Jan Semjonowitsch und Ljudmila Iwanowna hatten es schon oft bereut, dass sie den Bitten ihres Sohnes nachgegeben und ihr Haus verkauft hatten… Dort lebte es sich zwar nicht reichlich, aber es war ihre eigene Ecke, wo sie sich als Herr und Herrin fühlten.
Und hier? Sie fürchteten sich, überhaupt das Zimmer zu verlassen, um die Schwiegertochter Alina nicht zu verärgern.

Die regte sich über alles auf – darüber, wie sie in Hausschuhen schlurften, wie sie Tee tranken, wie sie aßen.
Der Einzige, dem sie in dieser Wohnung etwas bedeuteten, war der Enkel Artjom.
Ein großer, stattlicher junger Mann, er hing an seinen Großeltern.
Wenn seine Mutter in seiner Gegenwart die Stimme erhob, stellte er sich sofort auf ihre Seite.
Und der Sohn Igor… Ob er Angst vor seiner Frau hatte oder es ihm einfach egal war, er nahm seine Eltern niemals in Schutz.
Artjom aß sogar mit Oma und Opa zu Abend.
Nur war er selten zu Hause – er absolvierte ein Praktikum und wohnte im Wohnheim nahe der Arbeit.
Er kam nur am Wochenende vorbei.
Die Alten warteten auf diese Tage wie auf ein Fest.
Und nun stand schon das Neue Jahr vor der Tür.
Artjom schaute früh am Morgen vorbei, um alle zu beglückwünschen.
Er ging ins Zimmer zu Oma und Opa, holte Geschenke hervor – warme Wollsocken und Fäustlinge.
Er wusste, dass sie immer froren.
Für den Opa einfache, für die Oma mit Stickerei.
Ljudmila Iwanowna drückte die Fäustlinge an ihre Wange und fing an zu weinen.
— Oma, was ist denn? Gefallen sie dir nicht?
— Aber was sagst du, mein Lieber! Ein besseres Geschenk hätte ich mir nicht wünschen können.
Sie umarmte den Enkel, und er küsste, wie in Kindertagen, ihre Hände.
Die rochen immer nach Äpfeln, nach Kuchen, und vor allem nach Wärme und Fürsorge.
— Na gut, haltet hier ein paar Tage ohne mich aus.
Ich gehe mit den Jungs spazieren, dann komme ich zurück.
— Gut, mein Lieber, – nickte die Großmutter.
Artjom ging.
Die Alten blieben im Zimmer.
Eine Stunde später hörten sie, wie Alina ihren Mann anschrie: „Gäste kommen, und hier die Alten! Wohin mit denen?
Es ist peinlich vor den Leuten! Und wo sollen die Gäste dann schlafen?“ Igor brummte etwas zurück, aber die Frau wollte nicht einmal zuhören.
Ljudmila und Jan saßen still wie Wasser, trauten sich nicht einmal, den Wasserkocher anzustellen.
Er holte die kostbaren Waffeln aus dem Schrank und teilte sie mit seiner Frau.
Sie saßen am Fenster und kauten schweigend.
In Ljudmilas Augen zitterten Tränen.
Wie weh es tut – so alt zu werden und niemandem mehr gebraucht zu werden…
Es dämmerte.
Igor trat ins Zimmer.
— Es ist so… Die Gäste kommen gleich, ihr müsst irgendwohin gehen.
Ihr versteht ja – mit euch ist kein Fest.
— Sohn, wohin sollen wir denn gehen? – fragte die Mutter.
— Wir kennen hier niemanden.
— Weiß nicht… Die Nachbarin hat euch doch mal ins Dorf eingeladen – vielleicht dahin?
— Wie denn? Busse fahren schon nicht mehr, und wo sie jetzt ist…
— Jedenfalls, ihr habt eine Stunde zum Packen.
Er ging hinaus.
Ljudmila und Jan sahen sich an und unterdrückten die Tränen.
Sie packten ihre Sachen – und die Fäustlinge des Enkels kamen gleich zum Einsatz.
Sie gingen hinaus auf die Straße.
Es dämmerte bereits, die Leute eilten ihren Geschäften nach.
Ljudmila nahm ihren Mann unter den Arm, und sie schlenderten in den Park.
Unterwegs gingen sie in ein Café, tranken Tee mit belegten Broten – denn den ganzen Tag hatten sie nichts gegessen.
Fast eine Stunde saßen sie dort, wagten nicht hinaus in die Kälte.
Doch schließlich gingen sie doch.
Im Park gab es einen Pavillon.
Dort beschlossen sie, die Zeit zu überbrücken.
Sie setzten sich, eng aneinander gedrückt.
Ljudmila betrachtete die Fäustlinge an ihren Händen.
Jan seufzte:
— Wenigstens unser Enkel hat ein gutes Herz, im Gegensatz zu seinen Eltern.
— Ja… Wir hatten ihm versprochen, durchzuhalten – aber wir haben es nicht geschafft.
Es schneite, in den Fenstern leuchteten Girlanden.
Die Menschen bereiteten sich auf das Fest vor.
Plötzlich winselte ein Hund zu ihren Füßen – ein fröhlicher Spaniel.
Er sprang der Großmutter auf den Schoß.
— Wem gehörst du, Kleiner? Hast du dich verlaufen?
Aus der Ferne ertönte eine Stimme:
— Graf! Wo bist du? Es ist Zeit, nach Hause zu gehen!
Ein Mädchen kam zum Pavillon.
Sie sah die Alten, den Hund auf dem Schoß der Frau.
Ihr Blick wurde weich.
— Verzeihen Sie, er ist ein Lieber, er tut niemandem was… Sitzen Sie schon lange hier?
— Schon lange, Töchterchen…
— Aber warum nicht zu Hause? Bald ist Neujahr, draußen ist es kalt.
Die Alten schwiegen.
— Haben Sie keinen Ort, wohin Sie gehen können?
Sie senkten die Augen.
— So… – Sie erstarrte für einen Moment.
— Gut, das Gespräch setzen wir in der Wärme fort.
Ich bin leicht bekleidet, schon ganz durchgefroren.
Und Sie bestimmt auch.
Kommen Sie, wir gehen zu mir.
— Wozu dir die Mühe? Wir kommen schon irgendwie zurecht…
— Nein, nein! Graf und ich leben allein, es ist genug Platz.
Kommen Sie, sonst verpassen wir das Fest.
Sie sahen einander an, standen auf.
Sogar in den warmen Socken waren ihre Füße steif vor Kälte.
Sie gingen langsam, der Hund sprang fröhlich umher, mit wedelndem Schwanz.
Zu Hause war es warm, es roch nach Kuchen.
Der Weihnachtsbaum funkelte mit Lichtern.
Das Mädchen – Daria hieß sie – deckte den Tisch.
Die ganze Nacht saßen sie und unterhielten sich.
Ljudmila erzählte, wie sie im Pavillon gelandet waren.
Daria war den Tränen nah:
— Wie kann man nur seine eigenen Eltern auf die Straße setzen?!
Am Morgen ließ sie sie nicht gehen.
Sie behielt sie bei sich.
Es war für sie schön mit ihnen – als wären die eigenen Verwandten zurückgekehrt.
Inzwischen war Artjom zurückgekommen, schaute ins Zimmer zu Oma und Opa – leer.
Das Bett unberührt.
— Mama, wo sind sie?
— Sie sind gegangen.
— Wohin?!
— Am 31. habe ich sie gebeten zu gehen – Gäste waren da.
Artjom griff nach der Jacke und rannte hinaus.
Zwei Stunden lang suchte er, fragte Passanten.
Verzweiflung übermannte ihn.
Und plötzlich sah er ein Mädchen mit einem Hund.
An ihren Händen – die Fäustlinge der Großmutter.
— Entschuldigen Sie, woher haben Sie die?
— Und warum?
— Solche habe ich meiner Oma geschenkt! Und jetzt sind sie und Opa weg…
— Sind Sie Artjom?
Sie lächelte.
— Kommen Sie mit mir.
Unterwegs erzählte Daria, wie sie sie im Park gefunden hatte.
Wie sie sie bei sich behalten hatte.
Zu Hause roch es nach Pfannkuchen.
— Ich liebe diesen Duft, – flüsterte Artjom.
Daria ging in die Küche:
— Seht mal, wen wir gefunden haben!
Ljudmila stürzte zum Enkel.
Dann setzten sich alle an den Tisch.
Artjom entschuldigte sich für seine Eltern.
Daria überredete die Alten, bei ihr zu bleiben.
So wurde es in ihrer Wohnung, wo zuvor nur sie und Graf lebten, laut, warm und gemütlich.
Der Hund suchte sich jetzt selbst aus, bei wem er schlafen wollte.
Und Artjom und Daria… Das ist schon eine andere Geschichte.
Das Wichtigste – Güte.
Manchmal reicht es, einfach zu lächeln.
Zu fragen: „Was ist passiert?“ Etwas Gutes zu tun.
Und seitdem ertönte in dieser Wohnung immer Lachen, es roch nach Kuchen, und Lord konnte sich nie entscheiden, bei welchem seiner neuen Herrchen es gemütlicher war.







