte, — ihre Stimme zitterte vor zurückgehaltenen Emotionen, — wieso hast du deiner Mutter Kassenzettel angeschleppt?

Sind wir Kinder, die nicht selbst klar kommen?

— Walja, du hast doch selbst gesagt, dass das Geld nicht reicht…

— Ich habe dir gesagt, du sollst dir einen Nebenjob suchen!

Und nicht zu Mama rennen und dich beklagen!

Larisa Pawlowna stellte sich zwischen sie, als würde sie den Sohn verteidigen.

— Wag es nicht, ihn anzuschreien!

Der Junge ist ohnehin müde von der Arbeit, kommt nach Hause wie eine ausgepresste Zitrone!

— Eine ausgepresste Zitrone? — Walentina grinste schief.

— Er sitzt abends am Handy und spielt Spiele!

Statt einen zusätzlichen Verdienst zu suchen!

— Ein Mensch braucht Erholung! — empörte sich die Schwiegermutter.

— Und du, was machst du?

Du sitzt in deiner Praxis und schiebst für ein paar Kopeken Papier hin und her!

— Ich arbeite.

Und ich beschwere mich nicht bei Mama, dass das Leben schwer ist!

Roman versuchte, sich einzumischen.

— Walja, Mama wollte nur helfen.

Sie hat Erfahrung, sie weiß, wie man spart…

— Weiß sie das? — Walentina drehte sich zu ihm.

— Deine Mutter lebt allein in einer Dreizimmerwohnung, bekommt Rente und vermietet zwei Zimmer!

Wovon für eine Spar-Erfahrung redet sie denn?

Larisa Pawlowna lief dunkelrot an.

— Wie wagst du es!

Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet, damit mein Sohn ein Dach über dem Kopf hat!

— Und jetzt mischen Sie sich in unser Leben ein, mit ungefragten Ratschlägen! — Walentina nahm vom Tisch einen Stapel Kassenzettel und riss ihn demonstrativ durch.

— Das ist meine Meinung zu Ihrer Finanzanalyse!

— Roma! — die Schwiegermutter griff sich ans Herz.

— Siehst du das?

Deine Frau hat meine Arbeit zerrissen!

Roman sah verwirrt erst zur Mutter, dann zur Frau.

In seinen Augen stand die Panik eines Menschen, der zwischen zwei Feuern geraten ist.

— Mama, vielleicht hätte man wirklich nicht…

— Nicht was?

Euch helfen?

Wenn ihr wie Bettler lebt?

— Wir sind keine Bettler! — brach Walentina los.

— Wir sind normale Menschen mit vorübergehenden Schwierigkeiten!

Und wir kommen damit selbst klar, ohne Ihre mittelalterlichen Sparmethoden!

Sie wandte sich an ihren Mann.

— Und du, Roman, entscheide dich endlich.

Entweder du bist ein erwachsener Mann, der die Probleme der Familie lösen kann, oder ein Muttersöhnchen, das bei der ersten Schwierigkeit rennen geht und sich beschwert!

— Wag es nicht, so über meinen Sohn zu reden! — Larisa Pawlowna griff nach ihrer Tasche.

— Er ist ein wunderbarer Junge, fleißig, fürsorglich!

— Dann nehmen Sie Ihren wunderbaren Jungen zu sich! — platzte es aus Walentina heraus.

— Soll er bei Ihnen wohnen und auf Zichorie sparen!

Stille fiel.

Roman wurde bleich, Larisa Pawlowna klappte den Mund auf und zu wie ein Fisch am Ufer.

Walentina atmete schwer, doch ihr Blick blieb fest.

— Walja, meinst du das ernst? — fragte Roman leise.

— Ernsthafter geht es nicht.

Ich bin es leid, in all unseren Problemen die Schuldige zu sein.

Ich bin es leid, mir die Ratschläge deiner Mutter anzuhören, wie ich zu leben habe.

Und ich bin es leid, dass mein Mann sich, statt Probleme zu lösen, hinter Mamas Rock versteckt.

Larisa Pawlowna stand auf und schloss würdevoll ihren Cardigan.

— Romotschka, komm.

Wo man dich nicht schätzt, ist nicht dein Platz.

Doch Roman rührte sich nicht.

Er sah seine Frau an, und in seinem Blick zeigte sich langsam Verständnis.

— Mama, geh nach Hause.

— Was? — die Schwiegermutter traute ihren Ohren nicht.

— Geh nach Hause, Mama.

Walja hat recht.

Wir müssen das selbst regeln.

— Aber, Söhnchen…

— Mama, bitte.

Danke für die Hilfe, aber wir schaffen das.

Larisa Pawlowna maß die Schwiegertochter mit einem vernichtenden Blick, drehte sich um und ging zur Tür.

An der Tür drehte sie sich noch einmal um.

— Wenn ihr wirklich am Hungertod sterbt, kommt nicht zu mir!

Die Tür schlug zu.

Walentina sank auf den Stuhl und spürte plötzlich eine furchtbare Müdigkeit.

Roman trat zu ihr, setzte sich daneben.

— Verzeih mir.

Ich dachte wirklich, Mama würde helfen.

— Helfen heißt, einen zweiten Job zu finden.

Helfen heißt, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, und sich nicht hinter jemandes Rücken zu verstecken.

— Ich habe verstanden.

Morgen fange ich an, einen Nebenjob zu suchen.

Und keine Kassenzettel mehr zu Mama, ich verspreche es.

Walentina sah ihren Mann an.

In seinen Augen sah sie wieder jenen Roman, in den sie sich einmal verliebt hatte — entschlossen, bereit, Verantwortung zu übernehmen.

— Schaffen wir es zusammen?

— Zusammen schaffen wir es, — nickte er und nahm seine Frau in den Arm.

Draußen wurden die Dämmerung dichter.

Vor ihnen lagen schwere Zeiten, doch jetzt wussten sie genau: Sie würden Schwierigkeiten zu zweit bewältigen, ohne ungefragte Ratgeber und finanzielle Prüfer.

Und die Schwiegermutter…

Nun ja, die Schwiegermutter wird es überleben.

Schließlich hat sie ganze drei Zimmer und Mieteinnahmen aus zweien davon.

Und soll sie selbst Zichorie trinken, wenn sie das für den richtigen Weg zum Sparen hält.

Ende.