Als Olga nach einem Monat zusammen mit Anton aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war Igor überglücklich.
Er half ihr vorsichtig ins Auto, setzte ihren Sohn sicher in den Autositz und lächelte beide an.

Doch die Freude verschwand plötzlich, als Olga sich zu ihm drehte, ihm direkt in die Augen sah und sagte:
— Igor, ich möchte, dass du Nastia ins Waisenhaus bringst.
Igor erstarrte.
Er glaubte, er habe sich verhört, dass die Müdigkeit und all die Emotionen der letzten Monate ihm einen Streich spielten.
— Was? — fragte er, in der Hoffnung, er habe es nicht richtig verstanden.
— Ich will sie nicht mehr in unserem Haus, — sagte Olga bestimmt.
— Jetzt haben wir Anton.
Er ist unser, das ist wahr.
Wir brauchen kein fremdes Kind mehr.
Igor spürte einen kalten Schauer.
Er konnte nicht glauben, dass diese Worte aus dem Mund seiner Frau kamen, derselben Olga, die ihn überzeugt hatte, Nastia zu adoptieren, die ihm versprochen hatte, sie wie ihr eigenes Kind zu lieben.
Er starrte sie schockiert an, aber sie schien entschlossen.
In ihren Augen war kein Hauch von Zögern.
— Olga, was redest du da? Sie ist unsere Tochter!
— Nein, Igor, sie ist es nicht. Sie ist nicht unser Blut.
Ich habe das immer schon gespürt.
Du weißt auch, wie die Leute uns angesehen haben.
Wie schwer es für mich war, ständig zu hören, dass sie nicht unsere ist!
Jetzt haben wir ein echtes Kind und ich muss mich nicht mehr verstellen.
Igor presste die Hände fest ans Lenkrad, während Wut und Abscheu in ihm aufkochten.
Er konnte nicht fassen, dass die Frau, mit der er so viele Jahre verbracht hatte, zu so etwas fähig war.
Wie konnte man ein Kind, das man großgezogen und geliebt hatte, einfach aufgeben?
In diesem Moment spürte er, dass etwas endgültig zwischen ihnen zerbrochen war.
— Ich werde Nastia nicht im Stich lassen, — sagte er mit leiser Stimme.
— Wenn du das tun kannst, dann kenne ich dich überhaupt nicht.
— Igor! — erhob Olga ihre Stimme.
— Willst du wirklich unsere Familie für ein fremdes Kind zerstören?
Verstehst du nicht, dass Anton jetzt wichtiger ist?
Wie kannst du sie auf die gleiche Stufe stellen?
— Ich vergleiche sie nicht.
Sie ist meine Tochter.
Und wenn du ein Problem damit hast, dann ist das allein dein Problem.
Der Weg nach Hause verlief in Stille.
Als sie ankamen, rannte Nastia fröhlich, um ihre Mutter und ihren kleinen Bruder zu begrüßen, aber Olga warf ihr kaum einen Blick zu und ging an ihr vorbei.
Das Mädchen spürte sofort, dass etwas nicht stimmte, und sah ihren Vater besorgt an.
In den folgenden Tagen wurde die Spannung im Haus unerträglich.
Olga ignorierte Nastia vollkommen, tat so, als wäre sie nicht einmal da.
Dann begannen die Streitereien.
Olga forderte Igor auf, sich zu entscheiden – entweder sie und Anton, oder Nastia.
Igor konnte nicht fassen, dass seine Frau ihn tatsächlich bat, so etwas zu tun.
Er liebte Anton, aber er liebte auch Nastia.
Er konnte sie nicht einfach aus seinem Leben werfen.
— Dann geh, wenn dir dieses Mädchen so viel bedeutet! — schrie Olga eines Tages.
— Geh mit ihr! Es ist mir egal!
Igor starrte sie ohne zu blinzeln an.
Da verstand er, dass die Frau, die er geliebt hatte, nicht mehr existierte.
Vor ihm stand nur eine Fremde, eine kalte Person, die in der Lage war, ein Kind, das sie jahrelang großgezogen hatte, einfach rauszuwerfen.
— Gut, — sagte er ruhig.
— Ich gehe.
Und Nastia kommt mit mir.
Olga war sprachlos.
Sie hatte gedacht, er würde nachgeben, dass er tun würde, was sie wollte.
Aber seine Entscheidung stand fest.
Am nächsten Tag packten Igor und Nastia ihre Sachen und verließen das Haus, in dem sie einst glücklich gewesen waren.
Sie zogen in eine andere Stadt, wo Igor einen neuen Job fand und sie von vorne anfingen.
Am Anfang war es schwer, aber Nastia klagte nie.
Sie wusste, dass ihr Vater sie liebte, und das war genug.
Die Jahre vergingen.
Nastia wuchs auf, schloss das Studium ab und wurde eine erfolgreiche Frau.
Olga tauchte nie wieder in ihrem Leben auf.
Igor erfuhr, dass Olga einige Jahre, nachdem sie gegangen waren, von einem anderen Mann geschieden wurde, aber es kümmerte ihn nicht.
Eines Tages, als Nastia ihre Tochter im Arm hielt, sah sie ihren Vater an und sagte:
— Papa, danke, dass du mich damals nicht verlassen hast.
Ich liebe dich. Igor lächelte und fühlte, wie Wärme sein Herz erfüllte.
Er wusste, dass er die einzig richtige Entscheidung seines Lebens getroffen hatte.
Und er hatte es nie bereut.
Wenn dir die Geschichte gefallen hat, vergiss nicht, sie mit deinen Freunden zu teilen!
Gemeinsam können wir Emotionen und Inspiration weitertragen.







