Nach der Trennung und dem Diebstahl der Ersparnisse: Schwiegermutter eilt zur Hilfe

Alles brach in einem Moment zusammen.

Mein Mann, Igor, war verschwunden, hatte all unsere Ersparnisse mitgenommen und ließ mich mit unserer sechs Monate alten Tochter in einer Mietwohnung am Stadtrand von Jekaterinburg zurück.

Ich lief verzweifelt umher und wusste nicht, wie ich überleben sollte.

Doch Hilfe kam von dort, wo ich sie nie erwartet hätte — von meiner Schwiegermutter.

Diese Geschichte handelt davon, wie Verrat zur Rettung wurde und ein Feind mir näher als eigenes Blut kam.

Als Igor verschwand, saß ich zwischen Kisten voller Sachen, hielt Marfa im Arm und überlegte, womit ich die Miete zahlen sollte.

Am selben Abend klingelte das Telefon — es war meine Schwiegermutter, Galina Semjonowna.

Als sie von unserem Unglück hörte, kam sie sofort.

Ich rechnete mit Vorwürfen — wir waren immer wie Hund und Katze gewesen.

Doch stattdessen sagte sie scharf:

— Pack deine Sachen. Ihr zieht zu mir.

Ich zögerte.

Unter einem Dach mit einer Frau zu leben, mit der ich mich jahrelang über jede Kleinigkeit gestritten hatte?

Doch als sich sogar meine eigene Mutter abwandte — „Kein Platz, Natascha mit den Kindern wohnt schon hier“ — war Galina Semjonowna die Einzige, die mir die Hand reichte.

— Danke, — flüsterte ich, während mir ein Kloß im Hals stecken blieb.

— Ach was, — sie wiegte Marfa schon in den Armen. — Du bist mir nicht fremd. Und du, Liebling, komm zu Oma. Wir kochen Brei, gehen spazieren, lesen Bücher…

Ich war sprachlos.

Diese Frau, die einst zischte: „Das Kind hast du nur angehängt, um zu heiraten!“, küsste nun zärtlich meine Tochter auf den Kopf.

In ihrer Wohnung gab sie uns das große Zimmer und selbst wohnte sie in der kleinen Kammer.

— Was glotzt du? Das Kind braucht Platz, — brummte sie. — Abendessen in einer Stunde.

Auf dem Tisch — Buchweizen mit Fleischklößchen und Kompott.

— Du brauchst was Gesundes, du stillst ja. Wenn du was Gebratenes willst — sag Bescheid, aber für die Kleine ist Gekochtes besser.

Im Schrank standen Gläschen mit Brei.

— Zeit für Beikost. Wenn ihr die nicht schmecken, kaufen wir andere.

Da brach ich in Tränen aus.

Ihre Fürsorge brannte wie die Sonne nach einem langen Winter.

Sie zog mich an sich:

— Na komm. Männer — unzuverlässiges Volk. Meinen Igor hab ich alleine großgezogen — sein Vater ist abgehauen, als er zu krabbeln anfing. Ich lass meine Enkelin nicht ohne Familie aufwachsen. Reiß dich zusammen!

An Marfas erstem Geburtstag saßen wir zu dritt — meine Tochter, ich und Galina Semjonowna, die mir näher war als meine eigene Mutter.

Als es an der Tür klingelte, erstarrte ich: Igor stand da mit irgendeinem Mädchen.

— Mama, das ist Olya. Können wir bei dir wohnen? Kein Geld…

Mein Herz sank.

Doch die Schwiegermutter brüllte so, dass die Wände bebten:

— Raus! Hast Frau und Kind sitzenlassen und kommst jetzt angekrochen? Und du, Olya, pass auf — er spielt mit dir und wirft dich auch weg.

Ich hatte mich in ihr getäuscht.

Galina Semjonowna wurde mir zur Mutter.

Wir lebten noch fünf Jahre zusammen, bis ich Sergej kennenlernte.

Bei der Hochzeit saß sie am Kopfende des Tisches.

Marfa geht schon zur Schule, und bald kommt Wanja zur Welt.

Die Schwiegermutter strickt ihm Schühchen und fragt jeden Tag: „Na, wann ist es so weit?“ — ihre Augen leuchten wie bei einem Mädchen.

Ein größeres Geschenk des Schicksals hätte ich mir nicht wünschen können.