— Na, Tatjana, schenk ein, lass uns nicht warten!
— Was für ein Fisch, hast du ihn selbst gesalzen?

— Oder ist der aus dem Laden?
Nikolai Petrowitsch, ein schwerer Mann mit rotem Gesicht und lauter Stimme, streckte bereits die Gabel zur Kristallheringschale aus, ohne auf die Einladung der Gastgeberin zu warten.
Tatjana Iwanowna lächelte zurückhaltend und rückte die gestärkte Serviette auf ihren Knien zurecht.
Sie liebte Ordnung in allem: in der Buchhaltung, wo sie dreißig Jahre gearbeitet hatte, in der Küche und im Leben.
Dieses festliche Abendessen, zu dem sich die Schwiegereltern der Schwiegertochter praktisch selbst eingeladen hatten, machte ihr von Anfang an ein diffuses Unbehagen.
Aber abzusagen war unhöflich.
Schließlich waren es die Eltern der Schwiegertochter, Verwandtschaft, wie man so sagt.
— Natürlich selbst, Nikolai Petrowitsch.
— In meinem Haus gibt es kaum etwas aus dem Laden, das wissen Sie doch, — antwortete sie und schob dem Gast den Teller mit dampfenden Kartoffeln näher, großzügig mit Dill bestreut.
— Greifen Sie zu.
— Galina Sergejewna, soll ich Ihnen Pilze auftun?
— Milchlinge, vom letzten Jahr, schön knackig.
Galina Sergejewna, eine hektische Frau und, wie Tatjana fand, übermäßig listig, nickte eifrig und kniff die Augen zusammen.
Sie saß neben ihrer Tochter, Lenotschka, und strich ihr immer wieder über die Hand, als würde sie prüfen, ob sie noch da war.
Tatjanas Sohn Anton saß gegenüber, ungewöhnlich still, und stocherte sorgfältig mit der Gabel in seiner Frikadelle herum, ohne seiner Mutter in die Augen zu sehen.
Das war ein schlechtes Zeichen.
Anton verhielt sich immer so, wenn er sich schuldig fühlte oder wenn man ihn in irgendein Abenteuer hineinziehen wollte, das ihm selbst nicht gefiel.
Das Gespräch am Tisch verlief schleppend.
Man sprach über das Wetter, über die hohen Nebenkosten und über die Wehwehchen gemeinsamer Bekannter.
Nikolai Petrowitsch trank kräftig von den Likören, die Tatjana Iwanowna selbst aus ihren eigenen Kirschen machte, und mit jedem Glas wurde er lockerer und lauter.
— Gut hast du’s, Tanja, — brummte er, lehnte sich zurück, öffnete den obersten Knopf seines Hemdes.
— Satt, gemütlich.
— Die Wohnung ist groß, eine Dreizimmerwohnung, im Zentrum.
— Du lebst sorgenfrei.
— Ist das nicht zu viel Platz für dich allein?
Tatjana Iwanowna wurde wachsam.
Da war es, der Anfang.
Sie wusste, dass dieser Besuch nicht ohne Grund war.
— Für mich ist es genau richtig, — antwortete sie ruhig.
— Ich bin an Weite gewöhnt.
— Und wenn die Enkel kommen, haben sie Platz zum Toben.
— Enkel sind eine gute Sache, — fiel Galina Sergejewna ein, und ihre Stimme wurde sirupartig, zäh.
— Nur an Enkel ist es noch zu früh, Tänchen.
— Die Jungen müssen erst auf die Beine kommen.
— Und wie soll man auf die Beine kommen, wenn das Leben so schwer ist?
— Anton braucht anderthalb Stunden von der Arbeit nach Hause.
— In den Kleinbussen ist Gedränge, stickige Luft, nur Keime.
— Lenotschka leidet auch.
— Und im Winter?
— Kälte, Glatteis…
Tatjana sah ihren Sohn an.
Anton wurde noch röter.
— Mama, na ja, ehrlich, der Verkehr zieht einen total runter, — brummte er, ohne aufzusehen.
— Genau darum geht’s! — schlug Nikolai Petrowitsch mit der Hand auf den Tisch, sodass die Gläser klirrten.
— Sie brauchen ein Auto, Tanja!
— Ein gutes, zuverlässiges Auto.
— So einen SUV, damit man in der Stadt fahren kann und auch mal raus ins Grüne.
— Und Status noch dazu.
— Anton ist ein stattlicher Kerl, es ist nicht würdig, dass er im Bus herumgeschüttelt wird.
— Ein Auto kann man sich erarbeiten, — bemerkte Tatjana Iwanowna vorsichtig.
— Anton arbeitet, Lena hat auch eine Stelle.
— Sie nehmen einen Kredit auf, sparen nach und nach.
— Wir haben damals für die ersten „Schiguli“ fünf Jahre gespart und uns alles verkniffen.
— Ach, du erinnerst dich an König Erbsen! — winkte Galina Sergejewna ab.
— Heute ist eine andere Zeit, andere Geschwindigkeiten.
— Junge Leute brauchen alles sofort, damit sie leben und nicht nur überleben.
— Kredite sind jetzt räuberisch, die Zinsen sind furchtbar, in die Knechtschaft will man nicht.
— Wir haben das mit Kolja besprochen, mit den Kindern geredet…
— Wir haben einen Vorschlag.
— Einen rationalen.
Tatjana Iwanowna spürte, wie sich in ihr eine Feder spannte.
Das Wort „rational“ aus dem Mund der Schwiegereltern bedeutete meist etwas, das ausschließlich für sie vorteilhaft war.
— Und welcher? — fragte sie und nahm einen Schluck Tee, um den trockenen Hals zu befeuchten.
— Deine Datscha, — platzte Nikolai Petrowitsch heraus, als würde er mit der Axt zuschlagen.
— Wozu brauchst du sie, Tanja?
— Du bist eine alleinstehende Frau, das Alter ist auch schon da, bald lässt die Gesundheit nicht mehr zu, dass du dich dort abrackerst.
— Sechs Ar, ein Holzhaus, es braucht Pflege.
— Nur Ausgaben: Beiträge, Steuer, Strom.
— Und wozu?
— Ein Sack Kartoffeln und ein Eimer Äpfel?
— Das kaufst du auf dem Markt billiger.
— Wir haben uns erkundigt, — redete Galina Sergejewna schnell weiter, als sie sah, dass Tatjana schwieg.
— Du hast dort eine gute Lage, am See.
— Der Boden ist im Preis gestiegen.
— Wenn man jetzt verkauft, reicht es genau für einen neuen SUV, und für die Versicherung bleibt auch noch was, und für Winterreifen.
— Stell dir vor, wie toll das wäre!
— Die Kinder sind mit dem Auto unterwegs, du hast weniger Sorgen.
— Sie fahren dich zum Einkaufen, zur Poliklinik.
— Herrlich!
Im Zimmer hing Stille.
Man hörte nur das Ticken der alten Uhr an der Wand – ein Geschenk von Tatjanas verstorbenem Mann.
Anton zog den Kopf in die Schultern, Lena zupfte am Rand der Tischdecke, und die Schwiegereltern sahen die Gastgeberin erwartungsvoll an, mit so einem besitzergreifenden Blick, als wäre alles längst entschieden und es ginge nur noch um Formalitäten.
Tatjana Iwanowna stellte die Tasse langsam auf die Untertasse.
Vor ihren Augen stand ihre Datscha.
Nicht „sechs Ar“, wie der Schwiegervater sagte, sondern ihr persönliches Paradies.
Sie erinnerte sich, wie sie und ihr Mann, damals noch jung, dieses Stück Land bekommen hatten – ein überwucherter Feldstreifen voller Unkraut.
Wie sie Stümpfe ausgruben und sich den Rücken kaputt machten.
Wie ihr Mann mit eigenen Händen das Haus baute – kein Fertighäuschen, sondern einen festen Blockhausbau, mit Profilholz verkleidet.
Jedes Brett hobelte er mit Liebe.
Sie erinnerte sich an ihre Hortensien, die sie jahrelang pflegte, damit die Blütenkugeln leuchtend blau wurden.
An ihr Gewächshaus, in dem die Tomaten der Sorte „Ochsenherz“ süß wie Honig wuchsen.
An die Laube, umrankt von wildem Wein, wo sie morgens gern mit einem Buch saß und den Nachtigallen lauschte.
Für sie war das kein Vermögenswert.
Das war ihr Leben, ihre Erinnerung, ihr Kraftort.
Und jetzt sollte sie das gegen ein Stück Metall tauschen, das in fünf Jahren verrottet oder die Hälfte seines Wertes verliert.
— Also die Datscha verkaufen, — sagte Tatjana Iwanowna langsam und wog jedes Wort ab.
— Und ein Auto kaufen.
— Auf wen wird das Auto angemeldet?
— Na auf wen denn? — wunderte sich Nikolai Petrowitsch.
— Natürlich auf Anton.
— Er ist doch das Familienoberhaupt.
— Oder auf Lenotschka, aber sie hat weniger Fahrpraxis, die Versicherung wäre teurer, also besser auf Anton.
— Das ist doch ihr gemeinsames, ein Familienauto.
— Verstehe, — nickte Tatjana.
— Und wie beteiligen Sie sich, liebe Schwiegereltern, an diesem „rationalen“ Projekt?
— Ein Auto ist eine teure Anschaffung.
— Wenn ich meine Datscha verkaufe, sind das etwa zwei Millionen.
— Und ein gutes Auto kostet сейчас drei, wenn nicht mehr.
Galina Sergejewna rutschte auf dem Stuhl hin und her und richtete ihre Frisur.
— Na ja, wir…
— Wir können im Moment nicht mit Geld helfen, Sie wissen ja, bei uns steht eine Renovierung an, und Kolja muss Zähne einsetzen lassen, das kostet doch Unsummen!
— Wir helfen anders.
— Wir haben Lenotschka großgezogen, eine Hausfrau, eine Schönheit.
— Wir bringen ihnen Lebensmittel vom Dorf, von der Tante.
— Eingelegtes, Marmelade…
— Das heißt, finanziell investiere nur ich? — уточнила Tatjana Iwanowna, und in ihrer Stimme klang ein Stahlton, vor dem ihre Untergebenen bei der Arbeit Angst hatten.
— Tanja, warum gleich übers Geld! — fühlte sich Nikolai Petrowitsch gekränkt.
— Wir sind doch eine Familie!
— Sollten wir da abrechnen?
— Du hast die Möglichkeit, wir nicht.
— Du bist doch die Mutter!
— Ist es dir wirklich zu schade für deinen Sohn?
— Er quält sich doch!
Anton hob endlich den Kopf.
In seinen Augen lag ein Flehen.
— Mama, wirklich…
— Wir würden dich fahren.
— Wir würden vorbeikommen…
— Wohin vorbeikommen, Antoscha? — fragte Tatjana sanft.
— Auf den Asphalt vor dem Hauseingang?
— Die Datscha gäbe es ja nicht mehr.
— Na ja, in den Park würden wir fahren, grillen… — murmelte der Sohn unsicher.
Tatjana Iwanowna stand auf und ging zum Fenster.
Draußen verdichtete sich die Dämmerung, die Laternen gingen an.
Sie musste sich beruhigen, um nicht zu viel zu sagen.
Wut, heiß und scharf, stieg in ihrer Brust auf, aber sie wusste: Gefühle sind ein schlechter Ratgeber.
Hier brauchte man einen kühlen Kopf.
Sie drehte sich um und sah die Runde an.
Den satten, geröteten Schwiegervater, der gedanklich уже ein neues Auto steuerte.
Die listige Schwiegermutter.
Die infantilen Kinder.
— Ich habe Sie gehört, — sagte sie ruhig.
— Der Vorschlag ist interessant.
— Aber ich habe einen Gegenvorschlag.
Alle erstarrten.
In Galina Sergejewnas Augen flackerte Hoffnung auf.
— Ich stimme zu, dass die Jungen ein Auto brauchen, — fuhr Tatjana Iwanowna fort.
— Und ich bin sogar bereit, eine Variante mit dem Verkauf von Immobilien zu prüfen.
— Aber es gibt нюансe.
— Die Datscha ist mein einziger Erholungsort.
— Ich verbringe dort fünf Monate im Jahr.
— Von Mai bis Oktober bin ich nicht in der Stadt.
— Ich atme Luft, ziehe Gemüse, das Sie übrigens alle mit Freude im Winter essen.
— Wenn ich die Datscha verkaufe, verliere ich das.
— Also brauche ich eine Kompensation.
— Welche Kompensation? — wurde Nikolai Petrowitsch misstrauisch.
— Wohnliche.
— Sehen Sie, den ganzen Sommer in einer stickigen Wohnung zu sitzen, habe ich nicht vor.
— Deshalb schlage ich folgende Variante vor: Ich verkaufe die Datscha, gebe das Geld Anton für das Auto.
— Aber im Gegenzug ziehe ich im Sommer zu Ihnen, liebe Schwiegereltern, in Ihre Datscha.
— Sie haben doch ein Haus im Dorf, das von den Eltern geblieben ist?
— Dort werde ich im Sommer wohnen.
— Und im Winter…
— Im Winter wird mir vielleicht langweilig allein in einer Dreizimmerwohnung.
— Wenn wir eine Familie sind und alles teilen, schlage ich vor, meine Dreizimmerwohnung zu tauschen.
— Mir kaufen wir eine Einzimmerwohnung, und die Differenz geben wir den Kindern dazu – für eine größere Wohnung, oder vielleicht für eine Garage für das neue Auto.
— Und damit ich nicht einsam bin, werde ich Sie oft, sehr oft besuchen, Galina Sergejewna.
— Wir sind doch jetzt Freundinnen, stimmt’s?
Galina Sergejewnas Gesicht wurde lang.
Ihr „Haus im Dorf“ war eine alte Bruchbude ohne Komfort, куда sie einmal im Jahr fuhren, um Kartoffeln zu pflanzen, und in der ewiges Chaos herrschte, das die Schwiegermutter sorgfältig versteckte.
Dorthin die perfekte Hausfrau Tatjana Iwanowna zu lassen, hätte bedeutet, sich vor der ganzen Welt zu blamieren.
Und die Perspektive einer engen, ständigen Nähe in der Stadt reizte sie erst recht nicht.
— Tanja, was… — stammelte sie.
— Dort gibt es doch keine Bedingungen…
— Die Toilette ist draußen…
— Wasser aus dem Brunnen…
— Wie willst du dort leben?
— Ach, ich gewöhne mich, — lächelte Tatjana.
— Für das Glück der Kinder kann man auch mal терпеть.
— Oder verkauft dann vielleicht Nikolai Petrowitsch seine Garage?
— Sie ist doch groß, massiv, im Zentrum der Genossenschaft.
— Die ist bestimmt nicht weniger wert als meine Datscha.
— Ein Auto haben Sie ohnehin nicht, da liegt nur allerlei Kram.
— Also verkaufen Sie sie.
— Das wäre Ihr Beitrag.
— Und ich lege noch für die Versicherung drauf.
Nikolai Petrowitsch verschluckte sich am Likör.
Die Garage war sein Heiligtum.
Dort traf er sich mit den Männern, dort lagen seine „Schätze“ – alte Ersatzteile, rostige Werkzeuge, Angelruten und Vorräte an Alkohol, vor der Frau versteckt.
— Bist du verrückt, Tanja!
— Die Garage geht nicht!
— Das ist doch… das ist männlich!
— Da ist der Keller, da sind die Räder…
— Und sie ist auch nicht so viel wert, das sind Peanuts! — fuchtelte er mit den Händen, rot werdend.
— Na, sehen Sie, — breitete Tatjana Iwanowna die Hände aus.
— Ihnen ist die Garage zu schade, dort sind „Räder“.
— Und mir ist die Datscha zu schade, dort ist meine Seele.
— Eine seltsame Mathematik haben wir.
— Meins zu verkaufen ist „rational“, und Ihres ist „auf keinen Fall“.
— Aber das ist doch für die Kinder! — kreischte Lenotschka und sprach zum ersten Mal.
— Was ist los, Mama Tanja, lieben Sie uns nicht?
— Sind Ihnen die Beete wichtiger als Ihr eigener Sohn?
Das war ein verbotener Trick.
Eine Manipulation in Reinform.
Tatjana Iwanowna sah ihre Schwiegertochter lange, prüfend an.
— Liebe, Lena, wird nicht in Geld und Geschenken gemessen, — sagte sie leise, aber fest.
— Liebe ist auch Respekt.
— Respekt vor der Arbeit der Eltern, vor ihrem Recht auf ihr eigenes Leben.
— Ich habe meinen Sohn großgezogen, ihm eine Ausbildung gegeben, euch bei der ersten Rate für die Hypothek geholfen.
— Ich finde, meine Pflicht als Mutter habe ich erfüllt.
— Ab jetzt müsst ihr selbst.
— Selbst?! — empörte sich Nikolai Petrowitsch.
— Wo sollen sie denn selbst so viel Geld hernehmen?
— Das ist doch Knechtschaft für fünf Jahre!
— Und das, Nikolai Petrowitsch, nennt man Erwachsenenleben, — schnitt Tatjana Iwanowna ihm das Wort ab.
— Wer fahren will, muss auch den Schlitten ziehen können.
— Oder verdienen.
— Anton, — sie wandte sich an ihren Sohn.
— Willst du wirklich, dass ich mein Haus verliere, nur damit du vor Kollegen mit den Schlüsseln eines ausländischen Wagens herumklimpern kannst?
Anton schwieg lange.
Er drehte die Gabel in den Händen, sein Gesicht bekam Flecken.
Man sah, wie in ihm der Wunsch nach einem Spielzeug und die Reste seines Gewissens kämpften.
— Nein, Mama, — presste er наконец dumpf heraus.
— Will ich nicht.
— Was heißt „will ich nicht“? — zischte Lena ihn an und stieß ihn mit dem Ellbogen in die Seite.
— Wir haben doch abgemacht!
— Du hast es versprochen!
— Ich habe Nein gesagt! — Anton schlug plötzlich mit der Faust auf den Tisch, sodass die Salatschüssel hüpfte.
— Mama hat recht.
— Das ist ihre Datscha.
— Papa hat sie gebaut.
— Ich bin dort aufgewachsen.
— Sie für ein Stück Blech zu verkaufen ist eine Schweinerei.
— Wir verdienen es selbst.
— Oder wir kaufen etwas Einfacheres, Gebrauchtes.
— Gebrauchtes! — schnaubte Galina Sergejewna.
— Damit es nicht aus der Werkstatt rauskommt?
— Nein, meine Tochter fährt nicht in einer Schrottkiste!
— Dann soll sie zu Fuß gehen, — fasste Tatjana Iwanowna ruhig zusammen.
— Das ist gesund.
Das Abendessen war hoffnungslos verdorben.
Die Schwiegereltern machten sich nach fünf Minuten auf den Heimweg.
Nikolai Petrowitsch brummte etwas von „Geiz“ und „im Winter bittet man vergeblich um Schnee“, Galina Sergejewna presste die Lippen zusammen und schaute demonstrativ nicht zur Gastgeberin.
Lena weinte im Flur, während sie ihre Schuhe anzog.
— Danke fürs Abendessen, Mama, — sagte Anton, als er kurz an der Tür stehen blieb.
Er sah müde aus, aber irgendwie… erwachsener.
— Verzeih uns.
— Wir sind Idioten.
— Haben zu viel gehört…
— Geh, mein Sohn, — Tatjana Iwanowna strich ihm über die Schulter.
— Du musst deinen eigenen Kopf haben.
— Lass никому für dich entscheiden, was richtig ist und was nicht.
— Auch nicht mir.
— Aber gib deins auch nicht einfach so her.
Als die Tür hinter den Gästen ins Schloss fiel, räumte Tatjana Iwanowna nicht sofort den Tisch ab.
Sie goss sich frischen Tee ein, ging auf den Balkon und öffnete das Fenster.
Die Stadt шумte, unten rasten Autos vorbei – teure und billige, neue und alte.
Die Menschen eilten, hetzten, verschuldeten sich für Status und Komfort und vergaßen etwas Wichtigeres.
Sie stellte sich vor, wie sie morgen früh zur Datscha fahren würde.
Mit der ersten S-Bahn.
Sie würde an der Station aussteigen und tief den Duft von Kiefern und nassem Gras einatmen.
Sie würde bis zu ihrem Tor gehen, das man eigentlich mal nachstreichen müsste.
Sie würde das Haus öffnen, das sie mit Kühle und dem Geruch alten Holzes begrüßen würde.
Sie würde die Apfelbäume grüßen.
„Verkaufen?“, dachte sie.
„Für kein Geld der Welt.“
Natürlich waren die Beziehungen zu den Schwiegereltern endgültig verdorben.
Galina Sergejewna zischte теперь bei Begegnungen ein „Guten Tag“ durch die Zähne und wandte sich sofort ab.
Lena schmollte auch einen Monat lang, rief nicht an, kam nicht vorbei.
Aber Tatjana Iwanowna machte sich keine Sorgen.
Sie wusste: Die Zeit wird alles an seinen Platz stellen.
Ein halbes Jahr später kauften Anton und Lena doch ein Auto.
Keinen neuen SUV, sondern eine fünf Jahre alte Limousine, bescheiden, aber zuverlässig.
Sie nahmen einen kleinen Kredit, den Anton mit Nebenjobs abzahlte.
An einem der Sommertage, als Tatjana Iwanowna auf der Veranda der Datscha Stachelbeermarmelade kochte, hupte es am Tor.
Sie schaute hinaus und sah die vertraute Limousine.
Aus dem Auto stieg Anton aus, und hinter ihm Lena, die unbeholfen eine große Tüte in den Händen hielt.
— Hallo, Mama! — rief Anton.
— Wir haben uns gedacht… wir machen шашлык.
— Nimmst du uns auf?
— Ich nehme euch auf, куда soll ich denn hin, — lächelte Tatjana und wischte sich die Hände an der Schürze ab.
Lena trat näher, die Augen gesenkt.
— Tatjana Iwanowna, das ist für Sie…
— Dünger für Rosen.
— Ich habe gelesen, der ist sehr gut.
— Und… entschuldigen Sie uns wegen damals.
— Wir haben wirklich eine Dummheit gesagt.
— Hier ist es so schön.
— Still.
Tatjana sah ihre Schwiegertochter an.
Zum ersten Mal seit langer Zeit war in den Augen des Mädchens nicht dieser abschätzige Glanz, sondern простая menschliche Müdigkeit vom Stadtlauf und Aufrichtigkeit.
— Kommt rein, — sagte Tatjana просто.
— Dünger ist gut.
— Rosen sind dieses Jahr капризные.
— Und euer Auto ist klasse.
— Ihr habt es selbst gekauft – значит, werdet ihr es auch schätzen.
Sie saßen bis tief in die Nacht auf der Veranda.
Sie tranken Tee mit Marmelade und hörten den Grillen zu.
Anton erzählte von der Arbeit, Lena fragte, wie man Gurken richtig einlegt.
Und niemand sagte ein Wort über Geld, über выгода, über „Rationalität“.
Tatjana Iwanowna sah sie an und dachte, dass ein festes „Nein“ manchmal das beste Geschenk ist, das man Kindern machen kann.
Weil es sie lehrt, erwachsen zu sein.
Und die Datscha…
Die Datscha stand und wird stehen.
Wie eine Festung, die die Familie bewahrt, auch wenn diese Familie manchmal versucht, ihre Mauern zu разрушить.
Und die Schwiegereltern…
Die Schwiegereltern verkauften ihre Garage так und nicht.
Nikolai Petrowitsch geht immer noch dorthin „zu den Männern“, und Galina Sergejewna klagt weiterhin über das Leben.
Aber jetzt, wenn von Tatjana Iwanowna die Rede ist, schweigen sie lieber vielsagend.
Offenbar haben sie verstanden, dass sie diese Festung nicht einnehmen werden.
Das ist so eine Geschichte, Freunde.
Das Leben prüft uns oft auf Festigkeit und wirft uns schwierige Dilemmata hin.
Das Wichtigste ist, sich selbst treu zu bleiben und nicht das zu verraten, was einem teuer ist, ради momentaner Wünsche, selbst wenn sie von den engsten Menschen kommen.
Ende.







